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Bodyguard ohne Waffe: Salmsacher schützt bedrohte Personen in Zentralamerika

Yannick Wild verbrachte ein Jahr in Honduras als Menschenrechtsbeobachter für die Organisation Peace Brigades International. Die Umgewöhnung nach der Rückkehr in die Schweiz war für ihn nicht einfach.
Valentina Thurnherr
Ein Mitglied der «Peace Brigades» bei einer Demonstration während der Wahlen in Honduras. (Bild: PD)

Ein Mitglied der «Peace Brigades» bei einer Demonstration während der Wahlen in Honduras. (Bild: PD)

Der Salmsacher Yannick Wild arbeitet für die Peace Brigades International (PBI), eine Organisation für Schutzbegleitung von bedrohten Menschenrechtsverteidigern. Zurzeit sind Teams in Guatemala, Honduras, Kenia, Kolumbien und Mexiko präsent. «Ich habe mich schon immer für das Thema Menschenrechte interessiert», sagt Wild. «Deshalb habe ich vor etwa fünf Jahren ein Praktikum bei PBI Schweiz absolviert.» Die Idee hinter der Organisation habe ihm gefallen, weshalb er sich für einen Einsatz bewarb.

Ein wichtiges Prinzip von PBI sei es keine Seite einzunehmen. «Wir kommen nicht als westliche Organisation daher und zwingen den Leuten irgendetwas auf. Wir geben ihnen die Chance, in ihrem eigenen Land für die Einhaltung von Menschenrechten zu kämpfen, ohne Angst vor der Regierung haben zu müssen.»

Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt

Yannick Wild. (Bild: PD)

Yannick Wild. (Bild: PD)

Der Aggressor ist meist der Staat. Wenn die PBI vor Ort ist, wissen die potenziellen Angreifer, dass sie mit einer Antwort rechnen müssen. «Würden sie eine Organisation wie uns angreifen, würde das in den Medien bestimmt hohe Wellen schlagen», sagt Wild. Bisher seien ihre Mitglieder aber noch nie attackiert worden. «In Honduras haben wir eine Journalistin begleitet, die einen Blog betreibt, in dem sie über die Korruption im eigenen Land berichtet», sagt Wild. Diese Reporterin erhielt oft Drohungen. Auch andere freie Journalisten seien der Gewalt des Staates ausgesetzt. «Auf den Chefredaktor der unabhängigen Zeitung ‹El Libertador› wurde zum Beispiel geschossen, als er mit seiner Familie im Auto sass.» Zum Glück sei niemandem etwas passiert.

Ein anderes Mal begleiteten sie die Journalistin zu einer Gebäudebesetzung von Studenten, die gegen die Privatisierung der Universität demonstrierten. Im Innern des Hauses befanden sich sechs und rundherum etwa Tausend Studierende. «Wir gingen ins Gebäude und da sassen sie am Boden: klein, zierlich und total verängstigt. Um sie herum standen massige Polizisten der Spezialeinheit ‹Cobras›.» Die Studierenden seien verhaftet worden, und als sich die Polizisten ihren Weg nach Draussen bahnten, nahmen sie auf nichts und niemanden Rücksicht. «Sie setzten Tränengas und Schlagstöcke gegen die Studenten ein.»

Ausgehen ist Luxus

Bevor die Organisation neue Projekte entwickelt, unternimmt sie gemäss Wild gründliche Recherchen zu den jeweiligen Ländern. Somit garantiere PBI, dass den Freiwilligen, die dort hinreisen, nichts passiert. «In unserer Freizeit ist das Risiko allerdings etwas grösser», sagt Wild. Er sei einmal ausgeraubt worden, als er alleine unterwegs war. Normal sei auch, dass die Städte in der Nacht wie ausgestorben sind. «Das war komisch, sich daran zu gewöhnen, nach 19 Uhr das Haus nicht mehr zu verlassen.» Wer trotzdem raus muss, mach das nur mit dem Taxi von Tür zu Tür. «Als ich nach einem Jahr wieder in der Schweiz war, musste ich mich wirklich umgewöhnen», sagt Wild. «Kurz vor sieben dachte ich mir, dass ich jetzt langsam reingehen muss. Ich hatte mir das in Honduras so angewöhnt, dass es in der ersten Zeit total seltsam war, dass ich nachts einfach auf den Strassen rumlaufen konnte.»

Von der UNO anerkannt

Peace Brigades International ist seit 1981 für den Schutz der Menschenrechte und die gewaltfreie Konfliktbearbeitung in Krisengebieten tätig. International zusammengesetzte Teams begleiten Aktivisten für Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit und beobachten die Menschenrechtslage. Die Organisation ist von der UNO anerkannt und erhielt 2001 den Martin Ennals Menschenrechtspreis. 2016 waren 99 Freiwillige aus 22 Ländern in den Einsatzgebieten unterwegs.

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