BISCHOFSZELL
Die Volksschulgemeinde schreibt rote Zahlen: Die Situation ist aber weniger schlimm als erwartet

Die Rechnung 2020 der Volksschulgemeinde Bischofszell schliesst im erwarteten Minus ab. Der Verlust fällt jedoch um 43'000 Franken weniger hoch aus als budgetiert. Er soll dem Eigenkapital belastet werden.

Georg Stelzner
Merken
Drucken
Teilen
Das umgebaute und sanierte Primarschulhaus in Sitterdorf.

Das umgebaute und sanierte Primarschulhaus in Sitterdorf.

Bild: Donato Caspari (Sitterdorf, 7. Juni 2021)

Der Verlust, den die Erfolgsrechnung der Volksschulgemeinde Bischofszell ausweist, erreicht mit rund 857'200 Franken eine Höhe, die aufhorchen lässt. Soweit die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht besteht darin, dass der Aufwandüberschuss nicht ganz so hoch ausfällt, wie man aufgrund des Budgets hatte befürchten müssen. Der Voranschlag rechnete nämlich mit einem Minus von 900'000 Franken. So gesehen darf von einer Punktlandung gesprochen werden.

«Der Verlust soll dem zweckfreien Eigenkapital belastet werden», sagt Schulpräsidentin Corinna Pasche-Strasser. Dieses würde sich damit auf 4,158 Millionen Franken reduzieren. Erklärt sich die Gemeindeversammlung mit diesem Vorgehen einverstanden, dann sinkt die Eigenkapitalquote um 2,7 Prozentpunkte. Für Corinna Pasche-Strasse kein Grund zur Sorge:

«Eine Eigenkapitalquote von 21,5 Prozent ist in jeden Fall noch ausreichend.»

Steuerertrag hat Erwartungen übertroffen

Positiv auf die Rechnung ausgewirkt haben sich in erster Linie die höheren Erträge bei den Steuern natürlicher Personen (+ 1,1 Millionen Franken) und bei den Grundstückgewinnsteuern (+ 160'000 Franken).

Weniger hoch als erhofft waren die Steuereinnahmen von den juristischen Personen; hier wurde der budgetierte Wert um 600'000 Franken verfehlt. Insgesamt wurden aber rund 460'000 Franken mehr an Steuergeldern eingenommen als budgetiert. Der Beitrag im Rahmen des kantonalen Finanzausgleichs fiel hingegen um 400'000 Franken geringer aus als erwartet.

Während beim Personalaufwand, der gut drei Viertel des gesamten Aufwands ausmacht, das Budget um rund 357'000 Franken überschritten wurde, entsprachen die Ausgaben für den Sach- und Betriebsaufwand nach Auskunft der Schulpräsidentin ziemlich genau dem Voranschlag, obwohl die Coronapandemie zusätzliche Kosten verursacht hatte.

Leichter Anstieg der Verschuldung

Corinna Pasche-Strasser begründet die Abweichung beim Personalaufwand mit einer personellen Aufstockung in der Verwaltung sowie mit der Notwendigkeit, zahlreiche Vertretungen finanzieren zu müssen. Ausserdem sei das Pensum für die ICT aufgestockt worden, um die anfallenden Aufgaben als Folge der im Jahr 2019 getätigten Investitionen bewältigen zu können.

Corinna Pasche-Strasser, Präsidentin der Volksschulgemeinde Bischofszell.

Corinna Pasche-Strasser, Präsidentin der Volksschulgemeinde Bischofszell.

Bild: Andrea Stalder (Bischofszell, 9. Februar 2021)

Die im Jahr 2020 getätigten Nettoinvestitionen stehen mit 1,25 Millionen Franken zu Buche. Das ist rund drei Mal so viel wie budgetiert. Für Abschreibungen wurden 929'000 Franken aufgewendet, was einem Anteil von knapp 4 Prozent des Gesamtaufwandes entspricht.

Die Nettoverschuldung ist binnen Jahresfrist geringfügig von 566 auf 628 Franken pro Einwohner angestiegen, wobei dieser Wert aber immer noch als «kleine Verschuldung» gilt. Die Schulpräsidentin beurteilt das Finanzjahr 2020 denn auch positiv:

«In Anbetracht der schwierigen Umstände können wir zufrieden sein. Insgesamt hat die Volksschulgemeinde Bischofszell die Coronakrise bisher gut gemeistert.»

Unter- und Überschreitung von Krediten

Unterschiedlich präsentieren sich zwei Bauabrechnungen. Während bei der Errichtung des Zihlschlachter Kindergartens der Kredit um 62'000 Franken unterschritten wurde, ergab sich beim Umbau des Sitterdorfer Primarschulhauses eine Kreditüberschreitung von gut 14 Prozent. Der an der Urne am 10. Februar 2019 bewilligte Investitionskredit hatte auf 1,09 Millionen Franken gelautet.

Als Gründe nennt die Schulpräsidentin diverse Arbeiten, die im Kostenvoranschlag nicht enthalten waren: die komplette Ersetzung der sanitären Leitungen, die Erweiterung der Akustikdecken auf weitere Räume und die Sanierung des Schulhofbrunnens. Ins Gewicht gefallen seien aber auch der Asbestuntersuch und die anschliessende Sanierung sowie weiterführende Brandschutzmassnahmen und Honorare für Fachplaner.

Gemeindeversammlung: Donnerstag, 10. Juni, 20 Uhr; Mehrzweckhalle in Hauptwil.

Investitionsbeitrag und Bauabrechnungen

Die Bibliothek und die Ludothek sollen von der Villa Kundert in das ehemalige Denner-Ladenlokal am Hechtplatz umziehen, da die Volksschulgemeinde für die Räumlichkeiten im Sandbänkli Eigenbedarf angemeldet hat. An den daraus resultierenden Kosten sollen sich die Stadt und die Volksschulgemeinde Bischofszell beteiligen. Die Schulbehörde beantragt an der Gemeindeversammlung, für die Bibliothek einen einmaligen Anteil von 113'300 Franken an die nötigen Umbaukosten sowie wiederkehrende Miet- und Betriebsbeiträge von jährlich 24’760 Franken zu leisten. «Bibliothek und Ludothek leisten seit Jahren einen wichtigen Beitrag an das Zusammenleben in der Stadt», heisst es in der Begründung des Antrags. Die Bibliothek unterstütze mit ihre ausgebildeten Personal die Sprach- und Leseförderung von Kindern und Jugendlichen und sei eine Spezialistin in der Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz.