BISCHOFSZELL
Regionale Tierkörpersammelstelle wird saniert

An der Einrichtung sind Gemeinden aus den Kantonen Thurgau und
St. Gallen beteiligt. Die Sanierungsarbeiten, die am 25. Februar in Angriff genommen werden, betreffen vor allem den Wasch- und Kühlraum der Anlage.

Georg Stelzner
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Betriebsleiter Marcel Richner und Stadträtin Pascale Fässler im Waschraum der Tierkörpersammelstelle in Bischofszell.

Betriebsleiter Marcel Richner und Stadträtin Pascale Fässler im Waschraum der Tierkörpersammelstelle in Bischofszell.

Bild: Andrea Stalder (Bischofszell, 16. Februar 2021)

Es gibt Orte, die im Normalfall gemieden werden. Man sucht sie nur auf, wenn es gar nicht anders geht. Einen solchen Ort gibt es auch in Bischofszell. Es ist die Regionale Tierkörpersammelstelle an der Gihlstrasse. Die 2010 eröffnete Anlage befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Abwasserreinigungslage, fernab von Wohnsiedlungen, Schulhäusern und Sportplätzen.

Sie wird täglich in Anspruch genommen und weist nach rund zehnjähriger Betriebsdauer diverse Abnützungserscheinungen auf. «Die Notwendigkeit einer Sanierung hat sich schon seit geraumer Zeit abgezeichnet», sagt Pascale Fässler, die für das Ressort «Umwelt, Landschaft, Landwirtschaft» zuständige Bischofszeller Stadträtin.

Vor allem der Kühl- und Waschraum betroffen

Das Sanierungsprojekt betrifft im Innern des Gebäudes den Kühl- und Waschraum, wo die Böden neu beschichtet und die Wände neu abgedichtet werden müssen. Im Aussenbereich gilt es, die Rampe wieder in einen tadellosen Zustand zu versetzen. Sie hat an der Vorderseite sichtbare Schäden am Beton und benötigt ebenfalls eine neue Bodenbeschichtung.

Die erste Sanierungsetappe dauert vom Donnerstag, 25. Februar, bis Dienstag, 9. März. Abgeschlossen werden die Arbeiten dann in einem zweiten Schritt im April. Laut Pascale Fässler belaufen sich die Sanierungskosten, an denen sich die angeschlossenen Gemeinden anteilmässig beteiligen, auf rund 40'000 Franken.

Keine Arbeit wie jede andere

So speziell die Einrichtung als solche ist, so speziell sind auch die Anforderungen an den Betriebsleiter. Marcel Richner ist seit gut zwei Jahren mit dieser Aufgabe betraut und hat wohl den ungewöhnlichsten Job aller städtischen Angestellten.

Der regelmässige Umgang mit Kadavern, die auch sehr gross sein können, ist nicht jedermanns Sache. Je nachdem, was mit einem Tier passiert ist, bietet sich kein schöner Anblick. Dazu kommen auch oft Geruchsemissionen, die einem empfindlichen Magen nicht zuträglich sind. So war die Stadt Bischofszell froh, eine geeignete Person für diese Stelle gefunden zu haben.

Das Gebäude der Tierkörpersammelstelle an der Gihlstrasse.

Das Gebäude der Tierkörpersammelstelle an der Gihlstrasse.

Bild: Andrea Stalder

Vor seiner Zusage habe er sich die Anlage angesehen, sagt Richner, der dank seiner Ausbildung als Landwirt mit der Aufgabenstellung keinerlei Probleme hat. Gleichwohl lässt er es nicht an Sensibilität vermissen. «Wenn ich sehe, dass jemand traurig ist und es fast nicht übers Herz bringt, sich von einem geliebten Tier zu trennen, bin ich bereit, Beistand zu leisten, sofern das gewünscht wird», sagt Richner. Im Hochsommer steige die Zahl toter Nutztiere. Auch ein extremer Wetterwechsel setze ihnen zu, weiss der Betriebsleiter.

Vorübergehend andere Öffnungszeiten

Die Tierkörpersammelstelle verfügt über eine frei zugängliche Klappe mit Einwurfmöglichkeit. Hier können rund um die Uhr tote Tiere mit einem Höchstgewicht von 50 Kilogramm abgegeben werden können. Dreimal wöchentlich – am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 11.15 bis 11.45 Uhr – ist der Betriebsleiter persönlich anwesend.

Während der ersten Sanierungsetappe muss diese Regelung vorübergehend ausser Kraft gesetzt werden. Das bedeutet, dass sich die Annahme von Montag bis Samstag auf die Zeit von 9.30 bis 11.45 Uhr beschränkt. Der 24-Stunden-Einwurf steht während der Arbeiten nicht zur Verfügung und sonntags ist die Anlage geschlossen.

Kontakt für Notfälle: Telefon 077 480 50 25

Neun Gemeinden in zwei Kantonen

Die Regionale Tierkörpersammelstelle steht Einwohnern aus der Stadt Bischofszell, aus den Thurgauer Gemeinden Erlen, Hauptwil-Gottshaus, Hohentannen, Kradolf-Schönenberg und Zihlschlacht-Sitterdorf sowie aus den St.Galler Gemeinden Häggenschwil, Muolen und Waldkirch zur Verfügung. 2019 wurden Kadaver mit einem Gesamtgewicht von 284'100 Kilogramm abgeliefert, im Jahr 2006 sogar 358 Tonnen. Der Anteil der Nutztiere beläuft sich auf 80 bis 85 Prozent. Die Kadaver werden von der Firma TMF Extraktionswerk AG regelmässig mit Lastwagen abgeholt, nach Bazenheid transportiert und dort verarbeitet. (st)