Bruag AG will im Güttinger Zentrum Platz für eine Wohnüberbauung machen

Der Industriebetrieb ist mitten im Dorf eigentlich am falschen Ort, sind sich die Beteiligten einig. Die Firma macht den Weg frei für eine sinnvolle Entwicklung.

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen
Die Architekten erklären den Vertretern der Bruag und der Gemeinde ihre Idee für die Entwicklung des ehemaligen Kolb-Areals.

Die Architekten erklären den Vertretern der Bruag und der Gemeinde ihre Idee für die Entwicklung des ehemaligen Kolb-Areals.

Bild: Reto Martin

Seit mehr als zehn Jahren produziert die Firma Bruag auf dem ehemaligen Kolb-Areal Elemente für die Bauindustrie, primär Fassaden und Trennwände. Das Geschäft läuft gut. So gut, dass das Unternehmen in absehbarer Zukunft die Produktion erhöhen will. Inhaber Markus Brühwiler sagt:

«Wir könnten die Kapazitäten am heutigen Standort verdoppeln, das wäre kein Problem.»

Doch man sehe auch, dass es für die Entwicklung des Dorfes unter Umständen idealer wäre, wenn der Industriebetrieb aus dem Zentrum verschwindet. Gemeindepräsident Urs Rutishauser bestätigt: «Wir wollen das Gewerbe nicht verscheuchen, aber inmitten der neuen Wohnungen und Infrastruktur ist die Industrie am falschen Ort.»

Kanton fordert qualifiziertes Verfahren

Güttingen überarbeitet aktuell den kommunalen Richtplan. In diesem Zusammenhang sei man zum Schluss gekommen, dass man auf dem Bruag-Areal eigentlich lieber hochwertigen Wohnraum hätte. Bei der Firma stösst man damit auf Verständnis. Geschäftsleitungsmitglied Manuel Züllig betont:

«Wir sind eine Insel, umgeben von Wohngebiet.»

Das Amt für Raumentwicklung hat ein qualifiziertes Verfahren verlangt, um das über 6000 Quadratmeter grosse Gelände zu entwickeln. Ortsplaner Hanspeter Woodtli leitet das Projekt im Auftrag der Gemeinde. 20 Architekturbüros seien angeschrieben worden. Fünf habe man ausgewählt, ihre Projektidee genauer auszuarbeiten.

Neben den Vertretern der Gemeinde und der Bruag haben auch neutrale Fachexperten die Entwürfe begutachtet. Das Konzept des Rheintaler Büros von Carlos Martinez konnte schliesslich am meisten überzeugen.

Ein unkonventioneller und kein billiger Vorschlag

Es schlägt vor, auf dem Gelände sechs Baukörper mit insgesamt 55 Wohnungen zu realisieren. Natürlich ist innere Verdichtung das Stichwort – aber auf Güttingen angepasst. Urbanität im ländlichen Raum wollen die Architekten umsetzen. Das heisst: ein Projekt, das gleichzeitig grün und dicht ist. Optisch ein Kernstück ist der neu frei gelegte Otmarbach. «Der Bach wird die Siedlung prägen», sagt Architekt Matthias Waibel. Die Baukörper sind zusammengesetzt, sodass sie nicht zu massig erscheinen. Und in Sachen Fassade schlagen die Planer ein hochwertiges und optisch ansprechendes Produkt aus dem Hause Bruag vor.

Der Projektgruppe ist bewusst, dass die Baukosten beim ausgewählten Konzept im Vergleich zu Mehrfamilienhäusern ab Stange eher hoch sind. «Allerdings wollen wir keinen 0815-Bau», betont Manuel Züllig. Ortsplaner Hanspeter Woodtli urteilt: «Das Potenzial des Entwurfs für die Weiterentwicklung zu einem Richtprojekt als Basis für den Gestaltungsplan ist sehr gross. Die Bauten fügen sich harmonisch in die Umgebung ein.» Angedacht ist, dass in der Überbauung 1,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen entstehen, teils zur Miete, teils als Wohneigentum. Ob die Bruag selber investiert oder das Areal verkaufen würde, ist offen.