Bodensee-Sommer
Abgestürzt, verschollen, ertrunken: Die zehn schlimmsten Unfälle am Bodensee

Im vergangenen Februar stürzte ein 70-jähriger Pilot mit seinem Kleinflugzeug bei Staad in den Bodensee. Der Mann konnte gerettet werden und blieb unversehrt. In der Vergangenheit war der Bodensee immer wieder Schauplatz tragischer Unfälle. Eine Übersicht.

Gabriela Schmid
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Das Wrack des Flugunfalls in Staad konnte im Mai aus dem See gezogen und zerlegt werden.

Das Wrack des Flugunfalls in Staad konnte im Mai aus dem See gezogen und zerlegt werden.

Bild: Michel Canonica

Flugzeugabsturz fordert 71 Tote

Am Abend des 1. Juli 2002 ereignete sich im baden-württembergischen Überlingen ein tragischer Flugunfall. Ein DHL-Frachtflugzeug startete kurz nach 23 Uhr in Bergamo mit Kurs auf Brüssel. Derweil befand sich ein Linienflugzeug der Bashkirian Airlines auf dem Weg von Moskau nach Barcelona. An Bord sassen 69 Passagiere, darunter 49 Kinder und Jugendliche.

Als sich die Maschinen gegen 23:30 Uhr im süddeutschen Luftraum mit derselben Flughöhe näherten, schickte der diensthabende Fluglotse Peter Nielsen das Passagierflugzeug in den Sinkflug. Zeitgleich wurde auf dem Frachtflugzeug die Anweisung des automatischen Kollisionswarnsystems befolgt, ebenfalls zu sinken. Kurze Zeit später kollidierten die Flugzeuge, brennende Wrackteile fielen auf über 30 Quadratkilometer verteilt zu Boden.

Weder Wohnhäuser noch Personen wurden von den herabfallenden Trümmern erfasst. Alle 71 Insassen der beiden Flugzeuge verloren bei dem Absturz ihr Leben. Zur Brandbekämpfung und Leichenbergung waren insgesamt mehrere hundert Hilfskräfte im Einsatz. Peter Nielsen wurde im Jahr 2004 vom Ehemann und Vater dreier Opfer bei seinem Haus in Kloten erstochen.

Ein Grossteil der lodernden Flugzeugteile fiel auf offenes Feld. Der Aufprall der nahezu intakten Frachtmaschine löste einen Waldbrand aus.

Ein Grossteil der lodernden Flugzeugteile fiel auf offenes Feld. Der Aufprall der nahezu intakten Frachtmaschine löste einen Waldbrand aus.

Bild: Keystone

Taucherin von Kursschiff gerammt

Am Morgen des 4. April 2021, dem Ostersonntag, kam es im Rhein bei Diessenhofen zu einem Tauchunfall: Eine 29-jährige Taucherin prallte unter Wasser mit einem Kursschiff der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein zusammen und erlitt dabei tödliche Verletzungen. Die Schweizerin konnte nur noch leblos geborgen werden.

Im Vorfeld hatte sich der Tauchveranstalter bei der Schifffahrtsgesellschaft nach dem geplanten Kursschiffverkehr erkundigt. Ein Missverständnis im E-Mail-Verkehr liess ihn glauben, dass im Zeitraum des Tauchgangs kein Kursschiff verkehre. Zudem wurde während des Tauchgangs keine Warnflagge an der Ein- und Ausstiegsstelle platziert. Der Geschäftsführer des Tauchveranstalters wurde nun wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Auf Höhe der Rheinbrücke in Diessenhofen wurde der leblose Körper der Taucherin geborgen.

Auf Höhe der Rheinbrücke in Diessenhofen wurde der leblose Körper der Taucherin geborgen.

Bild: Coralie Wenger

«Bahnhof»-Wirt mit Vélosolex verschollen

Ein Jahrhundertereignis lockte im Winter 1963 Scharen von Menschen ans schwäbische Meer: Ab Anfang Februar war der Bodensee vollständig zugefroren und somit begehbar. Zehntausende tummelten sich auf dem Eis – zu Fuss, mit Schlittschuhen, Pferd oder Auto. Auch Heiri Flach, Wirt des Restaurants «Bahnhof» in Horn, hatte vor, den Bodensee zu überqueren.

