Carmelo Pepi baut noch immer nicht auf dem Brachland beim Novaseta-Kreisel in Arbon: «Es gibt ein neues Problem».

Nach langem hin und her hätte Carmelo Pepi die Baubewilligung für sein Grundstück beim Bündnerhof. Er baut aber trotzdem noch nicht.

Sheila Eggmann
Drucken
Teilen
Die Ahornplatane beim Bündnerhof-Areal sorgt weiter für Gesprächsstoff. (Bild: Sheila Eggmann)

Die Ahornplatane beim Bündnerhof-Areal sorgt weiter für Gesprächsstoff. (Bild: Sheila Eggmann)

Es geht nicht vorwärts. Auf dem Grundstück des ehemaligen Restaurants Bündnerhof steht noch immer nichts, es sind noch nicht einmal die Bagger aufgefahren. Dabei hätte Liegenschaftenbesitzer Carmelo Pepi ab März oder April mit dem Bau beginnen wollen, wie er gegenüber dieser Zeitung im vergangenen Dezember in Aussicht stellte.

Auf die Frage, weshalb er die Ankündigung nicht wahr gemacht hat, sagt er: «Jetzt gibt es ein neues Problem». Um was es dabei geht, wollte der Grundstückbesitzer nicht preisgeben: «Kein Kommentar.» In Arbon wird gemunkelt, dass die Schwierigkeiten familiärer Art sind.

Bewilligung ist zwei Jahre gültig

Damit verzögert sich das Projekt direkt neben dem Novaseta-Kreisel weiter. Wie schon so oft in den letzten Jahren. Es war ein langer Weg, den Pepi gehen musste, bis ihm die Stadt schliesslich im September 2018 die Baubewilligung gab. Um so erstaunlicher ist, dass er die Gunst der Stunde nicht nutzt. Allerdings bleibt ihm noch Zeit. Gemäss Reglement läuft die Bewilligung jeweils für zwei Jahre. Baut der Mann aus Zürich bis dann nicht, müsste er eine Verlängerung beantragen.

Platane gibt weiter zu reden

In Arbon gibt nicht nur der ausbleibende Baubeginn zu reden, sondern auch die Platane, die auf dem Bündnerhof-Grundstück steht. Schon wieder. Der Baum verliert zurzeit Blätter, vor allem im unteren Bereich zur St. Gallerstrasse hin. Dies könnte an den warmen Temperaturen liegen. Über die möglichen Ursachen lässt sich nur spekulieren. Die Thurgauer Zeitung hat niemanden erreicht, der ihr Auskunft zum Zustand des Baumes hätte geben können. Gemäss Auflagen der Stadt ist Pepi für die Pflegemassnahmen zuständig. Das sei für ihn «verlorenes Geld», sagte er im Dezember.

Über den Baum wurde bereits im Jahr 2016 gestritten. Pepi wollte ihn fällen, viele Arboner waren dagegen: Der extra für die Rettung des Baumes gegründete Verein Arboner Platanenfreunde sammelte 1500 Unterschriften. Als Folge der Petition gab der Stadtrat ein Gutachten in Auftrag, um den Gesundheitszustand des Baumes abklären zu lassen. Fazit des unabhängigen Baumexperten war: Die Platane sei gesund und präge das Ortsbild.

Die Platane darf bleiben

Die Stadt erteilte die Baubewilligung nicht, dies aufgrund «unbefriedigender Integration ins Ortsbild». Pepi musste deshalb sein Bauvorhaben überdenken. Er wechselte den Architekten und liess ein kleineres Projekt planen, um die Platane herum. Es sieht statt einem neu zwei Baukörper vor. Einen an der St. Gallerstrasse (siehe Bild) und einen kleineren im Hof. Damit kam Pepi noch nicht durch: Ein Nachbar störte sich an der Höhe der Häuser. Er erhob Einsprache. Erst der Verzicht Pepis auf das vierte Stockwerk machte den Weg frei. Der Stadtrat erteilte ihm die Bewilligung.

Der Bau aus Sicht der St. Gallerstrasse. (Visualisierung: PD)

Der Bau aus Sicht der St. Gallerstrasse. (Visualisierung: PD)

Stadt gibt Richtung vor

Nach dem Erwerb des Grundstücks im Jahr 2013 wollte Pepi sofort bauen. Doch die Denkmalpflege und der Heimatschutz setzten sich für den Erhalt des Restaurants Bündnerhof ein, das damals noch auf dem Areal stand — vergeblich. Der Stadtrat erteilte die Abbruchbewilligung mit dem Argument, das Gebäude sei in einem schlechten Zustand und baufällig. Die Zustimmung verknüpfte er mit der Auflage, dass der Neubau gut eingepasst und qualitätsvoll sein müsse.

Die Bündnerhof-Story

  • 1897 Das Wohnhaus mit Bierhof wird für 30000 Franken zum ersten Mal versichert.
  • Januar 2013 Carmelo und Stephan Pepi aus Zürich kaufen die Liegenschaft mit einer Fläche von 1428 Quadratmetern
  • Dezember 2013 Ein Gutachten kommt zum Schluss, dass der «Bündnerhof» schutzwürdig ist. Die Stadt lehnt einen Abbruch ab und empfiehlt Carmelo Pepi, das Gesuch um einen Neubau zurück zu ziehen.
  • Juni 2014 Pepi lässt sich nicht entmutigen und reicht ein neues Baugesuch ein.  
  • März 2015 Der Stadtrat macht den Weg für Pepi frei, indem er den «Bündnerhof» aus dem Schutzplan entlässt.
  • November 2015 Der Stadtrat bewilligt Abbruch des «Bündnerhofs».  
  • Januar 2016 Die Firma Eberle reisst den «Bündnerhof» ab.
  • August 2016 Weil eine 100-jährige Platane der Überbauung weichen soll, erwächst den Bauplänen Widerstand. 1500 Personen machen sich in einer Petition für den Erhalt des Baumes stark.
  • Januar 2017 Der Stadtrat weist das Baugesuch von Pepi ab. Das Projekt passe nicht ins Ortsbild.
  • April 2018 Ein neues Baugesuch von Pepi liegt öffentlich auf. Die Platane ist Teil der Überbauung.