BISCHOFSZELL
Weglaufen kann niemand – das ist aber auch nicht nötig: Im «Haus am Städeli» fühlen sich die Bewohner sicher und wohl

Das Personal des Hauses am Städeli hat allen Grund, sich zu freuen. Die Bischofszeller Institution für Menschen, die an Demenz erkrankt sind, kann heuer ihr zehnjähriges Bestehen feiern.

Christof Lampart
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In Feierlaune: Das Personal lässt aus Anlass des 10-Jahr-Jubiläums des Hauses am Städeli Luftballone in den Himmel über Bischofszell steigen.

In Feierlaune: Das Personal lässt aus Anlass des 10-Jahr-Jubiläums des Hauses am Städeli Luftballone in den Himmel über Bischofszell steigen.

Bild: Christof Lampart (Bischofszell, 31. Mai 2021)

Das Haus am Städeli ist ein Wohnheim für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Das Personal versammelte sich am letzten Montag im Mai bei prächtigem Sommerwetter im Garten und liess – unter Mitwirkung von Leo Bär, Institutionsleiter des Seniorenzentrums Sattelbogen – bunte Luftballone in den blauen Himmel steigen.

Eine Frau der ersten Stunde ist die Teamleiterin im Haus am Städeli, Sonja Germann. Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Maria Todorovic leitet sie ein gastliches Haus, in dem der Grundsatz, dass die Sicherheit der anvertrauten Bewohnenden für alle an erster Stelle steht, gilt. Dabei ist Germann etwas besonders wichtig:

«Bei allem, was wir hier tun, steht für uns im Mittelpunkt, dass wir personen- und bedürfnisgerecht handeln, was bedeutet, dass wir unsere Pflege so gut wie möglich dem individuellen Tagesrhythmus der Bewohnerinnen und Bewohner anpassen.»

Unbeschwert und abwechslungsreich

Tatsächlich scheint im Städeli eine leichte Atmosphäre zu herrschen, die sich im unbeschwerten Tun entfaltet. Ein Gast nimmt während des Interviews unbekümmert am gleichen Tisch Platz und wechselt aufmerksam ein paar Worte mit den hier Sitzenden, derweil wenige Meter entfernt eine Dame unter Anleitung Rhabarber im Garten erntet – und übers ganze Gesicht strahlt, als sie mit dem Gemüse wieder das Haus betritt.

Tatsächlich bietet nicht nur die grosse, geschützte Aussenanlage mit ihrem Duftgarten, den Hochbeeten, den verschiedenen Obstbäumen, den Rosen und den beigefügten Elementen Wasser und Feuer Entspannung und Freude. Auch das Innere des Hauses ist so gestaltet, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ein Höchstmass an Bewegungsfreiheit trotz perfekt funktionierendem Schutzkonzept geniessen.

Auf einem Rundgang im Garten: Maria Todorovic, stellvertretende Teamleiterin, Sonja Germann, Teamleiterin im «Haus am Städeli» und Leo Bär, Institutionsleiter im Seniorenzentrum Sattelbogen.

Auf einem Rundgang im Garten: Maria Todorovic, stellvertretende Teamleiterin, Sonja Germann, Teamleiterin im «Haus am Städeli» und Leo Bär, Institutionsleiter im Seniorenzentrum Sattelbogen.

Bild: Christof Lampart (Bischofszell, 31. Mai 2021)

Weglaufen kann hier niemand, für sich allein oder ständig auf Achse sein hingegen schon. Total verfügt das Städeli innen und aussen über 600 Meter an Wegen, sodass dem Bewegungsdrang der Bewohner zur Genüge entsprochen werden kann. Überall finden sich Durchgänge, kleine Nischen zum Verweilen und die Farben des Interieurs sind generell hell und freundlich gehalten, sodass es überall etwas zu sehen, zu bestaunen gibt.

Riesenfreude auf die Rückkehr der Besucher

Hat sich in den letzten zehn Jahren viel verändert? Sonja Germann überlegt kurz und sagt dann:

«Der Pflegeaufwand ist schon grösser geworden, denn früher waren die Bewohnerinnen und Bewohner jünger, als sie bei uns einzogen.»

Umso froher ist das ganze Team, dass es bei seiner täglichen Arbeit aufgrund der aktuellen Lockerungen bei den Pandemie-Schutzbestimmungen nun wieder auf die Mithilfe der «Zugehörigen» zählen kann. So nennt man im Städeli die Verwandten und Freunde der Bewohner, die regelmässig vorbeikommen, um mit ihnen etwas zu unternehmen. Leo Bär sagt:

«Diese Hilfe schätzen wir sehr. Wie sehr die Besucher uns fehlten, haben wir und unsere Bewohner während der Coronapandemie ganz intensiv gemerkt.»

Und gibt es einen Wunsch, den Sonja Germann vielleicht noch auf dem Städeli-Areal gerne realisiert hätte? «Eigentlich ist hier alles top, aber wenn ich mir es recht überlege, wären ein paar Tiere hier, zum Beispiel Geissen, ganz schön und sicher auch für unsere Bewohnerinnen und Bewohner eine Bereicherung.»

Leo Bär hat im Vorjahr die Leitung des Bischofszeller Seniorenzentrums Sattelbogen übernommen.

Leo Bär hat im Vorjahr die Leitung des Bischofszeller Seniorenzentrums Sattelbogen übernommen.

Bild: Reto Martin (Bischofszell, 7. Oktober 2020