Bürglen
Mehr Gewerbe, weniger Industrie: Bürgler Gemeinderat will einen Wandel

Die Gemeinde ist in den letzten Zügen der Ortsplanungsrevision. Anlässlich eines Informationsanlasses stellte Gemeindepräsident Kilian Germann in der Mehrzweckhalle den neuen Zonenplan vor.

Mario Testa
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Gemeindepräsident Kilian Germann erläutert den interessierten Einwohnern die geplanten Umzonungen.

Gemeindepräsident Kilian Germann erläutert den interessierten Einwohnern die geplanten Umzonungen.

Bild: Mario Testa

Der Gemeinderat von Bürglen hat eine Vision. Mit der aktuellen Ortsplanungsrevision will er dieser näherkommen. «Unsere Dörfer sollen sich als attraktiver Lebens- und Wohnraum im Grünen mit vielseitigem, gutem Gewerbe auszeichnen», sagt Gemeindepräsident Kilian Germann zu den rund 50 Personen, die zum Informationsanlass in der Mehrzweckhalle Bürglen erschienen sind.

«Zu einer attraktiven Gemeinde mit Lebensqualität gehört auch ein vielfältiges Naherholungsgebiet.»

Seit Ende 2019 arbeitet der Gemeinderat nun schon am neuen Zonenplan und Baureglement. Nun sind diese Arbeiten fast abgeschlossen. Die grösste Veränderung gegenüber den geltenden Ortsplan: Die Industriezonen sollen reduziert, dafür Gewerbezonen geschaffen werden. «Wir sind von Gemeinden mit viel Industrie umgeben: Sulgen, Bussnang und Weinfelden. Das hat uns bestärkt, zu sagen: Wir wollen eine Wohngemeinde bleiben.» Speziell, da in Bürglen der Anteil junger Familien überdurchschnittlich hoch sei im kantonalen Vergleich.

Aus- und Einzonungen halten sich die Waage

Zusätzliches Bauland einzonen darf Bürglen nicht. Deshalb soll eine innere Verdichtung gefördert und im Abtausch mit Industriezonen zusätzliche Wohn- und Gewerbezonen geschaffen werden. Neu schaffen will die Gemeinde eine solche gemischte Zone auf dem Gebiet Stoggete beim dortigen Pumpwerk Dammweg, südlich des Kanals und der Bahnlinie, sowie ganz im Westen von Bürglen in der ehemaligen Kiesgrube Schalm nördlich der Kantonsstrasse nach Weinfelden. Deutlich reduziert werden dafür die Industriezonen im Norden und Westen des Dorfes sowie Wohnzonen in Istighofen im Gebiet Iifang.

Dieses Landstück im Gebiet Stoggete zwischen Eisenbahnlinie und Thur-Damm soll als Gewerbe- und Wohnzone in Bürglen eingezont werden.

Dieses Landstück im Gebiet Stoggete zwischen Eisenbahnlinie und Thur-Damm soll als Gewerbe- und Wohnzone in Bürglen eingezont werden.

Bild: Mario Testa

Ebenfalls von der Umzonung betroffen ist Bauland in Leimbach. Dort sollen 4000 Quadratmeter aus der Wohnzone zu Landwirtschaftsland werden – damit also auch deutlich an Wert verlieren. «Der Souverän hat das Land seinerzeit eingezont. Die Eigentümer mussten für diese massive Wertsteigerung ihres Landes nichts bezahlen – deshalb wird es umgekehrt auch bei einer Auszonung so sein, dass es dafür kein Geld gibt», sagt Kilian Germann, angesprochen auf allfällige finanzielle Auswirkungen der Umzonungen.

Langer Prozess

Die Ortsplanungsrevision ist ein Auftrag des Kantons. Bis 2022 muss Bürglen diese abgeschlossen haben. Bis es zu den nun vorgelegten Entwürfen für das neue Baureglement und den neuen Zonenplan kam, fand ein langer Prozess statt, begleitet von Raumplaner Thomas Tschopp. «Auf Grundlage des kantonalen und kommunalen Richtplans wurde eine Analyse erstellt, in die auch eine Umfrage bei den Grundeigentümern einfloss», sagt er.

Thomas Tschopp, Raumplaner, NRP Ingenieure AG.

Thomas Tschopp, Raumplaner, NRP Ingenieure AG.

Bild: Mario Testa

«Insgesamt werden nun rund fünf Hektaren Land umgezont. Das ist eine deutliche Entwicklung, verglichen mit anderen Gemeinden.» Im Zuge der Revision werde auch darauf geachtet, dass ein Vernetzungskorridor für die Fauna entsteht, der sich westlich des Dorfes von Nord nach Süd zieht. Nach der Analyse durfte der Gemeinderat seine Wünsche und Ziele im Entwicklungskonzept festhalten. Die fünf wichtigsten Punkte sind:

Kernpunkte aus dem Entwicklungskonzept

  1. Schaffung von Wohngebieten für qualitativen Wohnungsbau
  2. Reduktion von Industrieland
  3. Schaffung von Gewerbeland, um das bestehende Gewerbe halten zu können
  4. Siedlungsentwicklung nach innen
  5. Wertschätzung der Natur und Umwelt

Zum Schluss wurde dann das Wünschbare mit dem Machbaren kombiniert. Das sei eine sehr spannende und intensive Arbeit gewesen, sagt Gemeindepräsident Kilian Germann:

«Etwa 60 Prozent unserer Visionen sind dann auch in die neuen Pläne eingeflossen.»

In den kommenden Wochen können sich die Bürglerinnen und Bürgler noch zum grundeigentümerverbindlichen Zonenplan und Baureglement äussern. Gleichzeitig sind die Pläne zur Vorprüfung beim Kanton. Im Frühling 2022 will der Gemeinderat den bereinigten Plan und das Reglement öffentlich auflegen, anschliessend allfällige Einspracheverfahren durchführen und im Sommer an der Gemeindeversammlung die Abstimmung durchführen.

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