Bilder zweier Herren in Kreuzlingen

Kurt Lauer malt seit fünfzig Jahren – und jetzt hat er den verstorbenen Philipp Trautmann weitergemalt. Eine spannende Schau im Kreuzlinger Dreispitz zeigt Verwandtschaften und Gegensätze.

Dieter Langhart
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Kurt Lauer, Künstler und Musiker, posiert vor zwei Werken in der Ausstellung Trautmann/Lauer. (Bild: Andrea Stalder)

Kurt Lauer, Künstler und Musiker, posiert vor zwei Werken in der Ausstellung Trautmann/Lauer. (Bild: Andrea Stalder)

Kurz vor der Vernissage. Die Bilder hängen, alles ist bereit für die Besucher. Zeit für ein Gespräch über Kunst und Musik. Kurt Lauer deutet verschmitzt auf das letzte Bild. Rechts unten steht sein Name, daneben 28.8.18, die Farbe ist kaum trocken. «Ich bin ein Frühaufsteher», sagt Kurt Lauer. Er erzählt von den vierzig Jahren, die seine Band besteht, und schwenkt nahtlos zu Ado Trautmann, Hausverwalter in der Villa Raichle, wo sich sein Atelier befindet.

Zwei Mitteilungen habe er für ihn, sagte Trautmann eines Tages, eine schlechte und eine gute. Sein Sohn Philipp sei gestorben, erst vierundvierzig, ob Kurt etwas aus dem Nachlass wolle.

Schlechtes Gewissen, als er Trautmann übermalte

Kurt Lauer wusste vom Maler Philipp Trautmann, der einige Jahre Bilder in der Villa gelagert hatte, aber persönlich hatte er ihn nicht gekannt. Er nahm dankend an, fuhr nach Zürich, suchte sich Malutensilien und Bilder aus. «Ich hatte einen Riesenrespekt vor Philipp Trautmann», sagt er, «ich staunte, wie gekonnt und spontan er Figuren erfasste.» Kurt Lauer liebt die alten Meister, respektiert sie sehr, auch wenn er anders malt, sich aber jeder stilistischen Einordnung wiedersetzt und stattdessen von Lauerismus spricht.

Während Philipp Trautmanns Bilder expressiv waren und oft an Kirchner oder Macke erinnern, malt Kurt Lauer gewissermassen hörbare und fühlbare Kompositionen. Hatte er den Mut, Trautmanns Leinwände zu übermalen, ihn weiterzudenken? «Ja, aber ich hatte ein schlechtes Gewissen dabei.» Er sei manchmal an Trautmann aufgelaufen, aber er sei zufrieden: «Etwas Sehenswertes ist entstanden.»

Die Ausstellung im Dreispitz hat die Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen gemeinsam mit der Familie Trautmann und mit Kurt Lauer konzipiert. Wer die Treppe hochsteigt, trifft erst auf achtzehn Werke Trautmanns, dann auf achtzehn Lauer. Aber in den ersten vier schimmert Trautmann deutlich durch, sie hat Lauer weitergemalt: frei, spontan, aus dem Bauch heraus.

Wie hat Vater Trautmann reagiert? «Verhalten, weder positiv noch negativ», sagt Kurt Lauer. Er habe einfach geschätzt, dass Lauer das Material brauchen konnte. Und Lauer hat einige von Trautmanns Bildern behalten, «die besten».

Blick in die Ausstellung Trautmann/Lauer im Dreispitz. (Bild: Dieter Langhart)

Blick in die Ausstellung Trautmann/Lauer im Dreispitz. (Bild: Dieter Langhart)

«Auch ein abstraktes Bild braucht ein Gesicht»

«Ich bin als Bub von meiner Mutter mit Büchern gefüttert worden, hatte immer Papier und Farbstifte zur Hand», sagt er. Er mochte Picasso, Miró, Dalí, das Moderne, war «immer fürs Morgen, nicht fürs Gestern». Er zeigt auf sein jüngstes Bild. «Das beste, das ich je gemalt habe.» Aber stehenbleiben – nie. «Ich will nicht die Kunst neu erfinden, ich will im Jetzt sein, genau wie in der Musik.» Ein Bild, auch ein abstraktes, brauche ein Gesicht, sei eine Persönlichkeit.

Kurt Lauer verfolgt seinen Weg, unbeirrt von jenen, die ihn einen bunten Hund nennen. Als ihn einst zwei Holländer unter Vertrag nehmen wollten und sagten, er dürfe ab jetzt nicht mehr so malen, sagte Kurt Lauer ab.

Ausstellung Trautmann/Lauer: Dreispitz Kreuzlingen, Do/Fr 17–20, Sa 11–14 Uhr Finissage So, 23.9., 11 Uhr.