Beim Umbau des Kornhauses in Romanshorn ist das Gröbste geschafft: Bauherr Peter Schnückel straft seine Kritiker Lügen

Alle Lofts beziehungsweise Appartements sind verkauft. Peter Schnückel hat zudem einen Restaurantbetreiber an Bord geholt, die Baubewilligung für die Ferienwohnungen erhalten und eine Alternative zum Schweizer Spielmuseum gefunden, das nun doch keinen Zweigbetrieb in der Hafenstadt eröffnet.

Markus Schoch
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Peter Schnückel im Eingangsbereich des Erdgeschosses.

Peter Schnückel im Eingangsbereich des Erdgeschosses.

Reto Martin
  • Das ehemalige Lagerhaus der SBB mit Baujahr 1871 steht seit vielen Jahren weitgehend leer. Es gab immer wieder Anläufe für eine Umnutzung, die aber alle scheiterten. So erhielt beispielsweise 2003 die Harbour Vision AG die Baubewilligung für 35 Loft-Wohnungen. Das Projekt wurde aber nie realisiert.
  • Seit 2015 gehört das riesige Gebäude direkt am Romanshorner Hafen der Kornhaus Romanshorn AG, die es seit Februar 2018 für 42 Millionen Franken umbaut. 
  • Bauherr Peter Schnückel musste viele Widerstände überwinden: Er hat in Eigenregie alle zwölf Loftwohnungen sowie die 38 Business-Appartements verkauft. Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant, einen Weinladen, einen Saal, Ausstellungsflächen sowie Ferienwohnungen.
  • Ende August sollen die Wohnungen bezugsbereit sein. Der Eröffnungstermin für den Betrieb im Erdgeschoss steht noch nicht fest.  

Peter Schnückel fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Haut als Leiter eines 42-Millionen-Projektes, das er von A bis Z selber entwickelt hat. Der Wirtschaftsinformatiker mit Doktortitel trägt einen weissen Helm, eine gelbe Weste, feste braune Schuhe und isst im Stehen mit den Handwerkern eine Bratwurst in der Sonne am Hafen.

Alle sind glücklich an diesem Tag. Die rund 80 Männer vom Bau, weil sie von Schnückel verköstigt werden, der einmal im Monat einen Metzger mit einem mobilen Imbissstand für sie kommen lässt.

Einfahrt zur Tiefgarage.

Einfahrt zur Tiefgarage.

Reto Martin

Und Schnückel ist guter Laune, weil es vorwärts geht und das Gröbste geschafft ist. Das Untergeschoss mit Tiefgarage, Technikräumen und Kellerabteilen ist dicht und mit 230 Mikropfählen fest im Boden verankert, so dass das massive Gebäude nicht aufschwimmen kann, wenn das Wasser von unten drückt.

Die Rückwand ist komplett neu

Neu aufgebaut ist mittlerweile auch die gesamte Rückwand, die schmucklos und provisorisch war, weil die SBB einst planten, das Lagerhaus gegen Süden zu erweitern. Es gibt jetzt Fenster, und die Fassade ist isoliert. «Mehr geht nicht», sagt Bauherren-Vertreter Eric Christinger.

Die Rückwand ist komplett neu aufgebaut worden und hat jetzt Fenster.

Die Rückwand ist komplett neu aufgebaut worden und hat jetzt Fenster.

Reto Martin

Auch übers Dach mit drei mal drei Metern grossen Oberlichtern für die Lofts geht künftig kaum mehr Wärme verloren. Alt sein werden dort neben den Mauern und Dachlatten einzig die Ziegel, die derzeit auf Paletten im Keller lagern. «Es ist jetzt alles nur noch Fleissarbeit», sagt Schnückel. Was nicht heisst, dass die Bauarbeiter nun leichtes Spiel hätten, wie er nur zu gut weiss. «In diesem Gebäude ist nichts gerade.»

