Sie wünschen sich mehr Wir: Der neue Romanshorner Stadtrat möchte den Zusammenhalt stärken und genau auf die Bevölkerung hören

Stadtpräsident Roger Martin und seine Kollegen und Kolleginnen geben sich bodenständig und wollen die Hafenstadt im engen Austausch mit der Bevölkerung vorwärts bringen.

Markus Schoch
Hören
Drucken
Teilen
Der Stadtrat will Romanshorn zu «einem Leuchtturm des regionalen Fortschritts »machen.

Der Stadtrat will Romanshorn zu «einem Leuchtturm des regionalen Fortschritts »machen.

(Bild: PD)

Die Ziele sind ein bisschen weniger ambitioniert als zuletzt. Und das Tempo soll nur so hoch sein, damit alle auch mitkommen.

Der Stadtrat hat diese Woche das Programm für die aktuelle Legislaturperiode vorgestellt. Sie hätten vielleicht nicht den heiligen Gral gefunden, sagte Stadtpräsident Roger Martin vor den Medien. «Mit einer Kultur des Miteinanders soll die Hafenstadt aber wieder zu einem Leuchtturm des regionalen Fortschritts werden.» Gleichzeitig wünscht sich die Behörde als Nebeneffekt, dass die Romanshorner wieder «ein wenig mehr stolz» auf ihren Wohnort sind.

Luftschlösser will der Stadtrat keine bauen. «Wir streben eine bodenständige und realistische Entwicklung an», betonte Martin. Und besonders wichtig: Die Behörde will sich zusammen mit der Bevölkerung auf den Weg machen. Martin sagt:

«Wir müssen einander zuhören und gemeinsam Lösungen suchen.»

Gefragt seien Pragmatismus, Offenheit und Pioniergeist, der den Romanshornern gleichsam in die DNA eingeschrieben sei, sagte Martin.

Näher am Puls der Bevölkerung sein

Geplant ist, mit neuen Dialogformen die Einwohner besser und früher in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Martin denkt dabei etwa an einen digitalen Marktplatz. Bereits gelaufen ist eine Umfrage, mit der die Stadt erfahren wollte, wie zufrieden die Bevölkerung ist.

Die städtebauliche Entwicklung müsse weiter gehen, sagte Stadtrat Philipp Gemperle. Die Vorgänger hätten sehr gute Grundlagenarbeit geleistet. Der FDP-Vertreter sagt:

«Die bisher schon hohe Lebensqualität soll mittels gezielten planerischen Impulsen und Schlüsselprojekten mit Fokus auf das Stadtzentrum und das Hafenareal durch nachhaltiges Wachstum weiter verbessert werden.»

Zusammen mit dem Gewerbeverband ist die Stadt aktuell daran zu prüfen, wie den Ladengeschäften geholfen werden kann, die unter dem Strukturwandel im Detailhandel leiden. Erste Ergebnisse sollten im April vorliegen.

Sozialkosten stehen im Fokus

Unverändert Sorge tragen will der Stadtrat der Infrastruktur. «Wir müssen sie so gut als möglich erhalten», sagte Stadtrat Christian Zanetti. «Dabei gilt es, Notwendiges von Wünschbarem zu unterscheiden.» Denn die Finanzlage bleibt angespannt. Der Stadtrat will deshalb grundsätzlich an den haushaltsichernden Massnahmen festhalten.

Besonders im Fokus stehen die Sozialkosten. Die Stadt gebe mittlerweile jeden dritten Steuerfranken dafür aus, sagte Stadtrat Peter Eberle. Lernen will Romanshorn von Amriswil. Wichtig seien effiziente und klare Prozesse, sagte Eberle. Verbessert werden soll auch das Controlling.

Ebenfalls Handlungsbedarf sieht der Stadtrat bei den Ausgaben im Gesundheitsbereich. Er wolle die Zusammenarbeit mit den massgeblichen Playern am Platz intensivieren, sagte Stadtrat Roman Imhof. Prüfen will er ausserdem Möglichkeiten zur Verselbständigung des Regionalen Pflegeheims, das heute der Stadt gehört. Das sei aber ein langfristiges Projekt.

Gute Steuerzahler anlocken

Auf der anderen Seite möchte der Stadtrat Romanshorn attraktiver für gute Steuerzahler machen. Im Visier hat die Behörde auch Firmen. Stadtpräsident Martin sagt:

«Der Werkplatz Romanshorn mit seinen gegen 650 Betrieben und rund 6000 Arbeitsplätzen soll mit einem Wirtschaftsförderungskonzept gestärkt werden.»

Ein grosses Thema bleibt der Verkehr beziehungsweise die Verkehrsführung. Stadtrat Dominik Reis will ein gesamtheitliches Verkehrs- und Parkierungskonzept ausarbeiten, die Schulwegsicherheit verbessern und den «Balzverkehr» eindämmen. Damit meint Reis Raser und Besitzer von lauten Autos, die in Romanshorn ihre Runden drehen und vielen «auf den Wecker» gehen würden. «Die Kantonspolizei muss Lösungen bringen.»

Planung der Mehrzweckhalle steht im Pflichtenheft

Ursula Bernhardt will Romanshorn als Energiestadt vorwärts bringen und für mehr Biodiversität sorgen. Melanie Zellweger hat sich zum Ziel gesetzt, die öffentliche Sicherheit zu verbessern und den Kampf gegen das Littering zu intensivieren. Und Tamara Wiederkehr hat sich ins Pflichtenheft geschrieben, die Jugendarbeit neu zu etablieren, die Sport- und Parkanlagen noch attraktiver zu machen und sich mit anderen zusammen um die Planung einer Mehrzweckhalle zu kümmern.

Romanshorner wollen mehr Einkaufsmöglichkeiten

Die Stadt hat mit einer Umfrage die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Infrastruktur in ihrem Wohnort analysiert. Der grösste Handlungsbedarf besteht im Zentrum und beim Steuerfuss. Gute Noten gibt es fürs Vereinsleben und für die vielen Spielplätze.

Grosse Pläne für die Hafenstadt

ROMANSHORN. Der Romanshorner Stadtrat hat sich für die laufende Amtsperiode viel vorgenommen. Die Frage ist nur: Reicht das Geld für eine Brücke über die Gleise, einen Saal, einen Stadtplatz und einen Boulevard? Die Sozialkosten dürften nämlich weiter stark steigen.
Markus Schoch