Als erste Gemeinde in der Region führte Sulgen eine Gemeindeversammlung während der Coronakrise durch

Die Sulger trotzten der Pandemie und trafen sich am Dienstagabend im Auholzsaal, um über drei Sachgeschäfte und vier Einbürgerungsgesuche abzustimmen.

Georg Stelzner
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Zutritt zur Gemeindeversammlung im Auholzsaal: Die Coronapandemie erfordert Sicherheitsvorkehrungen.

Zutritt zur Gemeindeversammlung im Auholzsaal: Die Coronapandemie erfordert Sicherheitsvorkehrungen.

Bild: Reto Martin (30. Juni 2020)

War es demokratisches Pflichtbewusstsein, Neugier oder bloss das Fehlen einer attraktiven Alternative? Wie auch immer: 71 Stimmberechtigte oder rund drei Prozent fanden sich am Dienstagabend im Auholzsaal ein, um über die Traktanden der Gemeindeversammlung zu befinden. Es war der zweite Anlauf, nachdem der Lockdown eine Durchführung am 19. Mai verhindert hatte.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren nicht zu übersehen: Maskentragendes Verwaltungspersonal, Desinfektionsmittel beim Eingang und ungewohnte Abstände zwischen den Stühlen. «Dem Gemeinderat ist es wichtig, dass alle Stimmbürger teilnehmen können. Auch solche, die einer Risikogruppe angehören», sagte Gemeindepräsident Andreas Opprecht einleitend.

Im Vergleich zum Budget eine klare Besserstellung

Die Rechnung 2019 der Politischen Gemeinde Sulgen bot keinen Anlass für kritische Voten. Die Erfolgsrechnung schliesst mit einem Netto-Ertragsüberschuss von 9500 Franken ab.

Im steuerfinanzierten Bereich beträgt der Bruttogewinn rund 60'000 Franken. Das Budget 2019 ging noch von einem Verlust von 463'100 Franken aus.

Vor dem Betreten des Saals werden die Hände mit dem bereitstehenden Mittel desinfiziert.

Vor dem Betreten des Saals werden die Hände mit dem bereitstehenden Mittel desinfiziert.

Bild: Reto Martin (30. Juni 2020)

Der Gemeindepräsident führte den höheren Steuerertrag als Hauptgrund für das erfreuliche Ergebnis an. Dadurch seien Mehrkosten, wie etwa für den Strassenunterhalt, leichter zu verkraften gewesen.

Andreas Opprecht stellte zufrieden fest, dass inzwischen zahlreiche Aufgaben gemeindeübergreifend, das heisst in einem grösseren Verbund, erledigt würden.

Eine Revision mit gewissen Einschränkungen

Daniel Naef räumte in seiner Funktion als Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK) ein, dass die Revision dieses Jahr aufgrund der Coronapandemie mit «gewissen Einschränkungen» habe durchgeführt werden müssen. Dies sei in einer Atmosphäre des Vertrauens geschehen.

Das Coronavirus fordert seinen Tribut: Der Abstand zwischen den Stühlen ist wesentlich grösser als sonst.

Das Coronavirus fordert seinen Tribut: Der Abstand zwischen den Stühlen ist wesentlich grösser als sonst.

Bild: Reto Martin (30. Juni 2020)

Auch unter den erschwerten Bedingungen habe sich die RPK aber ein realistisches Bild über den finanziellen Zustand der Gemeinde machen können, erklärte Naef und schloss seine Ausführungen mit einem dicken Lob für das «motivierte und interessierte Personal» in der Sulger Gemeindeverwaltung.

Ja zur Rechnung und Gewinnverwendung

Die Versammlungsteilnehmer genehmigten die Jahresrechnung ohne Gegenstimmen und erklärten sich auch mit der Gewinnverwendung einverstanden. Somit dienen 50'000 Franken als Vorfinanzierung für die Aufspurung Industriestrasse, während die restlichen 9500 Franken wie vom Gemeinderat beantragt dem Eigenkapital zugeführt werden können.

Zweckverband, Reglement und Einbürgerungen

Die Gemeindeversammlung hiess die beantragte Auflösung des Wasserversorgungszweckverbandes Felsenholz ebenso gut wie das Reglement für einen Fonds aus Erbschaften, Legaten und Schenkungen. Gemeinderat Markus Lauchenauer erklärte, dass die Versorgungssicherheit beim Wasser durch diverse Investitionen markant erhöht worden sei und der Zweckverband nicht mehr gebraucht werde, weil die Gemeinde inzwischen dafür zuständig sei. Für das neue Reglement warb Gemeinderat Werner Herrmann. Er gab zu bedenken, dass die Parameter für Geber und Nehmer klar ersichtlich sein müssten. Die vier traktandierten Einbürgerungsgesuche wurden ausnahmslos mit jeweils klarer Mehrheit genehmigt. Die Gesuchsteller waren deutsche, ecuadorianische und serbische Staatsbürger. (st)

Mehrere Unternehmen investieren in Sulgen

Gemeindepräsident Andreas Opprecht gab einen Überblick über Bauprojekte in Sulgen. Das Recyclingwerk der Schnider AG soll Anfang August eröffnet werden. Die Fertigstellung der Moschee an der Romanshornstrasse ist für Herbst geplant. Unmittelbar bevor steht die Aufrichte des Kühlschrankwerks der V-Zug Kühltechnik; bis zur Inbetriebnahme wird es aber noch bis Januar 2022 dauern. Die Firma Sidag erweitert ihre Produktionsstätte und die Thurgauer Kantonalbank will ihre Filiale umbauen. Mit der Burgmer Geflügelzucht lässt sich an der Auholzstrasse ein neues Unternehmen in Sulgen nieder. Die Landi Mittelthurgau wird ihre Tankstelle mit Shop beim Kreisel Ende 2020 eröffnen. Der Baubeginn für das Bahndienstzentrum der SBB verzögert sich wegen der Coronakrise um rund ein Jahr. (st)