Bundesligaprofi, aber brotlos

Der Thurgauer Raphael Schlattinger spielt als einziger Schweizer in der höchsten deutschen Faustballliga. Sein Können stellt er ab Sonntag an der Heim-WM in Winterthur unter Beweis - und will mit der Schweiz Weltmeister Deutschland den Titel abjagen.

Fabio Baranzini
Merken
Drucken
Teilen
In der Schweizer Nationalmannschaft gehört der Dozwiler Raphael Schlattinger (rechts) zu den Leistungsträgern. Und obwohl er in der höchsten Liga des Weltmeisters spielt, verdient er damit kein Geld. (Bild: Fabio Baranzini)

In der Schweizer Nationalmannschaft gehört der Dozwiler Raphael Schlattinger (rechts) zu den Leistungsträgern. Und obwohl er in der höchsten Liga des Weltmeisters spielt, verdient er damit kein Geld. (Bild: Fabio Baranzini)

Faustballer, die im Ausland spielen, sind äusserst selten. Was in anderen Teamsportarten Gang und Gäbe ist, macht im Faustball kaum Schule. Der Hauptgrund: Mit Faustball lässt sich kein Geld verdienen, weder in der Schweiz noch im Ausland.

Raphael Schlattinger hat den Schritt ins Ausland gewagt. Der 26-Jährige aus Dozwil spielt in der deutschen Bundesliga – als einziger Schweizer überhaupt. Und der Angreifer gehört zu den prägenden Figuren. Innert drei Jahren brachte er den TSV Calw in der Halle und auf dem Feld als Hauptschläger aus der zweiten Bundesliga in die oberste Spielklasse. Und das in einem Team, in dem er mit seinen damals 24 Jahren der Zweitälteste war. In der Zwischenzeit hat sich Calw als feste Grösse im Land des Weltmeisters etabliert. Im vergangenen Jahr wurde Schlattinger mit seinem Team Bundesliga-Dritter. «Die Bronzemedaille zu gewinnen, war genial», sagt der Thurgauer. «Ich bereue es nicht, dass ich den Wechsel nach Deutschland gewagt habe. Ich erhielt dort genau die Chance, die ich gebraucht habe, um mich weiterzuentwickeln.»

Bei Diepoldsau kaum Spielzeit erhalten

Vor seinem Wechsel nach Calw spielte Schlattinger, der mit der U18 und der U21 Europameister geworden war, in Diepoldsau. Doch im Team der Rheininsler war er im Angriff zumeist nur die Nummer drei und erhielt kaum Spielzeit. Und das, obwohl er bereits damals der Schweizer A-Nationalmannschaft angehörte. Doch das galt auch für seine beiden Teamkollegen und Konkurrenten im Angriff: Christian und Lukas Lässer.

«Für mich war klar, dass ich den Verein wechseln musste, um den nächsten Schritt zu machen», sagt Schlattinger. «Ich hätte auch in der Schweiz bleiben können, hatte genügend Angebote. Doch ich wollte etwas ganz anderes ausprobieren.» Da kam das Angebot aus Deutschland genau richtig. Von Dozwil, wo er aufgewachsen ist, zog er ins 200 Kilometer entfernte Calw zu seiner Freundin. Der Ort in Baden-Württemberg liegt zwischen Stuttgart und Baden-Baden. «Meine Familie und meine Freunde zurückzulassen, war nicht leicht. Aber der Verein hat sich sehr gut um mich gekümmert. Sie haben mir auch einen Job besorgt», sagt Schlattinger, der als Zimmermann arbeitet.

Als Linkshänder ist Raphael Schlattinger ein besonders wichtiger Wert im Schweizer Nationalteam. (Bild: Fabio Baranzini)

Als Linkshänder ist Raphael Schlattinger ein besonders wichtiger Wert im Schweizer Nationalteam. (Bild: Fabio Baranzini)

Assistenzcaptain in der Nationalmannschaft

Von seinem Wechsel nach Deutschland, wo sich Schlattinger zu einem der besten Faustball-Angreifer der Welt entwickelt hat, profitiert auch die Schweiz. In der Nationalmannschaft hat er den Schritt vom Edeljoker zum Leistungsträger gemacht. Seit kurzem ist er einer von zwei Assistenzcaptains.

Vom 11. bis 17. August findet in Winterthur die Faustball-WM statt. Tickets und weitere Informationen gibt es unter www.fistballmwc.com