Bodensee-Schifffahrt will an Pfingsten ablegen – ob das geht ist fraglich

Die deutschen Ausflugsdampfer verkehren seit letztem Mittwoch wieder auf dem Bodensee. Unter österreichischer Flagge haben bereits an den letzten beiden Wochenenden Rundfahrten in der Bregenzer Bucht stattgefunden. Die Flotte der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt AG (SBS) hingegen befindet sich immer noch in der Winterpause.

Thomas Wunderlin
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Die renovierte MS St. Gallen dümpelt in Romanshorn; mit einer Kapazität von 500 Passagieren ist sie das grösste SBS-Schiff.

Die renovierte MS St. Gallen dümpelt in Romanshorn; mit einer Kapazität von 500 Passagieren ist sie das grösste SBS-Schiff.

Bild: Reto Martin (Romanshorn, 27. März 2020)

Touristische Bahnen und Schiffe sollen am 8. Juni wieder in Betrieb gehen. Ohne Corona wären die SBS-Dampfer schon am 28. März ausgelaufen. SBS-Geschäftsführerin Andrea Ruf erwartet, dass der Bundesrat diesen Mittwoch Genaueres bekanntgibt. Am liebsten wäre es ihr, wenn die SBS bereits auf das Pfingstwochenende loslegen könnte, bestätigt sie einen Bericht von «FM1Today».

Andrea Ruf, Geschäftsführerin SBS Schifffahrt AG in Romanshorn.

Andrea Ruf, Geschäftsführerin SBS Schifffahrt AG in Romanshorn.

Bild: Andrea Stalder (Romanshorn, 13. Mai 2019)

Ohne Personenverkehr lohnt es sich nicht

Der für 28. März geplante Saisonbeginn musste auf Geheiss des Bundesrats verschoben werden, weshalb die SBS Kurzarbeit eingeführt hat. Der Warenverkehr über die Grenze ist zwar gestattet; ohne Personenverkehr lohnt sich aber der Betrieb der Fähre Romanshorn-Friedrichshafen nicht. Auch die Werftarbeiten sind abgeschlossen.

Von den 130 SBS-Mitarbeitern arbeitet im Wesentlichen nur das Personal des Restaurant Hafen in Romanshorn. «Wir kommen durch den Sturm», sagt Ruf, «die Frage ist, wie gross der Schaden ist.»

Möglicherweise nur eine Woche begrenzte Strecken

Bei Wiederaufnahme des Betriebs am 8. Juni hätte die SBS ein Problem mit der Kommunikation. Denn bis zur geplanten Grenzöffnung am 15. Juni dürften die Schiffe nur auf Schweizer Seite verkehren, etwa auf der Strecke Rorschach-Rheineck. Die SBS wäre bereit, diese Woche noch loszulegen. Die Branche hat ein Schutzkonzept erarbeitet.

Ruf streicht den Vorteil der Schiffe heraus: Die Zahl der Passagiere kann problemlos kontrolliert werden. Wenn die Schweizer dieses Jahr vermehrt in der Schweiz Ferien machen, würde die SBS profitieren. Dies wäre aber gefährdet, falls die Kapazitäten auf den Schiffen stark begrenzt werden müssen. Andrea Ruf konkretisiert:

«Wir hoffen, dass man das in dieser schwierigen Situation berücksichtigt.»

Auf deutschen Schiffen gilt eine Maskenpflicht, so wie im öffentlichen Nahverkehr in ganz Deutschland. Die SBS-Geschäftsführerin ist froh, dass der Bundesrat bislang davon Abstand genommen hat. Dabei bezieht sie sich auf Erfahrungen im Restaurant Hafen: «Die Leute schätzen es, dass keine Pflicht zum Maskentragen herrscht.»

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