Blaues Auge wegen roter Zahlen: Rechnung 2019 der Gemeinde Zihlschlacht Sitterdorf weist hohen Verlust aus

Heidi Grau ist seit 20 Jahren Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf. Nun muss sie erstmals eine defizitäre Jahresrechnung vorlegen.

Georg Stelzner
Drucken
Teilen
Gemeindepräsidentin Heidi Grau vor dem 2012 in Betrieb genommenen Werkhof an der Bernhauserstrasse in Zihlschlacht.

Gemeindepräsidentin Heidi Grau vor dem 2012 in Betrieb genommenen Werkhof an der Bernhauserstrasse in Zihlschlacht.

Bild: Georg Stelzner

«Es ist keine schöne Situation, besonders jetzt nicht», stellt Heidi Grau vor dem Hintergrund der Coronakrise fest. Die Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf versucht erst gar nicht, das Rechnungsergebnis zu bagatellisieren.

Der Verlust von 523'120 Franken spricht eine klare Sprache. Einen Aufwandüberschuss sah zwar auch das Budget 2019 vor, doch die prognostizierten 269'240 Franken waren nicht ganz so rot.

Steuerertrag weit unter den Erwartungen

Dass alles noch viel schlimmer hätte kommen können, ist ein schwacher Trost angesichts der schmerzlichen Premiere: Zum ersten Mal muss Heidi Grau den Stimmbürgern eine Jahresrechnung unterbreiten, die im Minus abschliesst.

Schwer ins Gewicht fallen die Steuereinnahmen, bei denen das anvisierte Ziel um 920'000 Franken verfehlt wurde. Heidi Grau bezeichnet das als «massiven Einbruch», verursacht durch Abgänge (Wegzug, Tod) aus dem Steuerregister. «Beim Steuerertrag sind wir etwa auf den Stand von 2008 zurückgeworfen worden.»

Als negative Faktoren hätten sich auch die erneut höheren Beiträge im Gesundheitswesen für die Pflegefinanzierung und die Versorgung durch die Spitex erwiesen.

Noch höheren Verlust verhindert

Immerhin konnte der Verlust noch eingedämmt und ein drohendes Minus von sogar 1,2 Millionen Franken verhindert werden, wie die Gemeindepräsidentin erklärt.

Einerseits seien die Nettoleistungen für die Gesetzliche Wirtschaftliche Hilfe (Sozialhilfe) um rund 175'000 Franken tiefer ausgefallen, anderseits habe man im Bereich Gemeindestrassen frühzeitig die Handbremse gezogen und insgesamt 235'000 Franken weniger aufgewendet als ursprünglich geplant.

Ausgaben unter die Lupe nehmen

Zudem habe man Rückvergütungen vom Kanton für abgeschlossene Projekte im Bereich Bachunterhalt/Bachunterhaltskonzept und Altlastensanierungen verbuchen können. Diese Zahlungen im Betrag von 85'000 Franken waren laut Heidi Grau nicht Bestandteil des Budgets.

«Wir sind mit einem tiefblauen Auge davongekommen, doch der Verlust schmerzt natürlich schon sehr», bilanziert die Gemeindepräsidentin. Extravaganzen werde man sich in nächster Zeit nicht leisten können, und man müsse sich noch besser überlegen, welche Ausgaben und Projekte sich die Gemeinde leisten kann.

In guten Zeiten in die Infrastruktur investiert

Heidi Grau ist heute doppelt froh, dass die teils hohen Ertragsüberschüsse der jüngsten Vergangenheit genutzt wurden, um die Infrastruktur der Gemeinde auf Vordermann zu bringen.

Sie erinnert an die Errichtung eines neuen Werkhofs und Feuerwehrdepots sowie an die Adaptierung des ehemaligen Bankgebäudes zu einem zeitgemässen Domizil für die Gemeindeverwaltung. Auch im Hinblick auf den Strassenunterhalt dürfe man sich nun in Zurückhaltung üben. Auf diesem Gebiet sei zuletzt viel getan worden.

Über die Rechnung 2019 der Politischen Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf wird an der Gemeindeversammlung vom Mittwoch, 25. November 2020, abgestimmt.