Chaos um Zelte: Das Material eines Testzentrums stammt angeblich nicht aus der Schweiz – die beauftragte Frauenfelder Firma dementiert

Zur Entrüstung der Schweizer Zeltbauer wurden die Zelte für das Testzentrum in Dübendorf aus Norddeutschland importiert. Dies sagen Vertreter der Zeltbauerbranche. Die beauftragte Frauenfelder Firma schreibt in einer Stellungnahme, dass das Material zu 80 Prozent aus der Schweiz stamme.

Sabrina Manser
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Die Zelte in Dübendorf sind angeblich importiert.

Die Zelte in Dübendorf sind angeblich importiert.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Eventbranche leidet unter der Coronakrise. Dazu gehören auch die Zeltbauer. Ein kleiner Lichtblick könnte für sie der Aufbau von Coronatestzentren sein. Nicht jedoch, wenn die Zelte – wie in der Zeltbauerbranche gesagt wird – aus Deutschland stammen, so wie in Dübendorf. Dort und auch auf dem Waffenplatz Frauenfeld und in Oberstammheim stehen Zelte aus Norddeutschland – dies aber schon länger. Aufgestellt hat die Zelte die FVF Zelte-Messebau AG in Frauenfeld, die nicht Mitglied des Zeltbauer-Verbands ist.

Daniel Bürgisser, Vorstandsmitglied von Tectum, des Schweizer Verbandes der Festzeltbauer, sagt:

«Es ist verrückt, wenn Material aus Norddeutschland geholt wird, obwohl wir es hier vor der Haustüre hätten.»

«Zeltbauer im Kanton Thurgau haben das Material und die Mitarbeitenden hier.» Er versteht nicht, wie man Kurzarbeitsentschädigung zahle, dann aber Bundesaufträge ins Ausland vergebe.

Material und Mitarbeiter aus der Schweiz

Wie der «Zürcher Oberländer» und die «Aargauer Zeitung» berichteten, liege die Verantwortung des Aufbaus des Testzentrums in Dübendorf bei den entsprechenden Spitälern. Das Stadtspital Waid und Triemli hätten den Auftrag an die Event Manufaktur GmbH vergeben. Sandro Keller, der mit dem Zeltaufbau beauftragt wurde, ist Geschäftsführer der FVF Zelte-Messebau AG. Er will keine Auskunft geben.

In einer schriftlichen Stellungnahme gibt die Event Manufaktur GmbH an, dass die FVF ausschliesslich eigenes Material verwende, welches nur zum Teil im Ausland eingelagert sei. Die Logistik und das eingesetzte Personal würden zu etwa 80 Prozent aus der Schweiz stammen. Die restlichen 20 Prozent würden auf Unternehmen im internationalen Netzwerk zurückgehen, was dem Durchschnitt dieser Branche entspreche.

Der Verband der Festzeltbauer fühlt sich über den Tisch gezogen:

«Thurgauer Firmen konnten nicht einmal eine Offerte vorlegen.»

Die Event Manufaktur GmbH schreibt in ihrer Stellungnahme, dass der Auftrag der FVF aufgrund ihrer Erfahrung vergeben wurde und dass das Unternehmen zum engen Netzwerk zähle. Laut Bürgisser sei die FVF eher eine Agentur, denn dieses Unternehmen würde über kein Lager und über keine Monteure in der Schweiz verfügen.

Thurgauer SVP-Kantonsrat Gottfried Möckli sagt:

«Ich habe Mühe damit, wenn Bund und Kanton sagen, wir sollen wegen der aktuellen Situation in der Schweiz einkaufen und sich aber selbst nicht daranhalten.»

Zudem sei es eine ökologische Idiotie, das Material aus Deutschland zu holen. Es gebe genügend Zeltvermieter in der Ostschweiz, die einen solchen Auftrag hätten übernehmen können. «Dann wären die Steuergelder in der Schweiz geblieben», sagt Möckli.

Beispielsweise für Bruno Straub, von Festinventar in Hefenhofen, wäre es möglich gewesen, die Zelte aufzubauen. Er ist nicht ganz glücklich mit dieser Entscheidung. Aber: «Wir können nichts machen, wenn der Kunde jemand anderes will.» Jetzt würde es nichts mehr bringen, sich darüber Gedanken zu machen, sagt Straub. «Momentan kann ich in St.Gallen für das Militär ein paar Zelte aufstellen.» Darüber sei er froh.