BISCHOFSZELL
«Es war ein riesiger Schock» - Heiraten in Zeiten von Corona wird zur Nervenprobe

Das Coronavirus hat die Heiratspläne vieler Paare vorerst platzen lassen. Dies bekommt auch Caroline Inauen von der «Hochzeitsvilla» in Bischofszell zu spüren.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Merken
Drucken
Teilen
Caroline Inauen, Inhaberin des Braut- und Festtagsmodegeschäfts Hochzeitsvilla in Bischofszell.

Caroline Inauen, Inhaberin des Braut- und Festtagsmodegeschäfts Hochzeitsvilla in Bischofszell.

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer (Bischofszell, Februar 2021)

Eigentlich will der schönste Tag im Leben ausführlich geplant sein. Doch die Coronapandemie durchkreuzt seit einem Jahr so manchen Hochzeitsplan. Daran hängt aber nicht nur das Glück von angehenden Brautpaaren, sondern auch ein ganzer Wirtschaftszweig.

«Heiraten in Coronazeiten ist zu einer Herausforderung geworden. Es braucht viel Geduld und Durchhaltevermögen - nicht nur für die Brautpaare. Die ganze Hochzeits- und Eventbranche ist hart von den Massnahmen betroffen», sagt Caroline Inauen, Inhaberin des Braut- und Festtagsmodegeschäftes Hochzeitsvilla in Bischofszell.

Markanter Rückgang im Jahr 2020

Im Jahr 2019 konnten Caroline Inauen und ihr Team zwischen 40 bis 50 Hochzeitspaare bedienen, im vergangenen Jahr waren es gerade mal 15. Während des aktuellen Shutdowns, der nun sechs Wochen gedauert hat, konnte die Brautpaar-Ausstatterin nach telefonischer Vereinbarung nur ein Abendkleid für eine standesamtliche Trauung verkaufen. Wie die Hochzeitsfeste zukünftig aussehen werden, steht in den Sternen.

Caroline Inauen wird den 16. März 2020 bestimmt nie vergessen. «Es ist für mich ein riesiger Schock gewesen, als der Bundesrat damals einen Lockdown verkündet hatte.» Die vergangenen Monate seien für sie eine finanzielle Durststrecke gewesen. Für zahlreiche Dienstleister in der Hochzeits- und Eventbranche sei durch die Pandemie eine existenzbedrohende Situation entstanden.

«Viele Brautpaare, die im vergangenen Jahr heiraten wollten, mussten ihre Hochzeitsfeier aufgrund des Versammlungsverbots absagen oder verschieben», sagt sie. Caroline Inauen bekommt nun vom Bund eine kleine Corona-Härtefallentschädigung. Doch diese decke keinesfalls die Fixkosten, gibt die Geschäftsfrau zu bedenken.

Mit dem Frühling kommt die Zuversicht

Die gelernte Modeberaterin ist deshalb sehr dankbar, dass sie auf das Verständnis des Vermieters ihrer Geschäftsräumlichkeiten zählen darf. Normalerweise seien Januar und Februar die begehrtesten Monate fürs Hochzeitsmode-Shopping, doch dieses Jahr ging gar nichts.

Caroline Inauen: «Heiratswillige Paare müssen in Coronazeiten flexibel sein. Auf Massnahmen und Verordnungen von Bund und Kanton muss oftmals sehr rasch reagiert werden.»

Trotz schwieriger Zeiten – von Verbitterung ist nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Caroline Inauen schaut zuversichtlich in die Zukunft. «Ab kommendem Montag, 1. März, darf ich mein Geschäft wieder öffnen und Leute bedienen. Und an diesem Tag habe ich bereits die ersten Beratungstermine», erklärt sie sichtlich erfreut.

Brautkleider können auch gemietet werden

In der «Hochzeitsvilla» stehen etwa 200 Brautkleider und ebenso viele Abendkleider zur Auswahl. Das teuerste Brautkleid kostet rund 2000 Franken, günstigere sind unter 1000 Franken erhältlich. Hochzeitskleider können aber auch gemietet werden. «Es liegt mir viel daran, Paare zu unterstützen, die nur über ein kleineres Budget verfügen», sagt Caroline Inauen.

Früher sind bestimmte Datumskombinationen zum Heiraten beliebter als andere gewesen. Dies sei zu Coronazeiten wohl weniger der Fall, meint Caroline Inauen und lacht. Standesämter und Locations seien gerade jetzt schnell ausgebucht.

Zeitenwende: Virus mischt bei Planung mit

Wie auch immer – die Hochzeit soll der schönste Tag im Leben bleiben. «Die Paare sollen ihren Hochzeitstag möglichst nach ihren Vorstellungen gestalten», erzählt Caroline Inauen und ergänzt: «Man muss aber auch akzeptieren, dass es nun halt anders ist als früher.»

Dieses Virus müsse zwangsläufig integriert werden. Trotzdem sollten sich die Paare nicht die Freude an der Hochzeitsplanung nehmen lassen. Die Pandemie habe den Zusammenhalt gestärkt, Familie und Freunde seien dadurch noch viel wichtiger geworden, meint die Brautpaar-Ausstatterin.

Heiraten ist nur in kleinem Rahmen möglich

Gemäss Auskunft von Claudia Berner, Abteilungsleiterin Zilvilstandswesen beim Amt für Handelsregister und Zivilstandswesen in Frauenfeld, gab es im Kanton Thurgau im Jahr 2019 insgesamt 1281 Eheschliessungen sowie neun eingetragene Partnerschaften.

Im Jahr 2020 waren es nur unwesentlich weniger – nämlich 1192 Eheschliessungen und elf eingetragene Partnerschaften. Geheiratet wurde im vergangenen Pandemiejahr aber nur im kleinen Rahmen.

Weitere Information über das Fachgeschäft im Internet unter www.hochzeitsvilla.ch