BISCHOFSZELL

«Es reizt mich, etwas Neues aufzubauen» – Daniel Bernet leitet die Fachstelle Gesellschaft und Gesundheit

Das Tätigkeitsfeld für den 38-jährigen neuen Fachstellenleiter ist gross. Es umfasst so verschiedene Themenbereiche wie Alter, Kind und Familie, Freiwilligenarbeit, Integration und Jugend.

Georg Stelzner
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Daniel Bernet, Leiter der Fachstelle Gesellschaft und Gesundheit, im Obergeschoss des Jugendtreffs am Bleicherweg in Bischofszell.

Daniel Bernet, Leiter der Fachstelle Gesellschaft und Gesundheit, im Obergeschoss des Jugendtreffs am Bleicherweg in Bischofszell.

Bild: Reto Martin (Bischofszell, 7. Januar 2021)

«Ich habe eine neue Herausforderung gesucht», sagt Daniel Bernet auf die Frage, weshalb er sich für die Stelle in Bischofszell beworben habe. Das klingt nach einer Standardantwort; die meisten neuen Stelleninhaber argumentieren so.

Daniel Bernets Auskunft läuft aber nicht Gefahr, angezweifelt zu werden. Zu deutlich wird die Motivation im Gespräch spürbar. «Es reizt mich, in Bischofszell etwas Neues aufzubauen», sagt Bernet.

Zuvor in Rorschach, Rorschacherberg und St.Gallen

Bevor er im September 2020 Leiter der Fachstelle Gesellschaft und Gesundheit wurde, war der 38-Jährige für die Jugendarbeit in Rorschach und Rorschacherberg sowie für eine Time-out-Klasse in St.Gallen tätig.

Er sei froh, sich jetzt auf eine einzige Aufgabe konzentrieren zu können und nur noch einen Arbeitgeber zu haben. Die Tätigkeit an drei verschiedenen Orten habe viel Energie und Zeit gekostet. «Das Pendeln war extrem anspruchsvoll», räumt Bernet ein.

Die Leitung der Fachstelle Gesellschaft und Gesundheit nimmt er mit einem 80-Prozent-Pensum wahr. Die Palette der Themen ist breit, was bedeutet, dass sie anforderungsreich, aber auch interessant ist. Sie deckt so unterschiedliche Bereiche wie Alter, Kind und Familie, Integration, Freiwilligenarbeit und Jugend ab. Die Themenvielfalt hat denn auch Bernets Aufmerksamkeit geweckt.

Grundlagen für erfolgreiche Arbeit vorhanden

Ohne grosse Erwartungen in die Rosenstadt gekommen, hat sich der Nachfolger von Ramona Spring an seiner neuen Arbeitsstelle gut eingelebt. Inzwischen hat er die Stadt, die wichtigsten Kontaktpersonen im Stadtrat sowie in der Stadt- und Schulverwaltung kennengelernt.

«Ich habe mich hier schnell zurechtgefunden. Mir wird jene Unterstützung zuteil, die ich für meine Arbeit brauche», sagt Bernet erfreut.

Bernet schätzt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und das Wohlwollen, das ihm entgegengebracht wird. Die Grundlagen für eine erfolgreiche Arbeit sind seiner Meinung nach vorhanden. Bernet weiss um die Vielzahl an Aufgaben. Gerade deshalb erachtet er es als sinnvoll, Prioritäten zu setzen. Zu Beginn möchte er den Fokus auf die Neukonzipierung der Jugendarbeit sowie auf die Themen Frühförderung und Integration legen.

Jugendtreff mit Top-Infrastruktur

Seit seinem Stellenantritt hatte Bernet hinreichend Gelegenheit, sich ein Bild über den Betrieb im Jugendtreff und über dessen Besucher zu machen. Von der Einrichtung am Bleicherweg zeigt er sich beeindruckt. Bernet zögert nicht, diesbezüglich das Prädikat «top» zu verwenden.

Einen positiven Eindruck hat der Leiter auch von den Jugendlichen selbst. Ihnen stellt Bernet, der aufgrund seiner bisherigen beruflichen Laufbahn Vergleichsmöglichkeiten hat, ein sehr gutes Zeugnis aus: «Ich erlebe sie als respektvolle und höfliche junge Menschen.»

Unterschiedliche Vorstellungen feststellbar

Der Treff am Bleicherweg wird laut Bernet mehrheitlich von ausländischen, männlichen Jugendlichen aufgesucht, doch sei das Verhältnis doch ausgewogener als an anderen Orten. Probleme, die auf die Nationalität der Besucher zurückzuführen wären, gibt es laut Bernet nicht.

Auffallend sei jedoch die unterschiedliche Auffassung, wie die Zeit im Jugendtreff gestaltet werden soll. Jugendliche mit
Migrationshintergrund würden bereits das blosse Beisammensein geniessen, während die Schweizer in dieser Hinsicht aktiver seien. Um den Anteil der Mädchen zu erhöhen, müsste man ein spezifisches Angebot schaffen, meint er.

Die Coronapandemie hat sich auf die Besucherfrequenz im Jugendtreff gemäss Bernet bisher nicht negativ ausgewirkt. Es müssen natürlich die gängigen Schutzmassnahmen eingehalten werden. Bis 13. Januar war eine Schliessung kein Thema.

Jugendliche sollen Initiative zeigen

Den Jugendlichen möchte Bernet auf Augenhöhe begegnen. Ihnen etwas einzureden oder gar aufzuzwingen, davon hält er nichts. Stattdessen wolle er Impulse verleihen und im Rahmen des Möglichen und Sinnvollen Unterstützung bieten. Die Initiativen sollten jedoch stets von den Jugendlichen ausgehen.

Aus eigener Erfahrung weiss Daniel Bernet:

«Als Jugendarbeiter muss man auch
mal beide Augen zudrücken können
und bereit sein, eine zweite oder
dritte Chance zu gewähren.»

An seine eigene Jugend erinnert sich Bernet gerne. Nicht zuletzt deshalb, weil es eine Zeit gewesen sei, in der man sich als Jugendlicher noch mehr erlauben konnte. Jetzt würde jedes kleine Fehlverhalten gleich sanktioniert, stellt Bernet fest. Und so kommt er zum Schluss: «Mit den heutigen Jugendlichen würde ich nicht tauschen wollen.»

Aktuelle Öffnungszeiten des Jugendtreffs am Bleicherweg 6 in Bischofszell: Mittwoch, 14 bis 18 Uhr; Freitag, 15 bis 19 Uhr. Es gilt die Maskenpflicht.

Zur Person

Daniel Bernet wurde am 2. März 1982 geboren. Er wuchs in Wildhaus und in Gümligen in der Berner Gemeinde Muri auf. An den Besuch der Sekundarschule in St.Gallen schloss sich eine KV-Ausbildung in einem Reisebüro an. Zudem ist Bernet Absolvent der Berufsmittelschule. Nach einer dreijährigen Tätigkeit für eine Versicherung und diversen Auslandaufenthalten studierte er in Bremen Gesellschaftswissenschaften. Im Jahr 2012 kehrte Bernet in die Schweiz zurück. Er wohnt mit seiner Partnerin in Herisau. (st)