Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Bezirksgericht Arbon verurteilt werdenden Vater zu 56 Monaten Haft

Über 30 Straftaten werden einem heute 27-jährigen Schweizer zur Last gelegt. Das Bezirksgericht Arbon hat ihn zu einer Haftstrafe verurteilt. Diese hat er dank vorzeitigem Strafvollzug in wenigen Wochen abgesessen.
Christof Lampart
Noch einige Wochen muss der Verurteilte im Massnahmenzentrum Kalchrain verbringen. Dann hat er seine Strafe abgesessen. (Bild: Nana do Carmo, 21. Juli 2009)

Noch einige Wochen muss der Verurteilte im Massnahmenzentrum Kalchrain verbringen. Dann hat er seine Strafe abgesessen. (Bild: Nana do Carmo, 21. Juli 2009)

Der 27-jährige Schweizer lächelt, derweil er seiner hochschwangeren Freundin die Hand hält. Wenn er redet, so tut er dies laut und seine Stimme klingt freundlich und selbstbewusst. Und so äussert er sich auch. Er sei froh, dass nun endlich alles zumindest vor Gericht zu Ende sei, erklärte er, während sich das Gericht Ende letzter Woche zur Urteilsfindung zurückgezogen hatte.

Strafe führte zur Resozialisierung

Er habe, so erklärte der gegenwärtige Hilfsgärtner und angehende Landwirt, die letzte Chance gepackt, die ihm der Rechtsstaat eingeräumt hatte, als er im Januar 2015 den vorzeitigen Vollzug im Massnahmenzentrum Kalchrain antrat. Dort nutzte er die seither dreieinhalbjährige Verbüssung der Strafe, um ein anderer Mensch zu werden. Er konsumiert keine Drogen mehr, ist auf dem Weg, eine Lehre als Landwirt abzuschliessen, pflegt seit zwei Jahren eine feste Beziehung und arbeitet heute als Hilfsgärtner im freien Vollzug.

«Tagsüber bin ich draussen bei der Arbeit und muss am Abend einfach zurück sein. Ausserdem werde ich regelmässig auf Drogen getestet». Ansonsten führe er jetzt schon ein normales Leben. Auch Zukunftspläne hat er: «Ich möchte später als Landwirt einen eigenen Hof haben; am liebsten mit Braunvieh.»

Garantiert die letzte Chance

Dass er die Kurve noch im letzten Moment gekriegt zu haben scheint, attestierte ihm auch die Richterin. Sie machte ihn der Urteilsbegründung jedoch unmissverständlich klar, dass dies garantiert seine letzte Chance sei, um sein Leben von Grund auf neu zu starten.

Tatsächlich legte die Anklage dem Beschuldigten für den Zeitraum zwischen April 2010 und Oktober 2014 über 30 Straftaten zur Last. Diese umfassten die mehrfache Gefährdung des Lebens, Diebstahl, banden- und ­gewerbemässiger Diebstahl, Hehlerei, Hausfriedensbruch, mehrfache Hinderung einer Amtshandlung, Irreführung der Rechtspflege, mehrfache Wiederhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfache Verletzung der Verkehrsregeln, Fahren in fahrunfähigem Zustand, mehrfache Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, mehrfaches Fahren ohne Führer- und Fahrzeugausweises, mehrfacher Missbrauch von Ausweisen und Schildern sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz.

«Die Strafe ist relativ niedrig»

Zwar wurden drei Verkehrsdelikte wegen Verjährung aus der Anklage gestrichen, doch die Liste der Verfehlungen, so die Richterin, sei immer noch so lang, dass «die Strafe relativ tief ist, wenn man anschaut, was der Beschuldigte sich insgesamt geleistet hat. Die Delikte sind keine Peanuts, insbesondere, wenn man weiss, was hätte passieren können, wenn jemand mit 160 Stundenkilometern innerorts fährt. Sie hatten grosses Glück: wäre dabei jemand verletzt oder gar getötet worden, so würden wir jetzt hier über etwas ganz anderes diskutieren.»

Auch wenn die Sozialprognose günstig sei, so sei der gegenwärtige, gute Lebenswandel absolut kein Freischein für zukünftige Gesetzesübertretungen. «Sie können sich in Zukunft absolut nichts mehr leisten. Wenn die jetzt getroffene Massnahme nicht klappt, kommen sie nicht mehr so milde davon», ermahnte die Richterin den jungen Mann. Alles in allem sei die Strafe aufgrund der langen Falldauer, der Tatsache, dass einige der Vorwürfe bereits verjährt seien und der günstigen Sozialprognose jedoch «angemessen», so die Richterin.

Ein hoher Schuldenberg bleibt

Da der nun Verurteilten bereits seit Januar 2015 im vorzei­tigen Strafvollzug einsass – die Freiheitsstrafe wurde in eine Massnahme für junge Erwachsene in fester Kombination mit einer ambulanten Massnahme umgewandelt – und zwischen Mai 2010 und Januar 2015 insgesamt 167 Tage in Untersuchungshaft verbrachte, wird er die Strafe in wenigen Wochen abgesessen haben. «Ich freue mich darauf, mit meiner Familie ein neues Leben beginnen zu können», erklärte er in einer Verhandlungspause.

Dass er die dunkle Zeit seines Lebens jedoch nicht so schnell vergessen wird, dafür dürfte auch ein Schuldenberg sorgen. Denn nebst den Untersuchungs- und Verfahrungskosten von über 36100 Franken muss er, falls er wieder zu genügend Geld kommen sollte, auch damit rechnen, dass der Staat die rund 26000 Franken wieder bei ihm eintreibt, die sein amtlicher Verteidiger kostete.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.