BÜRGERPROTEST
«Vielleicht kann man das nur machen, wenn man den Gesundheitsminister als Nachbarn hat»: Trotz steigender Corona-Fallzahlen findet der Lunapark in Romanshorn statt

Einige Anwohner kritisieren das Vorgehen der Hafenstadt, in Zeiten der Pandemie eine Chilbi durchzuführen. Die städtischen Verantwortlichen stufen den Anlass allerdings als überschaubar ein. Man habe die Kantonspolizei darüber in Kenntnis gesetzt und das Amt für Sicherheit führe Kontrollen durch.

Tanja von Arx
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Hier bauen die Organisatoren den Jahrmarkt auf.

Hier bauen die Organisatoren den Jahrmarkt auf.

Bild: Donato Caspari

Man staunt in Romanshorn. Zumindest ein Teil der Bevölkerung macht grosse Augen darüber, dass in den letzten Tagen der Luna-Park aufgebaut wurde, eine Art Chilbi mit Riesenrad und vielen anderen Vergnügungsmöglichkeiten am See – dies bei immer noch steigenden Ansteckungszahlen rund um das Coronavirus. «Vielleicht kann man das nur machen, wenn man ‹Gesundheitsminister› Urs Martin als Nachbarn hat, denn er wohnt ja direkt daneben», sagt ein Einwohner gegenüber unserer Zeitung.

Auf Nachfrage bestätigt der städtische Kommunikationsverantwortliche Rolf Müller: «Der Lunapark findet statt.» Und zwar nebst dem Riesenrad mit Octopus, Kinderkarussell und einem Spielstand auf der Hafenpromenade, dies von heute bis und mit 18. April ausgenommen die Feiertage. «Die Öffnungszeiten sind unter der Woche von 13 bis 22 Uhr, am Wochenende von 11 bis 22 Uhr.» Auf die Frage hin, wie viele Besucher denn erwartet würden, verweist Müller direkt an die Organisatoren. Allerdings sei der Lunapark nach Ansicht der Stadt «überschaubar». Müller weist darauf hin, dass es keine Verpflegungsstände gäbe.

Polizei in Kenntnis gesetzt

Haben die Verantwortlichen keine Bedenken? Müller:

«Die Chilbi am Kreuzlinger Hafen hat kürzlich gezeigt, dass solche Veranstaltungen im kleineren Rahmen verantwortbar sind.»

Sofern ein geeignetes Schutzkonzept vorläge und die Besuchenden sich diszipliniert an die Anweisungen zu Abstand, Hygiene und anderem halten würden. «Für alle Besuchenden wie das Personal gilt Maskenpflicht.» Ein Schutzkonzept läge vor. «Das Amt für Sicherheit der Stadt Romanshorn führt Kontrollen durch, die Kantonspolizei Thurgau wurde in Kenntnis gesetzt.»

Angesprochen auf die konkreten Vorsichtsmassnahmen sagt Müller: «Die Bewilligung der Stadt hält fest, dass das Personal allfällige Menschenansammlungen auflösen muss.» Zudem seien die Besuchenden «nach Benützen der Angebote zum Weitergehen anzuhalten». Die am Boden markierten Abstände müssten zwingend eingehalten werden, Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, die Bahnen und Stände regelmässig desinfiziert und natürlich die Maskenpflicht durchgesetzt werden. «Zu befolgen sind sämtliche Sicherheits- und Hygienevorschriften des Bundesamtes für Gesundheit.»