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Bürgler Maler erlernt seltenes Handwerk

Um den Balanceakt zwischen modernem Wohnungsbau und dem Erhalten historischer Bausubstanz gerecht zu werden, hat sich Malermeister Kurt Rechsteiner als Handwerker in der Denkmalpflege ausbilden lassen.
Ruth Bossert
Das Haus an der Frauenfelderstrasse in Weinfelden ist das Diplomarbeitsprojekt von Kurt Rechsteiner. (Bild: Reto Martin)

Das Haus an der Frauenfelderstrasse in Weinfelden ist das Diplomarbeitsprojekt von Kurt Rechsteiner. (Bild: Reto Martin)

Seit fünf Jahren arbeitet Kurt Rechsteiner beim über hundertjährigen Familienbetrieb Malergeschäft E. Baumann AG in Bürglen als Geschäftsführer. Auch wenn er mit einem knappen Dutzend Mitarbeitenden, vollen Auftragsbüchern und häufiger Präsenz auf den verschiedenen Baustellen genug zu tun hat, entschied er sich vor zwei Jahren, den Ausbildungslehrgang Handwerk in der Denkmalpflege, Fachrichtung Malerei, in Angriff zu nehmen.

Nur eine Handvoll Handwerker in der Ostschweiz absolvierte diese Ausbildung und besitzt das entsprechend seltene Wissen. Die meisten Modulprüfungen hat er bereits erfolgreich abgeschlossen, einzig die Abschlussarbeit liegt noch vor ihm und muss im März eingereicht werden. «Es ist die Tradition des Familienbetriebes, die mich dazu bewogen hat, die umfassende Weiterbildung zu absolvieren», sagt Kurt Rechsteiner.

Er verweist auf verschiedene historische Bauten im Thurtal, die seit Jahrzehnten von Mitarbeitern des Malergeschäftes, meist in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, ausgeführt werden.

Fachspezifische Lösungen aufzeigen

«Mein verstorbener Mann und mein Schwiegervater haben sich regelmässig den Renovationsarbeiten rund um die Erhaltung von Kirchen und Riegelbauten im Thurgau gewidmet und sich im Laufe von Jahrzehnten einen guten Ruf erarbeitet», bestätigt Ursula Baumann-Bendel, Geschäftsinhaberin.

Nach dem unerwarteten Tod des Geschäftsinhabers verblieb das Wissen bei zwei Mitarbeitern und so entschied Kurt Rechsteiner, sich das fachtechnische Wissen für historisches Bauwerk im neu ausgearbeiteten Lehrgang in der Fachrichtung Malerei zu erwerben.

«Ich will mehr wissen über die historischen Bauwerke, will kompetent und auf Augenhöhe mit der Bauherrschaft und den Beraterinnen und Beratern der Denkmalpflege diskutieren und fachspezifische Lösungen aufzeigen können», sagt der 37-Jährige. Das Arbeiten mit traditionellen Techniken, Werkzeugen und Materialien sei anspruchsvoll und müsse zuerst verstanden, gelernt und dann geübt werden.

Heute könne er auch seinen Lernenden das Arbeiten an historischen Gebäuden zeigen und ihnen die Faszination von alten Gemäuern und historischen Malereien näherbringen.

Zurück zu traditionellen Werkstoffen

Traditionelle Werkstoffe wie Kalk-, Kalkkasein- und Leimfarbe seien in den vergangenen Jahren durch industriell gefertigte, einfach zu verarbeitende Produkte, in den Hintergrund verdrängt worden. Wer aber die relevanten Faktoren wie die Bauphysik und das Material des Untergrunds berücksichtige, komme zwangsläufig auf die Verwendung der althergebrachten Werkstoffe zurück, erklärt der diplomierte Malermeister, der auch als Prüfungsexperte amtet.

Für Kurt Rechsteiner ist es hin und wieder anspruchsvoll, eine Bauherrschaft mit einem historischen Gebäude mit Renovationsbedarf zufrieden zu stellen. Denkmalpflege dient der Allgemeinheit Auf der einen Seite fühlt sich der Fachmann der historischen Bausubstanz verpflichtet und rät, die Denkmalpflege zuzuziehen. Auf der anderen Seite fürchtet die Bauherrschaft sehr oft die hohen Kosten und die möglichen Auflagen der Denkmalpflege.

«Dieser Vorwurf ist ungerecht, weil der Denkmalschutz letztendlich immer der Allgemeinheit dient.»

Er fühlt sich mit seiner Weiterbildung gewappnet für die Zukunft. Er habe durch die Weiterbildung Horizont und Beratungskompetenz erweitern können. Zudem haben Handwerker, welche sich in einem Spezialgebiet positionieren, bessere Erfolgschancen, ist er überzeugt. Rechsteiner freut sich, dass er bald wieder mehr Zeit für seine Kernarbeit im Malerbetrieb, aber auch ein bisschen mehr Zeit und Musse hat für seine Lieblingssportart, dem Tauchen.

Handwerk mit acht Fachrichtungen

Handwerkerinnen und Handwerker in der Denkmalpflege sind spezialisiert auf traditionelle Techniken in ihrem gelernten Beruf. Die Ausbildung gibt es in acht Fachrichtungen: Gartenbau, Holzbau, Malerei, Mauerwerk/Verputz, Möbel/Innenausbau, Naturstein, Pflästerung/Trockenmauerwerk und Stuck. Die Ausbildung ist in Modulen aufgebaut und dauert ungefähr zwei Jahre. In der Ostschweiz haben bislang weniger als eine Handvoll Berufsleute die neue Weiterbildung abgeschlossen. (rb.)

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