BISCHOFSZELL
Corona versteht keinen Spass: Veranstalter ziehen die Reissleine

Die aktuelle Entwicklung veranlasst die Situ-Narren, den Bischofszeller Fasnachtsumzug abzusagen. Er hätte am 5. März stattfinden sollen. Die fehlende Planungssicherheit nach dem Auftreten der Omikron-Variante hat zu diesem Entscheid geführt.

Georg Stelzner
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Am 9. März 2019 fand in Bischofszell bislang zum letzten Mal ein Fasnachtsumzug statt.

Am 9. März 2019 fand in Bischofszell bislang zum letzten Mal ein Fasnachtsumzug statt.

Bild: Reto Martin

Für die Situ-Narren und ihren Präsidenten Markus Fäh sind nicht aller guten, sondern aller schlechten Dinge drei. Bereits zum dritten Mal in Folge fällt der grosse Umzug, der absolute Höhepunkt der Bischofszeller Fasnacht, der Coronapandemie zum Opfer. Markus Fäh, der langjährige Präsident, sagt:

«Der Entscheid im Vereinsvorstand ist einstimmig getroffen worden.»

Dabei war man im Herbst noch optimistisch, den beliebten Anlass in der Altstadt erstmals seit 2019 wieder durchführen zu können.

Das Auftauchen der Omikron-Variante habe der Zuversicht dann jedoch den Garaus gemacht, erklärt Fäh. Damit habe sich das Blatt gewendet. «Wir als Veranstalter und auch die Umzugsteilnehmer brauchen Planungssicherheit. Eine solche ist unter den gegebenen Umständen aber nicht möglich», argumentiert der Präsident der Situ-Narren.

Organisatorischer Aufwand wäre viel zu gross

Theoretisch wäre eine Durchführung vielleicht sogar möglich gewesen - vorausgesetzt, die erforderlichen Bewilligungen wären von den zuständigen Instanzen erteilt worden. Doch: Die in einem Sicherheitskonzept definierten Massnahmen hätten laut Fäh unverhältnismässige Ausmasse angenommen. So hätte man beispielsweise bei jedem Zugang zur Umzugsroute einen Kontrollposten errichten müssen, um die Coronazertifikate überprüfen zu können. «Wir sind gerade mal zwölf Leute und wären gar nicht in der Lage, eine solche Anforderung zu erfüllen», führt Fäh aus.

Finanzieller Schaden erwächst den Situ-Narren durch die neuerliche Absage nicht. Die während des Umzugs jeweils verkauften Plaketten, welche die Funktion eines Eintrittsbilletts haben, seien zeitlos und könnten immer verwendet werden. Die aufwendigere, teurere Variante der Plakette, quasi ein Sammlerstück für Fans, habe man nicht mehr in Auftrag gegeben. Da sich die meisten Gruppen erfahrungsgemäss ohnehin erst kurz vor dem Umzug anzumelden pflegen, bleibt den Organisatoren zumindest in dieser Hinsicht Ungemach weitgehend erspart. Fix angemeldet hätten sich bis dato erst zwei Guggenmusiken, sagt Fäh.

Neustart wird ein schwieriges Unterfangen

Doch wie sieht die Zukunft des Bischofszeller Fasnachtsumzugs aus? Wird es eine solche überhaupt geben? Der Präsident der Situ-Narren möchte dafür nicht die Hand ins Feuer legen. Er befürchtet, dass sich ein Gewöhnungseffekt einstellen könnte, wenn man die Meinung vertrete, es gehe ja auch ohne Fasnachtsumzug. Zudem könnten schon jetzt Auflösungstendenzen bei diversen Guggenmusiken festgestellt werden. Fäh macht sich nichts vor:

«Es wird schwierig sein, die Begeisterung nach dem mehrjährigen Unterbruch neu zu entfachen.»

Nichtsdestotrotz setzt er die Hoffnung auf das nächste Jahr. Ohne Fasnacht fehle doch etwas im Städtli, findet der Vereinspräsident und meint damit nicht nur den eigenen Anlass, denn auch die Kornhallen-Fasnacht des FC Bischofszell findet heuer nicht statt.

Fasnachtszeitung erscheint im Februar

Die «Giftsprütze», das gleichermassen gefürchtete wie beliebte Zentralorgan der Bischofszeller Narren, trotzt der Coronapandemie und erscheint heuer in einer Auflage von 1000 Exemplaren zum bereits 36. Mal. «Der Inhalt ist nicht coronalastig. Wir haben genug anderen Stoff gefunden», sagt Markus Fäh, der Präsident der Situ-Narren. Aufgrund der jüngsten Entwicklung seien jedoch einige Anpassungen in der Agenda notwendig geworden. Die «Giftsprütze» ist ab Mittwoch, 9. Februar, erhältlich. Hauptverkaufsstellen sind die Dropa Drogerie, die Landi und der «Königsbeck». Zusätzlich gibt es den Strassenverkauf durch die Schuljugend. (st)

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