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Zoff um Arboner Bundesfeier: SVP lädt Christoph Blocher ohne Absprache mit Veranstalter ein

Ein Verein hat das drohende Aus der Bundesfeier in Arbon verhindert und sie neu organisiert, ohne Polit-Exponenten. Was die SVP nicht hinderte, Christoph Blocher einzuladen. Ohne Absprache. Jetzt gibt es ein Problem.
Max Eichenberger
Wie patriotisch darf oder muss eine Bundesfeier sein? Die Stadtmusik Arbon gab sich jeweils ganz vaterländisch. (Bild: Max Eichenberger)

Wie patriotisch darf oder muss eine Bundesfeier sein? Die Stadtmusik Arbon gab sich jeweils ganz vaterländisch. (Bild: Max Eichenberger)

Erst letzten Sommer hat sich aus der Not heraus ein Verein gebildet, um das Einschlummern der Bundesfeier-Tradition abzuwenden. Die Stadt hatte zuvor kundgetan, den Anlass nicht mehr finanziell abzusichern. Dessen Organisation übertrug sie bis anhin dem Verkehrsverein: operativ dem Infocenter.

Der neu gegründete Verein «1. August Arbon» mit Exponenten grosser Arboner Events (Arbon Classics, SummerDays Festival) stellte dann den Traditionsanlass auf eine zukunftsfähige Basis und verpasste ihm einen neuen Rahmen.

«Keine Plattform mehr für politische Exponenten»

Die Bundesfeier sollte künftig als Familienfest ausgerichtet werden. Der politisch neutrale Verein habe entsprechend kommuniziert, dass der 1. August «keine Plattform mehr für politische Exponenten sein soll», erinnert Präsident Roland Widmer. So ging denn auch die Premiere letzten Sommer über die Bühne: mit der Schriftstellerin Andrea Gerster, welche die Rede hielt.

2018 ist die Bundesfeier erstmals in neuer Form im Jakob-Züllig-Park abgehalten worden – mit der Autorin Andrea Gerster. (Bild: Max Eichenberger)

2018 ist die Bundesfeier erstmals in neuer Form im Jakob-Züllig-Park abgehalten worden – mit der Autorin Andrea Gerster. (Bild: Max Eichenberger)

Auch der Ort war neu: im Jakob-Züllig-Park beim Musikpavillon. Weiterhin soll den politischen Parteien eingeräumt bleiben, im Turnus Programmvorschläge einzubringen. Bis anhin hatten sie jeweils frei und uneingeschränkt die Redner gestellt, zumeist aus dem Reservoir der Politiker. Neu sollten also Politreden tabu sein.

Die EVP, die 2018 das Vorschlagsrecht hatte, hielt sich mit der Autorin Andrea Gerster daran: «Alles war vorher abgesprochen», resümiert Roland Widmer, der Retter der Bundesfeier, der im Januar als «Arboner des Jahres» geehrt worden war.

SVP hat mit Blocher-Coup den Verein desavouiert

Und dann das: Die SVP machte mit der Ankündigung des Auftritts von alt Bundesrat Christoph Blocher am diesjährigen 1. August alle perplex: «Wir sind von der SVP gar nicht orientiert worden. Wir haben es aus der Presse erfahren», sagt Widmer. Tatsächlich hat die SVP die Meldung verbreitet. Der Vereinsvorstand kam sich desavouiert vor. Unter dem Deckel gärte es. Damit konfrontiert, bestätigt Widmer den Sachverhalt:

«Wir haben der SVP gesagt, ein Redner Blocher sei nicht in unserem Sinn.»

Das würde gegen die Spielregeln verstossen, keine Polit-Exponenten als Redner mehr einzuladen. Dies wäre nicht vereinbar mit den postulierten Zielsetzungen des Vereins. Blocher ist mit 78 immer noch ein politisches Schwergewicht. Die SVP solle sich daran halten, die Plattform unpolitisch zu nutzen.

Die Situation ist verzwickt und delikat.

Würde sich die SVP beugen, müsste sie Blocher ausladen. Das bedeutete für die Partei eine Peinlichkeit sondergleichen. Wie verlautet, ist Blocher in Unkenntnis dieses möglichen Worst Case, den die SVP-Ortspartei abwenden will. Dem Vernehmen nach läuft für die SVP eine Frist bis 15. Mai, sich zu erklären.

Widmer zufolge gebe es ein Angebot des Vereins, falls die SVP auf Blocher beharrt: «Dann nähme der Verein als Veranstalter «ein Timeout», zöge sich aus der Verantwortung und die SVP ihr Ding alleine durch.» Denn auch sicherheitstechnisch wäre ein Auftritt Blochers für den Verein nicht zu bewältigen, sagt Widmer. Für ihn ist die SVP-Provokation «keine Wertschätzung unseres Engagements».

Seitens der SVP sagt Stadtrat Konad Brühwiler, der die Fäden in der Hand hält, einzig, dass er dazu nichts sage. Er könne weder bestätigen noch dementieren. Man habe Stillschweigen vereinbart. Offenbar sind die Parteien noch im Gespräch, um sich mit möglichst wenig Gesichtsverlust aus der Affäre zu winden.

Aus SVP-Kreisen dringt die klare Auffassung durch, dass es gerade für einen Bundesfeiertag unangemessen sei, ihn ganz unpolitisch zu begehen.

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