Brand bei Tobi Seeobst in Egnach: Giftiger Boden muss schichtweise abgetragen werden

Seit Mitte Oktober tragen Bagger Erdreich, das mit Schadstoffen belastet ist, schichtweise ab. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen die Perfluorierten Tenside (PFT) aus dem Löschwasser, das beim Grossbrand im März letzten Jahres dort versickerte.

Miguel Lo Bartolo
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Die Dekontaminierungsarbeiten am Rudwies 16 in Egnach kommen voran. (Bild: Andrea Stalder)

Die Dekontaminierungsarbeiten am Rudwies 16 in Egnach kommen voran. (Bild: Andrea Stalder)

Das Feuer bei der Tobi-Seeobst-Lagerhalle hat Folgen. Kürzlich beauftragte das kantonale Amt für Umwelt die Arbeitsgemeinschaft Eberhard Bau AG, Tausend Kubikmeter Erde auszuheben: Der Boden der nahe gelegenen Egnacher Parzelle am Rudwies 16 ist mit Giftstoffen, sogenannten Perfluorierten Tensiden (PFT), kontaminiert, die aller Wahrscheinlichkeit nach dem Löschwasser entstammen, das im März letzten Jahres dort versickerte.

Achim Kayser, Leiter Abfall und Boden sowie Bodenschutz beim Amt für Umwelt, äussert sich nicht zur Schuldfrage: «Die Suche nach den Verantwortlichen ist Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen.» Die Eberhard Bau AG hat Mitte Oktober mit den Dekontaminierungsarbeiten begonnen. «Die Dauer ist schwer abzuschätzen und witterungsabhängig», sagt Kayser.

Unterbrüche wegen schlechten Wetters

Mehr als die Hälfte der kontaminierten Fläche konnte laut Kayser bereits bereinigt werden. «Obwohl wir aufgrund des schlechten Wetters öfter unterbrochen wurden, konnten wir den Zeitplan bislang gut einhalten.» Der Boden wird schichtweise abgetragen. Abhängig von der jeweiligen Schadstoffbelastung wird die Erde zu verschiedenen Deponien gebracht. Kayser sagt:

«Die oberste Schicht ist am stärksten belastet. Sie geht in die thermische Behandlung.»

Erst kürzlich verurteilte die Jugendstaatsanwaltschaft drei von vier tatverdächtigen Jugendlichen wegen fahrlässiger Brandstiftung. Sie müssen nun Sozialarbeit leisten. Die Lagerhalle brannte komplett nieder, es entstand ein Schaden in Höhe von mehreren Millionen Franken.

Bei den Löscharbeiten waren etliche Feuerwehren im Einsatz. Sie verwendeten grosse Mengen Schaumlöschmittel – es kam sogar zu einem Rückstau in der Schmutzwasser-Kanalisation. In der Not wurde das Löschwasser auf eine anliegende, unbebaute Parzelle ausgeleitet, wo es schliesslich versickerte. «Bei einer Nachkontrolle stellten unsere Mitarbeiter PFT im Boden fest», schreibt das Amt für Umwelt kürzlich in einer Mitteilung. «Diese PFT kommen in der Natur nicht vor, sind toxisch und nicht abbaubar.»

Sollte dem so sein, wäre das ein Skandal

Die Staatsanwaltschaft Thurgau untersucht derzeit, ob die PFT-Belastung mit dem Einsatz der Schaumlöschmittel in Verbindung steht. Sollte dem so sein, wäre das ein Skandal. In der Schweiz stehen nämlich sämtliche Löschmittel, welche die besagte Substanz enthalten, seit 2011 auf der Verbotsliste. Die Thurgauer Feuerwehren hätten allerdings längst keine Vorräte an solchen Löschmitteln mehr, wie der Egnacher Feuerwehrkommandant Christian Feuz im Juli betonte.