Bürglen
Die SUN-Gebäude A-Z in Bürglen haben die Besitzer gewechselt – «das Areal hat ein grosses Potenzial»

Die SUN Bürglen AG verkauft das grosse Industriegelände beim Bahnhof an die Firma Procimmo AG. Für die vielen Mieter bleibt vorerst alles beim Alten.

Mario Testa
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Aktionär Kaspar Böhi und Verwaltungsratspräsident Peter Muri von der SUN Bürglen AG im Areal mit dem markanten Industrieschlot.

Aktionär Kaspar Böhi und Verwaltungsratspräsident Peter Muri von der SUN Bürglen AG im Areal mit dem markanten Industrieschlot.

Bild: Mario Testa

Fast drei Hektaren gross ist das SUN-Areal in Bürglen und jedes Gebäude ist mit einem Buchstaben bezeichnet. Es hat so viele, dass von A bis Z jeder Buchstabe vergeben ist. Anfang des vorletzten Jahrhunderts begann die Geschichte (siehe Kasten) des Areals mit dem Bau einer Rotfärberei. Seit die später dort ansässige Firma SUN 1979 den Betrieb einstellte, sind die unterschiedlichsten Mieter auf das Gelände gezogen.

«Hier in Bürglen haben wir etwa 40 bis 50 verschiedene Mieter auf dem SUN-Areal», sagt Kaspar Böhi, der mit seinen Firmen einen Aktienanteil an der SUN Bürglen AG hält. Er kennt das Gelände mit den weitherum hörbaren Pfiffen am Morgen, Mittag und Abend seit seiner Kindheit.

«Schon als Kind achteten wir auf das Horn, das war immer ein Zeichen für uns, langsam nach Hause zu gehen.»

Auch der Slogan der damaligen Firma SUN ist ihm noch präsent: «SUN Wolle filzt nicht, geht nicht ein.» Nun aber haben Böhi und die weiteren Aktionäre der SUN Bürglen AG beschlossen, das Areal zu verkaufen. «Bei den ursprünglichen Eignerfamilien interessiert die jüngste Generation das Areal einfach nicht mehr. Man müsste auch einiges investieren», sagt Böhi.

«Man könnte mehr daraus machen»

Komme dazu, dass der Markt für solche Immobilien im Moment sehr interessant sei, ergänzt Verwaltungsratspräsident Peter Muri. «Man könnte mehr daraus machen, das Areal hat ein grosses Potenzial.» Die Aktionäre der SUN Bürglen AG haben sich aber dazu entschieden, eine allfällige Entwicklung des Areals nicht mehr selber anzugehen, sondern neue Besitzer zu finden.

«Der Markt für die Entwicklung, also Neuüberbauung dieser Areale, ist vorhanden und im Moment sehr gut.»
Das SUN-Areal in Bürglen mit den Industriegebäuden und der Brache rechts erstreckt sich über eine Fläche von fast drei Hektaren.

Das SUN-Areal in Bürglen mit den Industriegebäuden und der Brache rechts erstreckt sich über eine Fläche von fast drei Hektaren.

Bild: Mario Testa

Im Bieterverfahren hat die SUN Bürglen AG rund 150 mögliche Käufer kontaktiert. Schlussendlich machte die Procimmo SA das beste Angebot und konnte die Areale der SUN Bürglen AG, jenes in Bürglen und das VSP-Areal in Pfyn, mit einem Marktwert von rund 24 Millionen Franken kaufen.

Die Procimmo SA mit dem Hauptsitz in Renens und Büros in Genf und Zürich ist eine Vermögensverwalterin kollektiver Kapitalanlagen. «Wir sind ein Nischenspezialist für Gewerbe-, Industrie- und Logistikimmobilien und haben über 250 Liegenschaften in unseren Beständen», sagt Pressesprecher Patrick Djizmedjian. «Eine unserer Prioritäten ist es, langfristige Mieteinnahmen zu sichern, um für unsere Investoren eine attraktive Rendite zu erwirtschaften.»

Für das Areal in Bürglen habe sich die Procimmo SA interessiert, weil es gut in die Investitionsstrategie passe, dazu gehört auch die gute Lage direkt am Bahnhof. «Die Mieter in Bürglen müssen also keine Angst haben vor einer Kündigung. Im Gegenteil wir wollen Immobilien, in denen wir stabile Mieterträge und zufriedene Mieter haben. Aus Investitionssicht wäre es auch unklug, den Mietern einfach zu künden», sagt Djizmedjian.

Auf dem Schlot des SUN-Areals nisten seit vielen Jahren Störche.

Auf dem Schlot des SUN-Areals nisten seit vielen Jahren Störche.

Bild: Mario Testa

Das SUN-Areal soll also grundsätzlich bleiben, was es ist. Ein ehemaliges Industriegelände, das den unterschiedlichsten Mietern Platz bietet. «Mittelfristig versuchen wir, die Leerstände in dieser Liegenschaft zu senken, dies auch mit einer eventuellen Anpassung der Flächenkonzeption der nicht vermieteten Flächen, um den Standort für neue Mieter attraktiv zu gestalten. Wir sind auch offen, mit der Gemeinde zu evaluieren, welche Bedürfnisse vonseiten allfälliger neuer KMU-Mietern für die leerstehenden Flächen interessant sein könnten.»

Entwicklungspläne, zum Beispiel mittels Bau von zusätzlichen Gebäuden auf einer Landreserve, würden bei Akquisitionen in diesem Ausmass schon geprüft. Im Fall von Bürglen bestehe derzeit aber kein konkreter Plan.

Von der Färberei zum Mietareal

Die Ursprünge des SUN-Areals in Bürglen gehen in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück. Etwa im Jahr 1830 gründeten dort die Gebrüder Leumann aus Mattwil ihre Rotfärberei. 1896 übernahm J. A. Spiller die völlig veraltete Färberei. 1931 gründete der ehemalige Volontär Jakob Cunz die Wollfärberei AG. Vor seinem Tod 1947 gründete er eine Stiftung, welche die Fortführung des Betriebs und den Erhalt der Arbeitsplätze zum Ziel hatte. 1979 wurde der Betrieb eingestellt und zwei Jahre später übernahm Hans Ulrich Böhi einen grossen Aktienanteil und versuchte die brache Liegenschaft mit der SUN Bürglen AG dank vieler kleiner Mieteinheiten wieder zu beleben. 1994 kaufte die AG das VSP-Areal in Pfyn dazu. Rückwirkend per Anfang 2021 kaufte nun die Procimmo AG die beiden Areale zum Preis von rund 24 Millionen Franken.

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