BISCHOFSZELL
Jede Minute zählt – Stützpunktfeuerwehr Bischofszell erhält neue Defibrillatoren

Eingesetzt werden die acht Geräte der neuesten Generation von der First-Responder-Gruppe, einem achtköpfigen Interventionsteam der Feuerwehr.

Georg Stelzner
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Thomas Inauen, Leiter der First-Responder-Gruppe, nimmt von Adrian Koch, in der Lieferfirma Procamed AG der Spezialist für den Bereich Rettungsdienst, einen neuen gelben Defibrillator entgegen und gibt ein altes schwarzes Exemplar zurück.

Thomas Inauen, Leiter der First-Responder-Gruppe, nimmt von Adrian Koch, in der Lieferfirma Procamed AG der Spezialist für den Bereich Rettungsdienst, einen neuen gelben Defibrillator entgegen und gibt ein altes schwarzes Exemplar zurück.

Bild: Andrea Stalder (Bischofszell, 26. Januar 2021)

So unscheinbar das Gerät in seiner Kompaktheit und seinem schlichten Design ist, so wertvolle Dienste kann es leisten. Erleidet jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand, ist es möglich, die betroffene Person durch den Einsatz des Defibrillators gewissermassen ins Leben zurückzuholen.

Für die First-Responder-Gruppe, ein Interventionsteam der Stützpunktfeuerwehr Bischofszell, ist der Besitz solcher Geräte unverzichtbar. Nun stehen acht Exemplare der neuesten Generation zur Verfügung, je eines pro Teammitglied. Die gut sichtbare Abkürzung AED bedeutet «Automatisierter externer Defibrillator».

Lebensdauer von rund zehn Jahren

«Das alte Modell ist in die Jahre gekommen und hat auch weniger Möglichkeiten geboten», begründet Reto Stadelmann, stellvertretender Leiter der First-Responder-Gruppe, die Neuanschaffung. Er geht davon aus, dass die neuen Geräte der Firma Zoll eine Lebensdauer von etwa einem Jahrzehnt haben werden.

Die Garantie des Herstellers erstreckt sich über sieben Jahre. Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, trainiert die Gruppe den Einsatz des AED gemäss Stadelmann jedes Jahr mehrere Stunden.

Gerät gibt leicht verständliche Anweisungen

Laut Adrian Koch von der Procamed AG in Aadorf, welche die Defibrillatoren geliefert hat, besteht ein wesentlicher Fortschritt darin, dass das neue Gerät dem Anwender auf einem übersichtlichen Display in Bild und Ton präzise Anweisungen gebe, welche Schritte in welcher Reihenfolge erforderlich sind.

So unterstütze der neue, rund 3000 Franken kostende AED zum Beispiel die .Herzdruckmassage mit klar formulierten Befehlen. Ausserdem, so Koch, bestehe die Möglichkeit, den Modus für die Reanimation von Kindern per Knopfdruck zu aktivieren.

Entscheidung über Leben und Tod

Thomas Inauen, Leiter der First-Responder-Gruppe, unterstreicht die einfache Bedienung des Geräts. Dies sei insofern von grosser Bedeutung, als bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand die Zeit der entscheidende Faktor sei. «Pro Minute, in der nicht geholfen wird, reduziert sich die Überlebenschance um zehn Prozent», gibt Thomas Inauen zu bedenken.

Wichtig sei es deshalb, unverzüglich mit der Notrufnummer 144 Kontakt aufzunehmen, damit die First-Responder-Gruppe aufgeboten werden könne. «Vor diesem Schritt scheuen noch immer zu viele Leute zurück», weiss Thomas Inauen.

Auch im Samariterverein im Einsatz

Der AED gehört mittlerweile auch im Samariterverein Bischofszell zur Grundausstattung. Dessen Präsident, Marcel Inauen, verweist auf die angebotenen Kurse: «In diesen lernen die Teilnehmer anhand von Fallbeispielen, wie man einen Herz-Kreislauf-Stillstand erkennt und wie das Gerät einzusetzen ist.» Der Samariterverein hat diese Woche auf eigene Kosten ebenfalls ein neues Gerät in Empfang genommen.

Auch wenn die Bedienung einfach sei, habe die Devise «Übung macht den Meister» hier ebenfalls Gültigkeit, sagt Marcel Inauen. Die Erfahrung zeige zudem, dass manche Leute Angst davor haben, in einem Ernstfall etwas falsch zu machen. Ein Fehler sei es, gar nicht zu helfen, betont der Vereinspräsident.

Zwei öffentliche Defibrillatoren

Marcel Inauen plädiert dafür, dass in jeder Gemeinde mindestens ein öffentlicher Defibrillator vorhanden sein sollte. In Bischofszell gibt es deren zwei: einen unter dem Bogenturm und einen an der Grabenstrasse bei der Fahrschule Widmer.

Ausschlaggebend für die Wahl der beiden Standorte waren nach den Worten von Stadtpräsident Thomas Weingart die Publikumsströme. Dank der Existenz der First-Responder-Gruppe sei diese Anzahl angemessen.

Defibrillatoren halten Einzug

Öffentlich zugängliche Defibrillatoren gehören in der Schweiz noch nicht allzu lange zum Ortsbild. Die Lücken werden nun sukzessive geschlossen. Die Notwendigkeit dieser lebensrettenden Geräte ist bei jährlich 8000 bis 10'000 Fällen von Herz-Kreislauf-Stillstand in der Schweiz unbestritten. Hergestellt werden die auch in Bischofszell zum Einsatz kommenden Defibrillatoren von der Zoll Medical Corporation, deren Hauptsitz sich in Chelmsford (Massachusetts, USA) befindet. Die Generalvertretung in der Schweiz hat die Firma Procamed AG in Aadorf. (st)