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Bistum Basel rügt Weinfelder Pfarrer wegen fehlerhafter Verwaltung von Spendengeldern

Seit einem halben Jahr findet die Katholische Kirchgemeinde Weinfelden keine Ruhe. Die neuste Entwicklung: Laut Bistum Basel darf der freigestellte Pfarrer Josef Wiedemeier nie wieder mit Spendengeldern hantieren
Sabrina Bächi
Dunkle Wolken ziehen über die katholische Kirche in Weinfelden. Die Kirchgemeinde hadert noch immer mit ihrem ehemaligen Pfarrer. (Bild: Reto Martin)

Dunkle Wolken ziehen über die katholische Kirche in Weinfelden. Die Kirchgemeinde hadert noch immer mit ihrem ehemaligen Pfarrer. (Bild: Reto Martin)

Niemand will Öl ins Feuer giessen – und doch brennt es lichterloh. Die Katholische Kirchgemeinde Weinfelden hadert mit ihrem mittlerweile entlassenen Pfarrer Josef Wiedemeier. Seit einem halben Jahr ist dieser krankgeschrieben und Anfang November wurde er von der Behörde per sofort freigestellt. Wegen schwerwiegender Differenzen in der Personalführung (unsere Zeitung berichtete).

Per Ende Mai wurde Pfarrer Wiedemeier gekündet. Nun schlug an der vergangenen Gemeindeversammlung am Montagabend eine weitere Bombe ein – und zwar von weit oben. Pfarrer Wiedemeier habe die Buchhaltung des Opfergeldes vernachlässigt, schreibt Generalvikar Markus Thürig in einem Brief, welcher an der Versammlung verlesen wurde. Doch die verworrene Geschichte rund um die Freistellung von Pfarrer Wiedemeier beginnt viel früher

Antrag auf Untersuchung

Nach der fristlosen Freistellung von Josef Wiedemeier, beschwerte sich Kirchbürger Rolf Molls über das Vorgehen der Behörden. Bereits für die Budgetversammlung im Januar stellte Molls den Antrag, die Freistellung Wiedemeiers von einer neutralen Person untersuchen zu lassen. An der Budgetversammlung am 10. Januar wurde jedoch nicht über diesen Antrag abgestimmt. Molls vermutet, die Behörde habe Pfarrer Wiedemeier gemobbt. In einem Leserbrief hat er sich bereits im November über das Vorgehen der Vorsteherschaft enerviert: die Gründe für die Freistellung seien «fadenscheinig und weit hergeholt». Er schreibt weiter, dass «von den grossen Mühen der Katechetinnen mit der Personalführung des Pfarrers» gesprochen wurde, «mit keinem Wort wird aber erwähnt, dass die Frau des Kirchenpräsidenten eben eine dieser Katechetinnen ist.»

Für die Rechnungsversammlung am Montag stellte Rolf Molls ein weiteres Mal den Untersuchungsantrag. Doch es wurde nicht inhaltlich über eine allfällige Untersuchung abgestimmt, sondern nur über deren Aufnahme in die Traktandenliste. Dieser Antrag wurde jedoch grossmehrheitlich abgelehnt. «Das ist Demokratie, ich akzeptiere das so», sagt Molls dazu.

Die Gemeinde steht hinter der Behörde

Kirchenpräsident Markus Meier weist Mobbing-Vorwürfe zurück. Die Kommunikation sei von Anfang an transparent gewesen. Zudem standen die Kirchbürger an den Versammlungen im Januar wie auch vergangenen Montag hinter der Behörde - und die neusten Entwicklungen in der Causa Wiedemeier scheinen die Entscheide der Behörde zu stützen. Denn was Generalvikar Markus Thürig vermeldet ist dicke Post.

Unüblicherweise habe Wiedemeier das Opfergeld immer selbst in seiner Wohnung verwaltet, wie es im Brief heisst, welcher unserer Zeitung vorliegt. Da Wiedemeier bekanntlich seit Herbst 2017 krankgeschrieben ist, konnte er die Buchhaltung nicht nachführen. «Die Prüfung der Unterlagen ergab, dass 2017 keine Buchhaltung über Ein- und Ausgaben der Kollektenkasse, der Antoniuskasse und der Opferlichtkasse geführt wurde», schreibt Thürig. Wegen fehlender Belege können der Geldfluss und die Verwendung der Ausgaben bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht überprüft werden, heisst es weiter.

«Der Umgang mit dem Opfergeld ist ein sehr wichtiges Thema. Ein fahrlässiger Umgang mit den freiwilligen Spenden ist im Bistum ein schweres Vergehen», sagt Markus Meier, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden. Die Kontrolle über das Opfergeld liege beim Bistum, er erhalte nur den Bericht. Das Fazit der Buchhaltungsprüfung des Generalvikars ist, dass Wiedemeier im Umgang mit dem Opfergeld die Standards und Weisungen des Bistums Basel nicht befolgt habe. Sollte er an einer künftigen Stelle für die Verwaltung kirchlicher Gelder verantwortlich sein, müsse sichergestellt werden, dass dies nach den Standards erfolgt. Im Klartext: Pfarrer Wiedemeier wird nicht mehr mit Opfergeldern hantieren. Das soll künftig immer das Sekretariat übernehmen.

Schlichtungsverfahren steht noch an

Dass hier etwas nicht stimme, zeige der Brief deutlich, meint Meier. Für ihn und die Behörde sei dies auch eine Entlastung. «Den Entscheid, Herrn Wiedemeier freizustellen, war anscheinend richtig. Auch wenn ich von den Unregelmässigkeiten in der Buchhaltung bis am Montag nichts gewusst habe», sagt er. Meier möchte die Akte Wiedemeier endlich abschliessen. Nach sechs Monaten Arbeitsunfähigkeit hat die Behörde dem Pfarrer nun offiziell gekündigt.

Doch gegen die Kündigung hat Wiedemeier Beschwerde beim Kirchenrat eingelegt. Auf Wunsch von Pfarrer Wiedemeier sei nun aber seine eigene Beschwerde in ein Schlichtungsverfahren umgewandelt worden. «Eine Beschwerde würde automatisch eine Untersuchung mit sich ziehen», sagt Meier. Nun gebe es im Juni ein Gespräch, in dem man sich einigen soll – ohne Untersuchung.

Und Pfarrer Josef Wiedemeier? Auf Anfrage wollte er sich nicht äussern. Zu seiner Entlastung steht im Brief des Generalvikars, dass Wiedemeier die Buchhaltung aufgrund seiner Krankheit nicht mehr ausführen konnte.

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