Interview

«Wir tun alles, was wir können, um neue Kunden zu gewinnen» – Die Kreuzlinger Bodensee-Arena sucht neue Event-Veranstalter

Verwaltungsratspräsident Matthias Mölleney berichtet, wie es in der Bodensee-Arena ohne das SRF weitergeht. Aber Ideen fallen nicht vom Himmel. 

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen
Die Bodensee-Arena im Spätherbst. (Bild: Donato Caspari)

Die Bodensee-Arena im Spätherbst. (Bild: Donato Caspari)

Wie weit ist die einst angekündigte neue Strategie bereits gediehen?

Wir arbeiten intensiv daran, unsere Strategie an die neuen Gegebenheiten ohne das Fernsehen anzupassen. Mit dem neuen Team um Nico Seiler haben wir in allen Geschäftsbereichen eine Bestandsaufnahme gemacht und die möglichen Chancen und Risiken analysiert. Das Team hat einen tollen Start hingelegt und schon einige neue Ideen einbringen können.

Matthias MölleneyVerwaltungsratspräsident der Bodensee-Arena(Bild: Reto Martin)

Matthias Mölleney
Verwaltungsratspräsident der Bodensee-Arena
(Bild: Reto Martin)

In welche Richtung wird es gehen?

Sehr viel Spielraum gibt es aufgrund der räumlichen Situation nicht. Das Hotel und das Restaurant laufen gut und auch der Umbau des Restaurants ist bei unseren Gästen positiv angekommen. Der Eisbetrieb entwickelt sich erfreulich, aber alle drei Komponenten miteinander reichen nicht aus, um das Unternehmen als Ganzes erfolgreich zu machen.

Es braucht also das Event-Geschäft.

Ja. Hier ist nach dem Weggang des Fernsehens der grösste Handlungsbedarf. Wir tun alles, was wir können, um neue Kunden zu gewinnen. Wir haben unser Marketing im Eventbereich komplett erneuert und sind auf der Suche nach neuen Eventideen. Die fallen nicht vom Himmel, aber ein paar kleinere Anlässe haben wir bereits erfolgreich für uns gewinnen können und an einer ganz Reihe weiterer sind wir dran.

Wieso ist es so schwierig, externe Veranstaltungen in die Eishalle zu holen?

Weil wir mit unserer Grösse für die ganz grossen Events zu klein sind und für die kleinen zu gross. Wir stecken in der Mitte fest und dort gibt es nicht sehr viel Nachfrage. Zudem müssen wir uns im Ein-Tages-Eventbereich erst wieder als attraktive Location, die nicht dauervermietet ist, auf dem Markt zurückmelden. Trotzdem arbeiten wir intensiv daran, wieder mehr interessante Events in die Bodensee-Arena zu holen. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung treffen sich bis auf weiteres sehr viel häufiger als üblich zu Arbeitsgruppen-Meetings.

Die Profiteure dieser Situation sind die Eissportler.

Es hat immer sehr beliebte Tageszeiten gegeben, vor allem am späten Nachmittag und Abend, wo es mehr Nachfrage nach Eis gibt, als wir selbst bei voller Kapazität anbieten können. Dieses Problem wird es auch in Zukunft geben. Aber grundsätzlich haben wir den Eindruck, dass die Eissportvereine zufrieden sind.

Welche Auswirkungen haben die Entwicklungen auf die Finanzen? Fehlen die vollen 400'000 Franken, die das SRF jährlich etwa zahlte, oder konnte man einen Teil kompensieren?

Einen Teil haben wir durch Kostensenkungen kompensieren können, einen weiteren durch die gute Entwicklung von Hotel und Restaurant und einen dritten durch neue Events – und speziell dieser dritte Teil muss unbedingt noch grösser werden.

Wie sehen die Ergebnisse konkret aus?

2018 war ein sehr gutes Jahr. Da hatten wir noch die letzten Fernseh-Events und erreichten ein ganz knapp positives Ergebnis. Wir mussten erstmals nicht die Defizitgarantie der Stadt in Anspruch nehmen. Für 2019 werden wir sie leider wieder brauchen, und wir rechnen darüber hinaus mit einem Verlust. Für diesen Fall haben wir aber in den guten Jahren etwas Reserven aufbauen können. 2020 wollen wir unbedingt wieder schwarze Zahlen schreiben.

Die 400'000 Franken Betriebsbeitrag und die 100'000 Franken Defizitbeitrag der Stadt werden also in Anspruch genommen?

Ja, für 2019 wird das so sein.

Was läuft bei den Garderoben und Lagerräumen?

Wir haben derzeit ein grosses Infrastrukturprojekt mit der Stadt am Laufen, in dem alle Möglichkeiten und Varianten untersucht und bewertet werden. Sobald da konkrete Ergebnisse vorliegen, werden wir das mit den Gremien der Stadt besprechen und eine Lösung für die notwendigen Investitionen suchen. Auch die bald frei werdende Tennishalle werden wir dabei anschauen.