Bettagsfeier in Arbon: Regierungspräsident Walter Schönholzer glaubt an die Chance in der Krise

Die Bettagsfeier fand unter dem Motto «In Gottes Hand geborgen» statt. Stadtpräsident Dominik Diezi und Regierungspräsident Walter Schönholzer waren die Festredner.

Christof Lampart
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Regierungspräsident Walter Schönholzer

Regierungspräsident Walter Schönholzer

Bild: Christof Lampart

Die politische Arboner Bettagsfeier wird jährlich von bekennenden Christen aller Arboner Parteien in der evangelischen Kirche organisiert. Das Motto «In Gottes Hand geborgen» spielte auf das bekannte Gedicht des deutschen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer «Von guten Mächten wunderbar geborgen» an, der im April 1945 auf den direkten Befehl Hitlers wenige Wochen vor Kriegsende gehängt wurde.

Als Festredner konnten Regierungsratspräsident Walter Schönholzer und Arbons Stadtpräsident Dominik Diezi gewonnen werden. Auch wohnte mit Grossratspräsident Norbert Senn der höchste Thurgauer dem festlichen Begehen des staatlich angeordneten Feiertages bei. Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch die Jugendmusik Arbon unter der Leitung von Thomas Gmünder.

Die Krise kann eine Chance sein

Das Coronavirus habe allen zu schaffen gemacht. Aber das rasche Handeln des Bundes, verbunden mit den hervorragend funktionierenden Sozialwerken, habe gezeigt, dass «wir die Finanzen und die Fähigkeiten haben, um uns gegenseitig zu unterstützen und zu tragen», sagte Schönholzer. In vielen Ländern sei die gelebte Solidarität nicht so ausgeprägt gewesen. «Wenn wir in einigen Jahren auf die Coronakrise zurückblicken, dann hoffe ich», so Schönholzer, «dass wir dann die Krise auch als genutzte Chance erkennen.»

«Wir hatten und haben mehr Zeit für unsere Familie und lernten wieder ein bisschen demütiger durchs Leben zu gehen, indem wir anderen halfen, die unsere Hilfe brauchten.»

Für Arbons Stadtpräsident Diezi führt das Corona-Virus nach wie vor deutlich vor Augen, wie verletzlich der Mensch ist und dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Über die Frage, warum Gott Leid zulasse, seien zwar schon ganze Bibliotheken gefüllt worden, doch gebe es darauf keine universell gültige Antwort.

Für Diezi ist sonnenklar, dass das Leiden zum Leben gehöre – auch wenn grosse Teile der Gesellschaft diesen Gedanken an den Rand des kollektiven Bewusstseins verdränge. «In Gottes Hand geborgen zu sein, heisst nicht, dass das Leben ein Wellnessaufenthalt ist. Aber auch in den schwersten Prüfungen glauben wir Gläubigen daran, dass Gott uns nicht mehr zumutet, als dass wir wirklich tragen können», sagt Diezi.