Birwinken feiert gleich fünfmal Neujahr in den Dörfern

In Birwinken können die Einwohner in jedem Dorf auf das neue Jahr anstossen. Eine gemeinsame Feier wollen die Dorfvereine nicht.

Mario Testa
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Die Andwiler treffen sich am Neujahrsapéro jeweils im Wald zu Gerstensuppe und Glühwein.

Die Andwiler treffen sich am Neujahrsapéro jeweils im Wald zu Gerstensuppe und Glühwein.

(Bild: PD)

Am Neujahrstag zweimal und am 2. Januar gleich dreimal können die Einwohner der Gemeinde Birwinken auf ein gutes neues Jahr anstossen. In jedem der Dörfer der Landgemeinde führt der jeweilige Dorfverein ein Neujahrsapéro durch. «Das hat Tradition, deshalb belassen wir es auch gerne so», sagt Gemeindepräsident Peter Stern.

«Wir haben glücklicherweise in jedem Dorf einen Dorfverein. Ich finde es schön, dass sie alle ein Apéro zu Neujahr veranstalten.»

So habe es über die ganze Gemeinde gesehen sicher mehr Leute an den Feiern, als wenn die Gemeinde eine zentrale veranstalten würde.

Aus Ortsgemeinden werden Dörfer mit Dorfvereinen

Auslöser für die vielen Dorfvereine und die damit einhergehenden fünf Neujahrsapéros war der Zusammenschluss der damaligen fünf Ortsgemeinden Andwil, Birwinken, Happerswil-Buch, Klarsreuti und Mattwil zur Politischen Gemeinde Birwinken im Jahr 1995. «Quasi als Nachfolgeorganisation der Ortsgemeinden hat man die Dorfvereine gegründet. So bewahrt jedes Dorf seine Eigenständigkeit, zumindest in diesem Bereich», sagt Christian Senn, Präsident des Dorfvereins Birwinken.

«Untereinander haben die Dorfvereine relativ wenig Kontakt.»

Den Reigen der Neujahrsapéros eröffnet Happerswil, kurz vor Mittag des ersten Tages im neuen Jahr. «Der Dorfverein offeriert Getränke und Glühwein, dazu ein paar Snacks. Es wird geplaudert und angestossen», sagt Jakob Niederer, Präsident des Dorfvereins Happerswil.

Dieses Programm sei schon lange so, neu sei dieses Jahr jedoch der Ort der Veranstaltung. «Bis jetzt waren wir immer am gleichen Ort im Wald. Aber dort ist’s nun nicht mehr günstig, weil sich der Baumbestand verändert hat. Deshalb treffen wir uns beim alten Schulhaus.» Es kämen jeweils etwa 20 Personen zum Apéro. Nicht viele, aber sicher mehr, als wenn sie zu einem zentralen Neujahrsapéro der Gemeinde eingeladen würden, meint Niederer.

«Der Zusammenhalt unter den Einwohnern ist besser, wenn es eine kleinere Gruppe ist. Man kennt sich, es ist familiär.»

Ebenfalls am Neujahrstag findet in Mattwil ein Apéro statt. «Seit ein paar Jahren treffen wir uns immer auf dem Bankplatz. Es kommen jeweils etwa 60 bis 90 Personen», sagt Daniel Breitenmoser, Präsident des Dorfvereins Mattwil. Auch er findet es gut, dass die Dörfer alle für sich das neue Jahr einläuten.

«Die Gemeinde ist, geografisch gesehen, ziemlich verzettelt. So haben die Leute kurze Wege zu den Neujahrsapéros. Ein Zusammenzug der Feiern wäre aus meiner Sicht ein Verlust.»

Neuzuzüger laden ein und stellen sich vor

Am 2. Januar geht der Apéro-Reigen in Birwinken weiter. Über Mittag trifft man sich dort im Musigschöpfli. «Wir haben kein Restaurant mehr im Dorf, da passt das Schöpfli sehr gut. Es kommen jeweils etwa 30 Leute, darunter auch solche, die nicht Mitglied im Dorfverein sind», sagt Präsident Christian Senn.

Gleichentags feiert auch Klarsreuti. «Das ist jeweils einfach irgendwo in einer Stube. Manchmal sind es Neuzugezogene, die zu sich nach Hause einladen und sich so auch gleich vorstellen», sagt Martina Marti, Präsidentin des Dorfvereins Klarsreuti. «Wir sind ein so kleines Dorf, dass wir das nicht publizieren, sondern die Einwohner direkt per E-Mail oder Brief einladen.»

Treffen am Feuer im Wald

Den Abschluss der Neujahrsapéros in der Gemeinde Birwinken macht Andwil am Nachmittag des Berchtoldstages. «Wir treffen uns bei gutem Wetter jeweils draussen im Wald. Ansonsten bei jemandem zu Hause in einer Garage», sagt Dorfvereinspräsidentin Evelyn Cotting. Es kämen etwa 50 Personen an den Apéro. «Es gibt jeweils Gerstensuppe, Glühwein und Punsch.»

Auch Cotting findet die Feiern in den Dörfern, anstelle einer zentralen in der Gemeinde gut. «Für das andere haben wir ja den 1. August. Da wird jedes Jahr rotiert von einem Dorf zum nächsten und es trifft sich die ganze Gemeinde zur gemeinsamen Feier.»

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