Corona
Impfen von 16 bis 20 Uhr in Amriswil – doch die Impfmittel waren bereits nach halber Stunde ausgeschossen

Am Dienstagnachmittag machte der Impfbus des Kantons Thurgau in Amriswil halt. Dass sich nicht alle impfen lassen konnten, lag jedoch nicht an den Demonstranten vor dem Pentorama.

Manuel Nagel Jetzt kommentieren
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Rund zwei bis drei Dutzend Personen demonstrieren am späten Dienstagnachmittag vor dem Pentorama in Amriswil gegen das mobile und niederschwellige Impfangebot des Kantons.

Rund zwei bis drei Dutzend Personen demonstrieren am späten Dienstagnachmittag vor dem Pentorama in Amriswil gegen das mobile und niederschwellige Impfangebot des Kantons.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 7. September 2021)

Eigentlich hätte man sich am Dienstag im Amriswiler Pentorama von 16 bis 20 Uhr impfen lassen können. Eigentlich. Doch schon um 16.30 Uhr war klar, dass nicht jede und jeder Impfwillige die gewünschte Dosis erhalten wird.

Das lag jedoch nicht an der Demonstrantenschar, die sich auf dem Vorplatz des Pentorama mit Transparenten und Plakaten postiert hatte und nun versuchte, den Impfwilligen das niederschwellige Angebot des Kantons auszureden. «Du bist nicht alleine. Wir sind viele!» stand etwa auf dem einen Plakat. «Viele» ist relativ, doch an diesem Dienstag markierten rund zwei bis maximal drei Dutzend Impfgegner Präsenz. Für die Skeptiker ein Erfolg. «War eine super Demo heute. Weiter so. Lasst euch nicht impfen», schrieb eine Frau in einer Amriswiler Facebookgruppe.

Kein Erfolg hatte hingegen ein Mann, der sich impfen lassen wollte, und sich ebenfalls in dieser Gruppe zu Wort meldete. «Ganz schwache Leistung. Impfungen von 16 bis 20 Uhr. Um 16.15 Uhr angestanden und um 16.30 Uhr die Meldung, dass die Impfmittel ausgeschossen sind. Bravo!» So wie diesem Impfwilligen erging es vielen anderen, die im Laufe des frühen Abends noch zum Pentorama pilgerten und von der Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes informiert wurden, dass keine Impfmittel mehr vorhanden seien. Sie sagte:

«Bereits gegen drei Uhr herum sind hier schon fast hundert Leute angestanden.»

Am Mittwoch teilt der Informationsdienst des Kantons Thurgau mit, dass nicht zu wenig Impfstoff vorhanden gewesen sei, sondern «die Kapazitäten waren aufgrund des grossen Andrangs bereits um 16.30 Uhr absehbar ausgeschöpft». Zu dieser Zeit seien 120 Personen in der Warteschlange gestanden, und 120 Personen würden auch der Kapazität entsprechen, die das mobile Impfteam des Kantons in den vorgegebenen vier Stunden impfen könne.

«Das Amt für Gesundheit ist überrascht vom konstant hohen Andrang, da auch im Impfzentrum in Weinfelden seit drei Wochen täglich Walk-in-Impfungen möglich sind.»

Das sagt Thomas Walliser Keel vom kantonalen Informationsdienst. Einige der in Amriswil abgewiesenen Personen machten sich dann auch spontan auf nach Weinfelden, um sich doch noch an diesem Abend impfen zu lassen. «Jetzt konnte ich mich endlich durchringen zur Impfung», sagte ein Mann. Das ziehe er jetzt durch.

Beim Kanton wird nun aufgrund des grossen Andranges an den bisherigen Impfbus-Standorten geprüft, ob man das Personal und somit die Kapazitäten für künftige Impfaktionen aufstocken könne. Am Donnerstag in der Mehrzweckhalle in Rickenbach wird man auch nur 120 Dosen verimpfen können. «In dieser Woche können wir aber noch nicht aufstocken», sagt Thomas Walliser Keel. Am Freitag ist der Impfbus dann von 16 bis 20 Uhr wieder im Oberthurgau, bei der Ernst Fischer AG in Romanshorn.

Boulevard-Reporter im Wortgefecht mit Amriswiler Geschäftsmann

Derweil gab es an anderer Front Zoff. Einige der Demonstranten erblickten den Reporter eines Boulevardmediums. Ein Amriswiler Steuerberater, der ein Kartonschild mit der Aufschrift «Stopp Impf-Apartheid» in den Händen hielt, nannte ihn einen Provokateur und verlangte vom Journalisten, dass er den öffentlichen Platz verlassen solle. Andere wiederum forderten Maske und Mindestabstand von ihm. Der Reporter entgegnete darauf, man könne sich ja gleich hier impfen lassen, wenn man Angst vor einer Ansteckung habe.

Passanten, die das Treiben aus einiger Entfernung beobachteten, zeigten sich amüsiert ob dieser Auseinandersetzung der Impfgegner mit dem Medienmann – und einer sagte kopfschüttelnd zu seinem Kollegen:

«Was für eine Freakshow!»
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