Bodensee verbessert die Wasserqualität im Aach-Thur-Land 

Wegen der festgestellten Chlorothalonil-Sulfonsäure ist das Trinkwasser in den Gemeinden Erlen, Kradolf-Schönenberg und Sulgen derzeit ein Mix. Er besteht aus Wasser aus dem Bodensee und Wasser aus der Region. 

Georg Stelzner
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Die Aufbereitung des Bodenseewassers findet im Seewasserwerk Kesswil statt.

Die Aufbereitung des Bodenseewassers findet im Seewasserwerk Kesswil statt.

Bild: Andrea Stalder

Seit 22. November 2019 wird dem Trinkwasser in den Gemeinden Erlen, Kradolf-Schönenberg und Sulgen Wasser aus dem Bodensee beigemischt. Es sind 2000 Kubikmeter pro Tag. Diese Massnahme hat bewirkt, dass der gesetzliche Höchstwert an Chlorothalonil-Sulfonsäure nicht mehr überschritten wird.

Regelmässige Kontrolle des Trinkwassers

Chlorothalonil darf in der Landwirtschaft inzwischen nicht mehr eingesetzt werden. Das Fungizid steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Andreas Opprecht, Gemeindepräsident von Sulgen, bestätigt die erfreuliche Entwicklung: «Die relevanten Werte im Netz sind wieder gut, die Grenzwerte können eingehalten werden.»

Das Wasser, das im Aach-Thur-Land in die Haushalte gelangt, werde regelmässig kontrolliert, unter anderem vom kantonalen Lebensmittelinspektorat.

Auch wenn die möglicherweise krebserregenden Stoffe grossteils durch die Landwirtschaft in den Wasserkreislauf geraten sind, nimmt Opprecht die Bauern in Schutz: «Man soll sie nicht an den Pranger stellen, denn der Einsatz von Chlorothalonil war bis vor kurzem legal, weshalb die Landwirte nichts Verbotenes gemacht haben.»

Präventive Massnahme bewährt sich

Andreas Opprecht räumt ein, dass es glückliche Umstände waren, die es ermöglichten, das Problem mit der Chlorothalonil-Sulfonsäure recht schnell in den Griff zu bekommen. Entscheidend sei einerseits die Nähe des Bodensees gewesen, anderseits die Existenz von Transportleitungen zum Sulger Reservoir Buchenberg.

Die Errichtung dieser Leitungen sei im Hinblick auf Notfälle beschlossen worden. «Nun bewährt sich die Massnahme bestens», sagt der Sulger Gemeindepräsident. Mit den Transportleitungen allein wäre den Menschen im Aach-Thur-Land aber noch nicht geholfen.

Wasseraufbereitung in Kesswil

Eine wichtige Rolle spielt auch das Seewasserwerk Kesswil. Es befindet sich im Besitz der REA (Regio Energie Amriswil) und sorgt dafür, dass das Bodenseewasser vor Ort aufbereitet werden kann. Mit der REA ist die Politische Gemeinde Sulgen vertraglich verbunden, was die Zusammenarbeit in diesem Ernstfall vereinfacht.

Andreas Opprecht, Gemeindepräsident von Sulgen: «Auf diese Weise ist es möglich, die Grenzwerte einzuhalten.»

Eine weitere bedeutende infrastrukturelle Einrichtung ist nach den Worten Opprechts das Stufenpumpwerk Biessenhofen am westlichen Rand Amriswils. Es leitet das Wasser weiter Richtung Sulgen, wo im 2500 Kubikmeter grossen Reservoir Buchenberg der Mischvorgang mit dem belasteten Wasser aus dem Aach-Thur-Land geschieht.

Erhöhung des Wasserpreises derzeit kein Thema

Nachdem sich die Aufregung um die beeinträchtigte Wasserqualität gelegt hat, rückt ein anderer Aspekt in den Fokus. Wer finanziert die getroffenen Massnahmen? «Es sind die Gemeinden und damit die Kunden», spricht Opprecht Klartext.

Für die Wasserversorgung gebe es aber eine Spezialfinanzierung und diese verfüge noch über Reserven. Die Situation sei nicht existenziell und somit zu verkraften. An der Zuführung von Bodenseewasser werde man bis auf Weiteres festhalten.

«Ich gehe davon aus, dass eine Erhöhung des Wasserpreises im Moment nicht nötig ist», beruhigt Opprecht. «Wenn die Massnahme aber über das Jahr 2021 anhalten würde, bin ich nicht sicher, ob die Wasserversorgungen den Preis halten könnten.»

Seewasserwerk Kesswil

Das Seewasserwerk der REA (Regio Energie Amriswil) befindet sich im Quartier Unterbach an der Wasserwerkstrasse in Kesswil. Es wurde 1952 in Betrieb genommen und in den Jahren 1961 bis 1963 sowie 1987 bis 1991 modernisiert und ausgebaut. Eine rund 850 Meter lange Fassungsleitung befördert Bodenseewasser aus 35 Metern Tiefe direkt ins Werk. Dort wird das Wasser über verschiedene Verfahrensstufen aufbereitet und mit Hilfe von Hochdruckpumpen über eine 6 Kilometer lange Leitung nach Amriswil transportiert. An einem Spitzentag werden in Kesswil rund 11'000 Kubikmeter Trinkwasser produziert. (st)