BISCHOFSZELL
Grünes Licht für Bibliothek und Ludothek: Umzug vom Sandbänkli zum Hechtplatz nimmt Gestalt an

Die Gemeindeversammlung der Stadt Bischofszell genehmigte den Investitionsbeitrag an den Umzug und den Umbau ohne Gegenstimmen. In einem Jahr sollen die beiden Einrichtungen am neuen Standort den Betrieb aufnehmen.

Georg Stelzner
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Bibliothek und Ludothek sollen in der früheren Denner-Filiale am Hechtplatz untergebracht werden.

Bibliothek und Ludothek sollen in der früheren Denner-Filiale am Hechtplatz untergebracht werden.

Bild: Georg Stelzner, (Bischofszell, 6. Juni 2021)

Die erste Hürde ist genommen. Dem Antrag des Stadtrates, für die Bibliothek und die Ludothek einen einmaligen Anteil von 237'000 Franken an die Umbaukosten am neuen Standort Poststrasse 4/6 sowie wiederkehrende Miet- und Betriebsbeiträge von 24'760 Franken für die Bibliothek und 18'580 Franken für die Ludothek zu leisten, wurde an der Gemeindeversammlung stattgegeben. Alle 134 anwesenden Stimmberechtigten (Beteiligung: 3,8 Prozent) erteilten der Umsetzung des Projekts am Montagabend ihren Segen.

Standort am Hechtplatz erfüllt alle Bedingungen

Stadtrat Jorim Schäfer, zuständig für das Ressort Kultur, Sport und Marktwesen, hatte das Geschäft vorgestellt und auf dessen Dringlichkeit hingewiesen. Die Volksschulgemeinde Bischofszell habe für die Zimmer in der Villa Kundert, in der die Bibliothek seit 1983 untergebracht ist, Eigenbedarf angemeldet. Ein Dutzend Liegenschaften seien im Zuge der Suche nach einem Ersatz in Betracht gezogen worden, deren fünf habe man einer näheren Überprüfung unterzogen.

Die Wahl sei auf die ehemalige Denner-Filiale am Hechtplatz gefallen. Schäfer führte als Gründe die zentrale Lage, die Existenz öffentlicher Parkplätze und die angemessene Höhe der Miete (105 Franken pro Quadratmeter) an. Zudem erfüllten die ebenerdigen Räumlichkeiten die Anforderungen an einen zeitgemässen Betrieb.

Die einmaligen Baukosten bezifferte Schäfer mit rund 350'000 Franken. Dieser Betrag übersteige die finanziellen Möglichkeiten der Trägervereine von Bibliothek und Ludothek, weshalb die Stadt und die Volksschulgemeinde finanzielle Unterstützung gewähren sollten.

Jorim Schäfer stellte als zuständiger Stastrat das Traktandum über den Umzug von Bibliothek und Ludothek vor.

Jorim Schäfer stellte als zuständiger Stastrat das Traktandum über den Umzug von Bibliothek und Ludothek vor.

Bilod: Donato Caspari (Bischofszell, 15. Juli 2020)

Schäfer gab zu bedenken, dass vergleichbare Thurgauer Gemeinden wesentlich höhere jährliche Beträge an solche Einrichtungen leisteten und die Nachbargemeinden Hauptwil-Gottshaus, Hohentannen und Zihlschlacht-Sitterdorf eingewilligt hätten, ihre jährlichen Beiträge an die Bibliothek auf insgesamt rund 5600 Franken zu erhöhen.

Stadt verfügt über keine geeignete Räume

Der Zustimmung zum Investitionsbeitrag der Stadt erwuchs zwar keine grundsätzliche Opposition, Fragen und Anregungen aus den Reihen der Versammlungsteilnehmer gab es aber sehr wohl. So wollte ein Bürger angesichts der zu entrichtenden Raummiete wissen, weshalb die Bibliothek und die Ludothek denn nicht in einer städtischen Liegenschaft untergebracht werden. Die Antwort von Stadtpräsident Thomas Weingart war so kurz wie unmissverständlich:

«Weil es eine solche im Moment nicht gibt.»

Die Option Schloss am Hofplatz habe sich zerschlagen, weil die Technischen Gemeindebetriebe vorerst doch nicht ausziehen würden, und ein Standortort an der Peripherie komme nicht in Frage. Dem Vorschlag, das Mietverhältnis allenfalls über die vereinbarten 15 Jahre per Option zu verlängern, konnte Weingart etwas abgewinnen. «Wir werden das in die Verhandlungen mit dem Vermieter einbringen», versicherte der Stadtpräsident.

Die zweite Hürde hat das Umzugs- und Umbauprojekt am Donnerstag, 10. Juni, zu nehmen. Dann entscheidet die Volksschulgemeinde Bischofszell an ihrer Versammlung in Hauptwil, ob sie dieser mit der Stadt getroffenen Lösung zustimmen möchte. Ein doppeltes Ja ist für die Realisierung des Vorhabens zwingend notwendig. Der Zeitplan sähe vor, die Detailplanung im Herbst in Angriff zu nehmen und die Bibliothek und Ludothek spätestens nach Ostern 2022 zu eröffnen.

Einhelliges Ja zur Jahresrechnung der Stadt

Die Rechnung 2020 der Stadt Bischofszell mit einem Gewinn von 323'897 Franken und Nettoinvestitionen von 853'473 Franken warf an der Gemeindeversammlung keine hohen Wellen. Die Besserstellung gegenüber dem Budget beträgt rund eine Million Franken. Stadtpräsident Thomas Weingart nannte als Hauptursachen für den positiven Abschluss die strikte Ausgabendisziplin bei den Personal- und Sachaufwendungen, die tieferen Sozialhilfekosten und den Erlös aus dem Verkauf von städtischem Bauland. Die in den letzten drei Jahren erzielten Gewinne seien mit Vorsicht zu geniessen, warnte Weingart, beruhten sie doch nicht zuletzt auf dem Verkauf von Liegenschaften. Die Stadt besitze momentan zwei Dutzend Liegenschaften und habe die Verpflichtung, diese gut zu erhalten. Der entsprechende Investitionsbedarf beträgt laut Weingart in den nächsten zwei Jahrzehnten stolze 25 Millionen Franken. Der Stadtpräsident machte angesichts dessen klar, dass sich Bischofszell keine Luxusprojekte leisten könne, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren müsse. Möglich seien allenfalls punktuelle Verbesserungen der Infrastruktur. Die Gemeindeversammlung genehmigte die Jahresrechnung ohne Gegenstimmen und erklärte sich auch damit einverstanden, den Gewinn dem Bilanzüberschuss zuzuweisen. (st)