Mit dem Moped begab Flach sich an einem nebligen Montagnachmittag ans Horner Seeufer und verschwand in Richtung Langenargen. Sein Freund Jakob Giger, der ehemalige «Bad Horn»-Hotelier, meldete am nächsten Morgen sein Verschwinden. Die Suchaktion blieb jedoch erfolglos, eine Leiche wurde nie gefunden. Man vermutet, dass der Zürcher die Orientierung verlor, in einen schwach zugefrorenen Bereich einbrach und ertrank.

Österreichs Sozialminister bei Flugzeugabsturz verstorben

Aufgrund der schwierigen Wetterbedingungen konnte das Flugzeugwrack nicht sofort geborgen werden.

Aufgrund der schwierigen Wetterbedingungen konnte das Flugzeugwrack nicht sofort geborgen werden.

Bild: Keystone

Eine zweimotorige Propellermaschine der österreichischen Fluglinie Rheintalflug stürzte am 23. Februar 1989 beim Landeanflug in den Bodensee. Kurz nach 9.30 Uhr hob der Flieger in Wien ab. Aufgrund dichten Nebels konnte der Flugplatz Hohenems-Dornbirn nicht angesteuert werden, man entschied sich stattdessen für den Flugplatz St.Gallen-Altenrhein.

Im Sinkflug durchstiess das Flugzeug einen Nebelfetzen und endete etwa eineinhalb Kilometer vor dem Rorschacher Ufer im Wasser. Angeschnallt an ihren Sitzen, kamen alle elf Insassen ums Leben, darunter auch der österreichische Sozialminister Alfred Dallinger. Das Wrack sank 76 Meter in die Tiefe und wurde eine Woche später geborgen. Die Unfallursache wurde auf menschliches Versagen zurückgeführt, konnte aber nie restlos geklärt werden.

Horner Kirchgänger vor Steinach ertrunken

Nach einem Sturm am 11. Mai 1732 verloren 27 Kirchgänger bei einem Schiffbruch vor Steinach ihr Leben. Zum damaligen Zeitpunkt stand in Horn noch keine evangelische Kirche, weshalb die Reformierten den Gottesdienst in Arbon besuchten. Um das verfeindete Nachbardorf Steinach zu umgehen, segelten sie mit dem Boot über den Bodensee.

Bei ihrer Rückkehr an jenem Tag wurden die Kirchgänger vom Wetter überrascht. 14 Personen überlebten den Sturm – 13 Frauen, neun Männer und fünf Kinder, damals rund ein Zehntel der Horner Bevölkerung, ertranken. In der Folge wurde im Jahr 1930 die Kirche der Evangelischen Kirchgemeinde Horn eingeweiht.

Die evangelische Kirche in Horn steht direkt am See und ist inzwischen über 100 Jahre alt.

Die evangelische Kirche in Horn steht direkt am See und ist inzwischen über 100 Jahre alt.

Bild: Ralph Ribi

Flugunglück bei Akrobatikshow in Romanshorn

Die zweite Akrobatikshow in Romanshorn am 24. Mai 1920 endete für den Flugpionier Emile Taddéoli und seinen Mechaniker Yvo Giovanelli tödlich. Tausende Schaulustige versammelten sich an jenem Pfingstmontag am Bodensee, um die von der «Ad-Astra»-Gesellschaft organisierte Vorführung zu bestaunen. Nach einigen Rundflügen stiegen die beiden um 14 Uhr mit einem Wasserflugzeug in die Luft.

20 Minuten tanzte der Flieger im Himmel umher, als sich plötzlich mit einem Knall die rechte Tragfläche und der Motor vom Flugzeugrumpf löste. Taddéoli und Giovanelli starben augenblicklich durch die Explosion, die Wrackteile fielen Stück für Stück ins Wasser. Im Gedenken an die Verunglückten pflanzten die Romanshorner eine Trauerweide.

