Bürglen
Der Besuch der drei Autoren: Sekundarschüler lernen von Profis, wie man Texte schreiben kann

Drei erfolgreiche Autoren lasen am Freitagnachmittag an der Sekundarschule Bürglen aus ihren Werken vor. Zudem stellten sie sich den Fragen der Schüler und gaben ihnen Tipps zum Verfassen eigener Texte.

Monika Wick
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Schriftstellerin Andrea Gerster erklärt den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe Bürglen, was das Geheimnis guten Schreibens ist.

Schriftstellerin Andrea Gerster erklärt den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe Bürglen, was das Geheimnis guten Schreibens ist.

Bild: Monika Wick

Noch tummeln sich die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Bürglen vor dem Schulhaus. Sie lachen, diskutieren oder liefern sich kameradschaftliche Kabbeleien. Fast alle von ihnen halten Papier und Schreibzeug in Händen. Diese Utensilien brauchen sie für die ungewöhnlichen Unterrichtsstunden, die vor ihnen liegen.

«Die geplante Lesenacht konnte coronabedingt leider nicht stattfinden, dafür haben wir drei Autoren für eine Lesung eingeladen», erklärt Lehrer Yanek Schiavone. Wer nun annimmt, dass die Jugendlichen lediglich den Worten der Schriftsteller lauschen und ein paar lockere Unterrichtsstunden geniessen können, irrt gewaltig.

Interaktive Lektion mit Schriftstellern

Schon im Vorfeld mussten sich die Schüler entscheiden, ob sie an der Lesung von Alice Gabathuler, Andrea Gerster oder Sunil Mann teilnehmen möchten und beschäftigten sich im Unterricht mit den namhaften Schriftstellern, die schon einige ihrer Werke veröffentlicht haben.

Alice Gabathuler wartet im Singsaal bereits auf ihre Gruppe. «Ich bin eine Frau ohne Namensgedächtnis, aber als ich in Bürglen ankam, wusste ich, dass ich schon einmal hier war», bekennt die Autorin aus dem St.Galler Rheintal lachend. Nachdem sie sich ausführlicher vorgestellt hat, beantwortet sie die Fragen, die die Schüler vorbereitet haben. «Wird Ihnen nicht langweilig beim Schreiben?», «Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?» oder «Welches ist ihr Lieblingsbuch?», wollen die Jugendlichen wissen.

Ein Tipp: Ehrliche Kritiker suchen

Die Schüler erfahren, dass Alice Gabathuler bereits in der Oberstufe mit dem Verfassen von Tagebüchern, Songtexten oder Gedichten begann, ihren ersten Roman aber erst mit 39 Jahren schrieb. Denjenigen, die selbst mit dem Gedanken spielen, Texte zu schreiben, empfiehlt Alice Gabathuler, ehrliche Kritiker zu suchen. «Eure Grossmutter wird euch immer loben», gibt sie zu Bedenken. Die Vorstellung, dass Autoren, die zahlreiche Bücher verkaufen, in Geld schwimmen, zerschlägt die Autorin sogleich. Mit Blick auf das Preisschild ihres meistverkauften Buches «Blackout» erklärt sie:

Alice Gabathuler, Buchautorin

Alice Gabathuler, Buchautorin

Bild: Monika Wick
«Ich erhalte lediglich zehn Prozent des Verkaufspreises, hier also einen Euro.»

Im benachbarten Steinhaus arbeitet Autorin Andrea Gerster mit einer weiteren Gruppe Schüler. Sie erklärt, was geschieht, nachdem sie ein Buch fertig geschrieben hat. «Das Lektorat sucht nach Fehlern im Ablauf, danach kümmert sich das Korrektorat um die Orthografie», erklärt sie. Erst nachdem ein Grafiker das Buch gestaltet und es gedruckt worden ist, werde die Werbetrommel dafür gerührt.

Drauflosschreiben als Aufwärmübung

«So wie sich ein Sportler vor dem Sport aufwärmt, braucht es vor dem Schreiben Aufwärmübungen für das Gehirn», erklärt Andrea Gerster weiter. Sie fordert die Schüler auf, ohne zu überlegen, loszuschreiben und die Worte aus sich heraus sprudeln zu lassen. «Lasst los, es darf auch völlig unsinnig sein», sagt sie. Tatsächlich wird es mucksmäuschenstill im Raum, lediglich das Rascheln des Papiers und das Kratzen der Stifte darauf ist zu hören.

Autor Sunil Mann spricht in der Mehrzweckhalle zu den Schülern.

Autor Sunil Mann spricht in der Mehrzweckhalle zu den Schülern.

Bild: Monika Wick

Lebhafter geht es zeitgleich in der Mehrzweckhalle zu und her. Hier liest der Schriftsteller Sunil Mann so lebhaft aus einem seiner zahlreichen Kriminalromane vor, dass man sich bildlich vorstellen kann, wie die Protagonisten oder die Umgebung, in der die Geschichte spielt, aussieht.

Seinen Schreibstil beschreibt Sunil Mann auf eine Frage hin als sarkastisch, realitätsnah, brutal oder romantisch. Abschliessend verrät Sunil Mann, dass sich eine Produktionsfirma die Rechte an seinen ersten sieben Kriminalromanen gesichert hat. «Die Chancen stehen gut, dass sie bald verfilmt werden», erklärt er.

«Die Schüler sind heute das erste Mal mit Schriftstellern in Kontakt gekommen, das war ein Erlebnis für sie», sagt Lehrerin Andrea Kriech. Ihr Wunsch, dass der Anlass die Leselust bei den Schülern fördert, dürfte nach den speziellen Lektionen in Erfüllung gehen.