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Bürgler Gemeindepräsident ganz Nah

Im Rahmen der Sommerserie erzählt Gemeindepräsident Erich Baumann über die Parallelen zwischen seinem früheren Beruf als Lehrer und dem des Präsidenten. Ausserdem berichtet er von seinen Leidenschaften.
Sabrina Bächi
Noch vor dem Feuerverbot: Der Bürgler Gemeindepräsident Erich Baumann "füürlet" gerne. (Bild: Mario Testa)

Noch vor dem Feuerverbot: Der Bürgler Gemeindepräsident Erich Baumann "füürlet" gerne. (Bild: Mario Testa)

Zuerst kleine, feine Ästchen. Das Zeitungspapier, Anzündwürfel. Obendrauf etwas dickere Holzscheite. Zunächst ein Viereck, darüber runde Scheite, wie ein Tipi geformt. Erich Baumann weiss, was er tut, wenns ums Anfeuern geht. In der Jungwacht war er. Auch als Primarlehrer konnte er sein Talent fürs Feuermachen gebrauchen. Als ehemaliger Feuerwehrmann kennt er aber auch die Kehrseite des Feuers. Ein mächtiges Element. Es fasziniert und entschleunigt.

Beim gemütlichen Beisammensitzen mit den TZ-Redaktoren im Rahmen der Sommerserie Ende Juli, also noch vor dem Feuerverbot, verrät der Bürgler Gemeindepräsident, warum er mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf seine Pensionierung im kommenden Sommer blickt.

Idyllisch im Wald, direkt am Giessen gelegen, heizt Erich Baumann die Feuerstelle bei Leimbach ein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten züngeln die ersten Flammen aus dem Holzturm, den Baumann errichtet hat. Zwischen drin schnabuliert er ein knackiges Rüebli. «Nebst Feuerstellen sind in Bürglen Feuer auf den Sandbänken in der Thur beliebt», sagt er. Dann gebe es noch die Feuerstelle im Bärenwald und seit zwei Jahren eine beim Spielplatz an der Thur. «Oberstufenschüler haben sie errichtet.»

Idealberuf Lehrer

Baumann war vor seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten Primarlehrer und ab 2005 der erste Schulleiter in Bürglen. «Lehrer ist mein Idealberuf. Ich habe ihn nicht gern aufgegeben», erzählt er. Das Gemeindepräsidium zu führen sei jedoch sehr spannend und abwechslungsreich. Auch hier wird ihm der Abschied schwer fallen, das weiss er jetzt schon. Einige Projekte, wie etwa die Ortsplanung hätte er gerne noch abgeschlossen. «Ich sagte immer, es bringt nichts, einen Plan zu machen, wenn wir noch nicht wissen, wie der kantonale Richtplan aussieht.» Die Koordination mit dem Kanton hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Andererseits ist Baumann auch froh, wenn er sein Amt abgeben kann. Vor rund eineinhalb Jahren hatte er ein Schlägli. «Ich hatte aber Glück. Einzig mein linkes Bein war betroffen.» Trotzdem merkt er seither, dass er längere Erholungsphasen braucht, nicht mehr gleich leistungsfähig ist. «Es ist ein Grund, weshalb ich nicht mehr für eine weitere Legislatur kandidiere», sagt er. Sein linkes Bein sorgte schliesslich auch dafür, dass er seinen Töff nicht mehr so oft benutzen konnte. Baumann ist leidenschaftlicher Töfffahrer. «Ich fahre gerne zügig und kurvig. Morgens um sechs Uhr losfahren, über fünf bis sechs Pässe und abends um neun Uhr wieder Zuhause sein, das ist ein perfekter Töfftag für mich», sagt er und lächelt.

Er hat den Blick fürs grosse Ganze

Seine Frau hat ebenfalls einen Töff. Früher gingen sie gemeinsam in die Töffferien. «Ich bin aber der typische Einzelfahrer», gibt er zu. Eine der wenigen Sachen, bei denen Baumann nur auf sich selbst schaut. Sonst hat er das grosse Ganze im Blick. Fairness. Früher im Klassenzimmer, heute in der Gemeinde. Da zu sein für die Anliegen der Menschen – als Lehrer wie als Präsident. «Was ich schwierig finde sind Personen, denen es nur um ihr eigenes Interesse geht.» Individualismus in der Gesellschaft beobachte er vermehrt – und das mit Sorge. «Das Gesellschaftliche und Soziale geht verloren – das bedaure ich sehr.»

Dann hagelt es Eicheln vom Blätterdach. Wie schwere Tropfen fallen sie auf den Laubboden. Ein dumpfes «Donk» kündigt vom Ende ihres Sturzes. Vielleicht ein Eichelhäher? «Den hätten wir gehört, der meldet ja immer gleich, wenn etwas passiert im Wald», sagt Baumann. Lehrerwissen. Da kommt es doch noch zum Vorschein. «Vieles ist etwas eingerostet, aber Vögel und vor allem Fledermäuse haben mich immer fasziniert.»

Apropros Mäuse: «Ich hatte oft ein paar in meinem Schulzimmer, weil ich sie als Futter für die Schlange brauchte», erzählt er. In einem Weiterbildungskurs, wie sie vergangene Woche in Weinfelden stattfanden, hatte er einst ein Terrarium gebaut. «Seither hatte ich eine Kornnatter darin.» Dann sind die Würste gar. Auf der Glut des einstigen Holztipi sind sie schön braun geworden. Dazu ein Bürli und fertig ist das perfekte Lagerfeueressen. Für den Kaffee lockt dann aber doch die Gartenbeiz, sie liegt auf dem Rückweg ins Büro.

Fragen an die Grilltiger

•  Fleisch, Wurst oder Grillkäse? «Fleisch oder Wurst. Ich esse zwar auch sehr gerne Käse, aber nicht vom Grill.»

•  Holz-, Brikett-, oder Gasgrill? «Unterwegs gerne mit Holz, zu Hause habe ich einen Gasgrill. Das geht schnell und unkompliziert.»

•  Sind Sie ein Feuertalent? «Ja, ich feure sehr gerne ein, kenne als ehemaliger Feuerwehrmann aber auch die Schattenseiten der Feuersbrunst.»

•  Eine Lagerfeuergeschichte? «Ich fand es immer eindrücklich schön, mit meinen Klassen Weihnachten an der Grillstelle Bärenwald zu feiern. Am Morgen die Feuerstelle einheizen, um Punsch zu kochen – das war toll.» (sba)

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