BISCHOFSZELL
Die Jahresrechnung der Rosenstadt weist schwarze Zahlen aus: Um eine Million Franken besser als budgetiert

Die Rechnung 2020 schliesst wider Erwarten im Plus ab. Der Gewinn beläuft sich auf rund 324'000 Franken. Der Stadtrat beantragt, diesen Betrag dem Bilanzüberschuss zuzuweisen.

Georg Stelzner
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Pascal Eichmann, Abteilungsleiter Finanzen und Steuern, und Stadtpräsident Thomas Weingart auf dem Trottoir der sanierten Oberen Bisrütistrasse in Bischofszell.

Pascal Eichmann, Abteilungsleiter Finanzen und Steuern, und Stadtpräsident Thomas Weingart auf dem Trottoir der sanierten Oberen Bisrütistrasse in Bischofszell.

Bild: Kevin Roth (Bischofszell, 26. Mai 2021)

Im Fussball würde man von einem Hattrick sprechen: Zum dritten Mal in Folge weist die Jahresrechnung der Stadt Bischofszell schwarze Zahlen aus. Statt des budgetierten Verlusts resultiert ein Gewinn von 323'897 Franken, was gegenüber dem Voranschlag eine Besserstellung im Ausmass von rund einer Million Franken bedeutet.

«Das ist nicht selbstverständlich», stellt Stadtpräsident Thomas Weingart fest und macht drei Faktoren zur Hauptsache dafür verantwortlich: den Verkauf von stadteigenem Bauland (rund 2000 Quadratmeter unweit des Zusammenflusses von Sitter und Thur), die tieferen Sozialhilfekosten sowie die strikte Ausgabendisziplin beim Personal- und Sachaufwand. Auch unerwartet hohe Erträge aus den Anteilen an den Grundstückgewinnsteuern haben laut Weingart zum wesentlich besseren Jahresergebnis beigetragen. Der Stadtpräsident warnt aber auch:

«Das Ergebnis der Stadt ist angesichts der Perspektiven mit Vorsicht zu geniessen. In den nächsten Jahren besteht ein hoher Investitionsbedarf.»

Steuerkraft pro Einwohner unter kantonalem Durchschnitt

Die Steuererträge der natürlichen und juristischen Personen beziffert Pascal Eichmann, Abteilungsleiter Finanzen und Steuern, mit 7,13 Millionen Franken. Hier könne von einer Punktlandung gesprochen werden, habe man die Vorgabe des Budgets damit doch nur um 35'000 Franken verfehlt, sagt Eichmann.

Während sich bei den Einkommens- und Vermögenssteuern inklusive der Quellensteuern eine Mehreinnahme von rund 275'000 Franken eingestellt hat, ist es bei den Gewinn- und Kapitalsteuern von Unternehmen gegenüber dem Budget zu einer Einbusse von 380'000 Franken gekommen. Zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf die Bischofszeller Finanzen sagt Eichmann:

«Corona ist nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Ein Betrag von 60 000 Franken ist direkt auf die Pandemie zurückzuführen.»

Die Steuerkraft pro Einwohner ist im Vorjahr um 133 Franken auf 1733 Franken gesunken und hat damit in etwa wieder das Niveau von 2018 erreicht. «Bischofszell liegt damit unter dem kantonalen Durchschnitt, Anlass zur Sorge besteht aber nicht», erläutert Eichmann.

Bürgerhof: Trendwende führt zu Verlust

Die Rechnung des städtischen Altersheims Bürgerhof war bis kurz vor Jahresende auf gutem Weg, doch die Aussicht auf schwarze Zahlen wurde von der Coronapandemie dann schlagartig zunichtegemacht.

Ausserordentlich viele Todesfälle im dritten Quartal führten in Verbindung mit einem eklatanten Einbruch der Belegungszahlen zu einem Verlust von rund 36'000 Franken, da sich die Personal- und Betriebskosten nicht kurzfristig reduzieren liessen. Immerhin konnte der budgetierte Aufwandüberschuss damit unterboten werden, was der Stadtpräsident angesichts der schwierigen Bedingungen als Erfolg wertet.

Weniger investiert als ursprünglich geplant

Der Blick auf die im Jahr 2020 getätigten Investitionen fördert eine Diskrepanz zu Tage. Waren im Budget noch Nettoausgaben im Umfang von 1,85 Millionen Franken vorgesehen, so beliefen sich die effektiven Investitionen in die öffentliche Infrastruktur gerade noch auf 853'473 Franken. Zurückzuführen sei dies in erster Linie auf die verschobene Innensanierung der Sporthalle Bruggwiesen, erklärt Weingart. Ausserdem habe sich der Investitionsbeitrag an das kantonale Tiefbauamt für die Sanierung der Steigstrasse verzögert.

Zu den noch nicht realisierten Investitionsprojekten gehören neben der erwähnen Hallensanierung die infrastrukturellen Massnahmen auf dem Fussballplatz, der Deckbelag für die Alte Niederbürerstrasse und die Sonnenstrasse, der Ersatz des Regenwasserkanals Grabenstrasse sowie die Sanierung der Steigstrasse.

Mit 208'228 Franken fällt der Ausbau der Oberen Bisrütistrasse bei den im Jahr 2020 getätigten Investitionen am schwersten ins Gewicht, gefolgt von der Sanierung der Hochwasserentlastung Bruggmühle mit 130'416 Franken.

Eigenkapital nimmt nochmals zu

Der erzielte Gewinn von rund 324'000 Franken soll dem Bilanzüberschuss zugewiesen werden, der sich dadurch auf 3,88 Millionen Franken erhöhen würde. Dies wäre, so die Einschätzung des Stadtrates, ein ausreichender Grundstock an finanziellen Reserven, um konjunkturelle Durststrecken überbrücken zu können. Ein solches Polster sei aufgrund der Coronapandemie, die sich auf die Steuererträge der Stadt auswirken werde, von grosser Wichtigkeit.

Gemeindeversammlung: Montag, 7. Juni, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Bitzi.