Bürglen
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll erleichtert werden

Gut ein Jahr früher als geplant, präsentieren die Politische Gemeinde Bürglen und die Schule Bürglen ihr Konzept für die Familienergänzende Betreuung «FaerBe».

Hannelore Bruderer
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Die Steuergruppe des Projekts «FaerBe»: (v.l.) Gemeindepräsident Kilian Germann, Schulpräsident Rolf Gmünder, Gemeindeschreiberin Iris Weber und Gemeinderätin Barbara Keller Foletti.

Die Steuergruppe des Projekts «FaerBe»: (v.l.) Gemeindepräsident Kilian Germann, Schulpräsident Rolf Gmünder, Gemeindeschreiberin Iris Weber und Gemeinderätin Barbara Keller Foletti.

Bild: Hannelore Bruderer

Die Gemeinde Bürglen hat die Schaffung eines familienergänzenden Angebots in ihren Legislaturzielen 2019/23 festgelegt. Für die Politische Gemeinde und die Schulgemeinde war von Anfang an klar, dass sie dieses Projekt gemeinsam angehen werden. Nebst dem politischen Auftrag hat auch eine Umfrage ergeben, dass ein solches Angebot in der Gemeinde ein Bedürfnis ist.

«In unserer Gemeinde ist das Alterssegment der 20- bis 40-Jährigen überproportional vertreten, dazu kommt eine rege Wohnbautätigkeit, die weitere Familien anziehen wird», sagt Gemeindepräsident Kilian Germann. Er weist darauf hin, dass die Familienmodelle in den letzten Jahrzehnten vielfältiger geworden sind und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders für Frauen verbessert werden soll, da ihre Arbeitskraft im Arbeitsmarkt durch den demografischen Wandel immer mehr in den Vordergrund rückt.

Mehrere Angebote

Auch bei der Schule sei ein Ausbau der bisherigen Angebote nachgefragt worden, erklärt Schulpräsident Rolf Gmünder. «Die Familie ist nach wie vor der zentrale Punkt bei der Betreuung. Unsere Angebote sind als Ergänzung gedacht.

Seit gut zehn Jahren betreiben wir einen Mittagstisch, der von den jüngeren Schülerinnen und Schülern genutzt wird. Die Jugendlichen der Oberstufe besuchen in der Regel den Mittagstisch der Sportschüler.» Ein weiteres Angebot ist die Aufgabenbetreuung, die unabhängig vom Projekt «FaerBe» weiterhin bestehen wird. Bürglen ist ferner dem Verein Tagesfamilien Mittel- und Oberthurgau angeschlossen.

An Privatbetrieb ausgelagert

Was es in den meisten umliegenden Orten gibt und in Bürglen bis zu diesem Sommer fehlte, war eine Kindertagesstätte (Kita) für Kleinkinder und ein Hort für ältere Kinder. Im August öffnete die Kita Biber Bau GmbH im Sun Areal. Mit den Betreibern, dem Ehepaar Jasmin und Daniel Costa, standen die Gemeinde und die Schule bereits bei der Gründung der Firma Anfang Jahr in engem Kontakt.

Da das Angebot der Kita Biber Bau GmbH den Zielen des Projekts «FaerBe» entspricht, haben die öffentlichen Körperschaften mit dem privaten Anbieter eine Leistungsvereinbarung getroffen. «Durch die bereits bestehenden Strukturen der Kita Biber Bau AG können wir die familienergänzenden Betreuungsangebote in unserer Gemeinde schon ein Jahr früher als geplant realisieren», sagt Gemeindepräsident Kilian Germann.

Als Trägerschaft geben die Politische Gemeinde und die Schulgemeinde die strategische Ausrichtung vor, während die Kita Biber Bau GmbH auf der operativen Ebene tätig ist.

Abgestufte Tarife

Im erweiterten Kreis des Projekts «FaerBe» sind auch die Vereine Tagesfamilien und Spielgruppe im Netzwerk eingebunden. «Es finden regelmässig Treffen statt, in denen Prozesse zwischen den Anbietern sowie der Trägerschaft und den Anbietern besprochen werden», erklärt Gemeinderätin Barbara Keller Foletti.

So könne eine hohe Qualität der Angebote gewährleistet werden. Damit alle vom erweiterten Angebot profitieren können, besteht ein abgestuftes Tarifsystem. Je tiefer das Einkommen und Vermögen der Erziehungsberechtigten, desto höher ist der Anteil der Gemeinden. «Wir rechnen damit, dass unser Anteil an der Betreuung im Durchschnitt rund 30 Prozent betragen wird. Das entspricht auch dem Erfahrungswert von Gemeinden, die ähnliche Angebote bereits eingeführt haben», erklärt der Gemeindepräsident.

Öffnungszeiten

Das Tagesstrukturangebot der Gemeinde Bürglen ermöglicht Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine Betreuung von Kindern im Alter von drei Monaten bis zum Abschluss der 6. Klasse ist während 50 Wochen im Jahr von Montag bis Freitag, 6.30 bis 18.30 Uhr, möglich. Einzig während den Weihnachtsferien bleiben Kita und Hort geschlossen. Die Kita Biber Bau befindet sich im Sun Areal an der Industriestrasse 2c. Schulpflichtige Kinder erreichen den Mittagstisch mit dem Schulbus.

Bisher sind für Mittagstisch und Unterstützungsleistungen für Eltern von Kindern, die in der Kita Weinfelden betreut werden, jährliche Kosten von 60'000 Franken angefallen. Für die neuen Angebote wird mit einem zusätzlichen jährlichen Aufwand von rund 46'740 Franken gerechnet.

Darin enthalten ist eine einmalige Anschubfinanzierung von 30'000 Franken, verteilt auf die Jahre 2021 bis 2023. Die Kosten für die Familienergänzende Betreuung, die nicht von den Erziehungsberechtigten getragen werden, teilen sich die Politische Gemeinde und die Schulgemeinde je zur Hälfte. Bevor die Stimmberechtigten über die Kostenfolgen des Projekts «FaerBe» an den Versammlungen der Politischen Gemeinde Bürglen (29. November) und der Volksschulgemeinde Bürglen (7. Dezember) entscheiden, wird eine Informationsveranstaltung durchgeführt.

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