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Bischofszells Kirchenglocken wecken Altstadtbewohner auf – jetzt muss der Stadtrat handeln

Zwei Dutzend Bischofszeller stören sich am Läuten der Kirchenglocken. Nun verlangt der Stadtrat von den Kirchgemeinden Massnahmen.
Georg Stelzner
Blick auf die Bischofszeller Altstadt mit der Stiftskirche St.Pelagius und der evangelischen Johanneskirche. (Bild: Donato Caspari)

Blick auf die Bischofszeller Altstadt mit der Stiftskirche St.Pelagius und der evangelischen Johanneskirche. (Bild: Donato Caspari)

Neu ist die Problematik in der Rosenstadt beileibe nicht. Während sie aber während Jahren quasi unter dem Teppich schwelte, liegt sie jetzt – nach einer von 21 Einwohnern unterzeichneten baurechtlichen Anzeige – auf dem Tisch. Das bedeutet: Der Stadtrat muss handeln.

«Wir sind der Meinung, dass die Kirchenglocken auch nachts läuten sollten, doch als vom Stimmvolk gewählte Behörde sind wir verpflichtet, geltendes Recht umzusetzen», erklärt Stadtpräsident Thomas Weingart.

Vor dem Hintergrund der langen kirchlichen Tradition in Bischofszell komme ein ganztägiges Schweigen der Glocken, wie es auch zur Debatte stand, für den Stadtrat hingegen nicht in Frage.

Aufwendige Abklärungen

Eine vom Stadtrat in Auftrag gegebene Langzeit-Lärmmessung hat ergeben, dass sich das Glockengeläut in der unteren Altstadt «erheblich» bis «sehr stark störend» auswirkt.

«Wir haben uns zunächst geärgert. Dann schien es uns sinnvoll, einen pragmatischen Zugang zu suchen», sagt Thomas Diethelm, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Bischofszell.

In der Praxis bedeutet dies, dass die von den Glocken der Johanneskirche und der Stiftskirche St.Pelagius verursachten Emissionen in der Nacht mehrere sogenannte «Aufwachreaktionen» hervorrufen können.

Tradition versus Zeitgeist

«Not amused» über den Vorstoss der reklamierenden Einwohner sind die Präsidenten der betroffenen Kirchgemeinden. «Wer in die Bischofszeller Altstadt zieht, sollte sich bewusst sein, dass dort Kirchenglocken läuten», gibt Roman Salzmann (Evangelisch-Bischofszell) zu bedenken.

Thomas Diethelm (Katholisch-Bischofszell) erinnert daran, dass in einer jüngst durchgeführten Bevölkerungsumfrage das Glockengeläut von der grossen Mehrheit überhaupt nicht beanstandet wurde. Er bedaure, dass nun eine relativ kleine Anzahl von Einwohnern einen solchen Prozess in Gang gesetzt habe.

Verzicht auf rechtliche Schritte

Beide Kirchenpräsidenten räumen aber ein, dass der Stadtrat aufgrund der Messergebnisse keine andere Wahl hatte, als Massnahmen einzufordern. Seitens der Kirchgemeinden sind denn auch keine rechtlichen Schritte zu erwarten.

«Dem Frieden zuliebe fügen wir uns jetzt. Weitere Zugeständnisse werden wir aber nicht machen», sagt Roman Salzmann, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil.

Der Stadtrat verlangt, dass der nächtliche Glockenschlag und das nächtliche Glockengeläut dermassen zu gestalten sind, dass «keine erhebliche Störung» mehr resultiert. Die Nachtruhe wird auf die Zeit von 23.01 Uhr bis 6 Uhr morgens festgelegt.

Kein Geld für Schalldämmung

Auf bauliche Massnahmen zur Erfüllung der Anforderung werden die beiden Kirchgemeinden aus finanziellen Gründen verzichten. Mit der Stadt Bischofszell wurde eine einvernehmliche Lösung gefunden.

Die Glocken der evangelischen Johanneskirche sollen nachts nur noch zu jeder vollen Stunde, aber in der bisherigen Lautstärke schlagen. Bisher war das alle 15 Minuten, also im Viertelstundentakt, der Fall.

Stille Pelagiuskirche

Einschneidender sind die Konsequenzen für die katholische Kirchgemeinde. Die Glocken der mitten in der unteren Altstadt stehenden Pelagiuskirche werden nachts künftig gar nicht mehr zu hören sein. Das Frühgeläut wird von 6.30 auf 7 Uhr verschoben.

Diethelm schliesst nicht aus, dass Kirchbürger diese Änderungen ablehnen werden. «Die Massnahmen zur Eindämmung der Emissionen würden rund 80'000 Franken kosten und wären somit unverhältnismässig hoch», erklärt der Kirchenpräsident.

Von der neuen Regelung ausgenommen sind hohe kirchliche und staatliche Feiertage. Der Entscheid des Stadtrats ist noch nicht rechtskräftig.

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