Betreiber fürsorgerisch untergebracht: Fischsterben in Balterswil

Das Thurgauer Veterinäramt schliesst eine Fischzucht mit etwa vier Tonnen Speisefischen. Die meisten Tiere müssen getötet werden. Der Firmenbesitzer ist in einer Einrichtung untergebracht.

Silvan Meile
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Technisch kompliziert: In einer ehemaligen Fabrikhalle wurden tropische Speisefische in Bassins gezüchtet. (Bild: Reto Martin, 24. Februar 2016)

Technisch kompliziert: In einer ehemaligen Fabrikhalle wurden tropische Speisefische in Bassins gezüchtet. (Bild: Reto Martin, 24. Februar 2016)

Tod durch Stromschlag. Am Montag haben Thurgauer Behörden in einer Fischzucht in Balterswil die Lichter gelöscht. «Weil die tierschutzkonforme Betreuung der Tiere nicht mehr gewährleistet war, musste das Veterinäramt eine Fischzucht mit drei bis vier Tonnen Tieren auflösen», sagt Walter Hofstetter vom Informationsdienst des Kantons Thurgau. Die meisten Fische hätten getötet werden müssen. Ihre Qualität habe nicht genügt, um sie innerhalb nützlicher Frist für einen Verzehr durch Menschen aufzubereiten. «Nach umfangreichen amtlichen Abklärungen mit Experten und potenziellen Abnehmern von Speisefischen musste der Entscheid gefällt werden, die Fischzucht aufzulösen.» Hinter diesem Entscheid verbirgt sich das persönliche Schicksal des Fischzuchtbesitzers.

Der Besitzer wurde fürsorglich untergebracht

Vor etwa vier Jahren hat ein Australier mit einem Geschäftspartner im alten Fabrikgebäude im Hinterthurgau eine Fischzucht eingerichtet. In zwölf Bassins züchteten sie im Nebenerwerb exotische Speisefische. Um den Fischen in der Halle und den Becken in Balterswil tropische Temperaturen zu ermöglichen, konnte auf die Fernwärme der Sägerei im Dorf zurückgegriffen werden. Als besonders ökologische Fischzucht priesen die Betreiber ihr Geschäftsmodell an. Gar von einer Symbiose aus Fisch- und Pflanzenzucht war die Rede, angelehnt an einen natürlichen Kreislauf. Die von den Fischen ausgeschiedenen Schadstoffe dienten beispielsweise den Pflanzen in der Halle als Dünger.

Alles in allem eine komplizierte technische Anlage, sagt Hofstetter. Doch plötzlich war das Tierwohl nicht mehr gewährleistet. Denn der im Kanton Zürich wohnhafte Fischzüchter bekam Probleme und befindet sich deshalb in einer Einrichtung. «Der Betreiber der Indoor-Fischzuchtanlage musste fürsorgerisch untergebracht werden», schreibt der Kanton Thurgau in einer Mitteilung. Die Kantonspolizei Zürich habe die Thurgauer Behörden am 31. Oktober darüber informiert. Unverzüglich sei das Veterinäramt eingeschritten, sagt Hofstetter, weil dadurch eine einwandfreie Tierbetreuung nicht mehr gewährleistet war. Denn nach der fürsorglichen Unterbringung des Fischzuchtbesitzers schaute niemand mehr nach den Tieren. Der einstige Geschäftspartner hat den Betrieb schon vorher verlassen. Deshalb zog das Veterinäramt schliesslich die Notbremse und ordnete die Schliessung des Betriebs an.

Einige Fische im Zoo verfüttert, andere entsorgt

Ein kleiner Teil der Tiere konnte in anderen Fischzuchten untergebracht werden, sagt Hofstetter. Der grösste Teil der Fische mussten jedoch getötet werden. Einige davon seien in zwei Zoos gebracht worden. Dort werden sie an Tiere verfüttert. «Die restlichen Fische des Zuchtbetriebs wurden fachgerecht entsorgt», schreibt der Kanton. Bei den Fischen handle es sich um die exotischen Fischarten Barramundi und Tilapia, die hauptsächlich in Australien und Afrika vorkommen.