burkaverbot
Vom Islamistennest, das keines war: Eine renommierte Politologin wirft Kreuzlingen mit Klein-Basel und Schlieren in einen Topf

Die Menschenrechtsaktivistin Elham Manea suggeriert in einem Beitrag zum Verhüllungsverbot, in der Thurgauer Gemeinde gebe es die Tendenz zu einer möglicherweise gefährlichen Entwicklung. Sie relativiert sich aber selber.

Martina Eggenberger Lenz
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Männer beim Gebet in der albanisch-islamischen Moschee an der Romanshornerstrasse.

Männer beim Gebet in der albanisch-islamischen Moschee an der Romanshornerstrasse.

Bild: Nana do Carmo

Elham Manea ist Privatdozentin an der Universität Zürich und eine Expertin für Frauenrechte im Islam. Und sie ist für ein Burkaverbot. In einem Meinungsartikel, der auf der Plattform Infosperber publiziert wurde, schreibt sie, dass Frauen in Europa vielerorts unter Druck gesetzt würden, einen Schleier zu tragen. In der Schweiz gebe es bisher noch keine derart grossen, getrennten geschlossenen islamischen Gemeinschaften wie in Frankreich, Belgien oder Grossbritannien. «Aber es gibt entsprechende Tendenzen in einigen Städten, in denen bestimmte Gruppen sehr stark vertreten und aktiv sind, wie zum Beispiel in Kleinbasel, in Schlieren im Kanton Zürich oder in Kreuzlingen im Kanton Thurgau.»

Weil der Ausländeranteil so hoch ist

Politikwissenschafterin Elham Manea.

Politikwissenschafterin Elham Manea.

Bild: PD

Die Aussage lässt aufhorchen. Ist Kreuzlingen also eine mögliche Islamistenhochburg? Auf Nachfrage sagt Elham Manea: «Ich denke, hier liegt ein Missverständnis vor. Ich habe Kreuzlingen nicht als Ort für den Islamismus erwähnt. Ich habe darauf hingewiesen, dass es in der Schweiz keine Ghettos gibt. Es gibt aber einige Gebiete, in denen einige ethnische Gruppen stärker vertreten sind.» Welche ethnischen Gruppen meint die Politologin? Es gebe in Kreuzlingen «auch eine kleine türkische Gemeinde», präzisiert Manea. Aber es gehe hier nicht um eine religiöse Gemeinschaft oder extremistische Tendenzen. Es gehe um Quartierbildung.

Sie habe Kreuzlingen erwähnt, weil es dort eine überproportionale Vertretung bestimmter nationaler Gruppen und einen sehr hohen Ausländeranteil gebe. Sie habe Kreuzlingen nicht stigmatisieren wollen. «Wenn das so rüber kommt, tut mir das sehr leid.» Ob es einen Zusammenhang gebe zwischen dem höheren Ausländeranteil und der Tendenz zu Islamismus müsste selbstverständlich in einer Studie erhärtet werden, sagt die Wissenschaftlerin.

In der Tat gibt es in Kreuzlingen zwei Moscheen; die grössere albanische an der Romanshornerstrasse und die kleinere türkische an der Bergstrasse. Beide existieren schon seit vielen Jahren. Stadtpräsident Thomas Niederberger ist nichts darüber bekannt, dass es in den muslimischen Gemeinschaften radikale Tendenzen gibt. Er ist in regelmässigem Kontakt mit Vertretern der muslimischen Bevölkerung. Und auch seitens der Polizei hat er nie von Problemen mit Islamismus gehört. Gleiches berichtet die Schule. Der Stadtpräsident betont:

«Ich habe in Kreuzlingen noch nie eine Burkaträgerin gesehen.»

Beim Einkaufen oder Spazieren treffe man höchstens ab und zu auf Frauen, die ein Kopftuch tragen. Niederberger verweist darauf, dass Kreuzlingen zwar einen hohen Ausländeranteil habe. Die Hälfte seien allerdings Deutsche. Es gebe in der Stadt auch keine Ghettobildung in Wohnsiedlungen.

Konservative, aber keine Extremisten

Imam Rehan Neziri.

Imam Rehan Neziri.

Bild: PD

Rehan Neziri, der Imam der albanisch-islamischen Gemeinschaft, sagt: «In der ganzen Region Kreuzlingen gibt es keine Frau, die Burka oder Niqab trägt.» Ja, es gebe auch in seiner Moschee konservativ eingestellte Mitglieder, aber ganz sicher keine extremistische Gruppierung. Das Gleiche gelte für die türkische Moschee wie auch für den bosnischen Kulturverein, der sich vor einiger Zeit verselbstständigt habe. Die «Hena e Re»-Moschee hat auch ein Frauenforum. Eine Exponentin nimmt auf der Website zum Burkaverbot Stellung. Sie macht in ihrem Beitrag klar, dass sie ihr Kopftuch gerne und freiwillig trägt. «Niemand zwingt mich.» Rehan Neziri sagt, er sei gegen die Burka und den Niqab, aber auch gegen das Verbot. Ein solches gehöre nicht in die Verfassung.