Kollision zwischen «Jura» und «Stadt Zürich»

Am 12. Februar 1864 trug sich bei Bottighofen ein verheerendes Schiffsunglück zu. An dem nebligen Wintermorgen brach das 46 Meter lange Dampfschiff Jura von Romanshorn in Richtung Konstanz auf. An Bord befanden sich die Besatzung sowie fünf Passagiere. Zeitgleich näherte sich aus der Gegenrichtung die «Stadt Zürich» – der grösste, schnellste Dampfer auf dem See.

Der dichte Nebel versperrte die Sicht und so konnte ein Zusammenstoss trotz Abbremsen nicht vermieden werden. Die «Stadt Zürich» bohrte sich in das Vorschiff der beidrehenden «Jura» und Wasser begann in den aufgerissenen Schiffsrumpf zu dringen. Ein Matrose starb, einem anderen wurde angeblich der Arm abgerissen. Die Passagiere und übrige Besatzung retteten sich auf die «Stadt Zürich».

Die «Jura» sank mitsamt wertvoller Ladung auf den Grund des Bodensees, wo das Schiff noch heute rund einen Kilometer vor Bottighofen, knapp 40 Meter unter der Wasseroberfläche liegt. Seit 2005 verunglückten mindestens fünf Taucher beim Versuch, das Wrack zu erkunden.

Ein Taucher sichtet das Wrack des Dampfschiffes Jura gleich vor Bottighofen.

Ein Taucher sichtet das Wrack des Dampfschiffes Jura gleich vor Bottighofen.

Bild: Andrew Haller

Das Schiff, das zwei Mal sank

Auch das Dampfboot Ludwig fiel dem Riesendampfer Stadt Zürich zum Opfer. Am Abend des 11. März 1861 befand sich die «Ludwig» auf Kurs von Lindau nach Rorschach. Derweil fuhr die «Stadt Zürich» von Romanshorn nach Lindau. Dunkelheit und Schneetreiben beeinträchtigten die Sicht, sodass die beiden Schiffe trotz Ausweichmanöver vor der alten Rheinmündung kollidierten. Dies verursachte ein Leck auf der Backbordseite der «Ludwig».

Während das Schiff unterging, konnte sich ein Teil der Besatzung retten – dreizehn Personen starben bei dem Schiffsunglück. Auf der «Stadt Zürich» blieb man unversehrt. Nach zahlreichen erfolglosen Versuchen konnte die «Ludwig» im Jahr 1963 geborgen und repariert werden. Um 1870 geriet das Dampfboot vor Lochau in einen schweren Sturm und sank erneut. Die Schäden erwiesen sich nach der zweiten Bergung als irreparabel und die «Ludwig» wurde zerlegt.

Tödlicher Swiss-Trainingsflug

Bei einem Trainingsflug der Swissair im Raum Bodensee stürzte am 18. Juni 1957 ein Flugzeug nahe Romanshorn ins Gewässer. Die Flugschüler sollten dabei das Stillegen eines Motors sowie das Segeln und Entsegeln der Propeller üben. Die Maschine geriet jedoch ausser Kontrolle und versank nach dem Absturz in wenigen Augenblicken. Sowohl der Trainingspilot als auch die Schüler verloren in der Folge ihr Leben.

Gerüchte nach Absturz von Cessna 425

Dieser Flugunfall sorgte international für Schlagzeilen: Eine Cessna 425 stürzte am 24. Januar 1994 beim Landeanflug auf den Flugplatz St.Gallen-Altenrhein in den Bodensee. Aufgrund der Wetterverhältnisse verzögerte sich die Rettungsaktion. Am 8. Februar konnte die Chartermaschine schliesslich aus 159 Meter Tiefe geborgen werden.

Auf dem Flieger, der von Prag startete, befanden sich ursprünglich der Pilot, zwei Geschäftsleute und zwei zunächst nicht gemeldete Frauen sowie ein Hund. Allerdings wurden lediglich drei Leichen gefunden – der Pilot, eine der Frauen und der Hund blieben verschollen. Der Vorfall liess international zahlreiche Gerüchte kursieren. Dies, weil die beiden Geschäftsmänner mit Waffen und radioaktivem Material handelten.

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