Vor bald zwei Jahren hat Schnückel mit dem Umbau des riesigen Kornhauses mit 12'199 Quadratmetern Geschossfläche begonnen. Viele hatten ihm vorausgesagt, er werde scheitern - so wie die Vorgänger. Die Banken wollten Schnückel kein Geld geben und er fand keine Immobilienfirma, die ihm die zwölf exklusiven Loft-Wohnungen unter dem Dach mit bis zu 318 Quadratmetern Fläche und die 38 Business-Appartements im ersten Obergeschoss vermarkten wollte. «Das funktioniert hier in Romanshorn nicht, sagte man mir», erinnert sich Schnückel.

Riesige Oberlichter geben den Blick frei aufs Hafengelände.

Riesige Oberlichter geben den Blick frei aufs Hafengelände.

Reto Martin

Also nahm er die Sache selber an die Hand und schaffte das, was niemand für möglich gehalten hatte: Er verkaufte alle Objekte selber. «Alle Verträge sind im Grundbuch eingetragen.» Die Eigentümer kommen aus der ganzen Deutschschweiz. «Erst ganz am Schluss hatten wir auch Interessenten aus der Region», sagt Schnückel.

Viel Platz für Wechsel- und Dauerausstellungen

Auch für die rund 3'300 Quadratmeter im Parterre fand Schnückel eine Lösung, was ihm allerdings einiges Kopfzerbrechen bereitet hatte, weil es nicht so lief, wie er es sich vorgestellt hatte. Die Stadt schrieb ihm vor, dass das Erdgeschoss öffentlich zugänglich sein muss. Zuerst sah es so aus, als würde das Schweizer Spielmuseum mit Sitz in der Westschweiz einen Zweigbetrieb in Romanshorn eröffnen. Doch die Betreiber wären nur an den Bodensee gekommen, wenn ihnen die Hafenstadt finanziell den roten Teppich ausgerollt hätte, was die Verantwortlichen im Gemeindehaus an der Bahnhofstrasse nicht taten.

Ein Innenhof bringt Licht in die Wohnungen.

Ein Innenhof bringt Licht in die Wohnungen.

Reto Martin

Schnückel hilft sich auch hier selber. Er will künftig auf einer unterteilbaren Fläche von 1'400 Quadratmetern Wechsel- und Dauerausstellungen im Kornhaus zeigen - bis zu drei gleichzeitig. Dass dieses Konzept funktionieren kann, haben ihm die Erfahrungen dieses Jahr im Tagungs- und Veranstaltungszentrum Milchwerk in Radolfzell gezeigt. Dort organisierte Schnückel mit einer spezialisierten Firma aus Berlin das Multimedia-Spektakel «Von Monet bis Kandinsky». «Wir hatten in drei Monaten 10000 Besucher», sagt Schnückel.

Pano führt das Restaurant

Einen passenden Partner gefunden hat er für die Gastronomie. Die Pano-Kette aus Deutschland mit mittlerweile über einem Dutzend Filialen - unter anderem in Konstanz - wird im Kornhaus ein Restaurant mit leichten Speisen und insgesamt gegen 250 Sitzplätzen drinnen und draussen eröffnen. Der Clou ist gemäss Schnückel die so genannte «Kornkammer», bestehend aus einem riesigen Holztisch auf einer Zwischenebene mit Blick aufs Wasser, gedacht für feuchtfröhliche Stunden. Optisch, aber nicht betrieblich Teil der Erlebnis-Gastronomie ist eine Weinbar des Biowein-Pioniers Delinat, der unter anderem bereits in St. Gallen ein so genanntes Depot mit dem gesamten Sortiment führt.

Auf einer Zwischenebene entsteht die künftige «Kornkammer».

Auf einer Zwischenebene entsteht die künftige «Kornkammer».

Reto Martin

Der Saal mit Platz für 280 (Konzertbestuhlung) beziehungsweise 120 Personen (Bankett) ist ein separates Geschäftsfeld. Wer ihn für Hochzeiten oder ähnliches nutzen möchte, lässt sich das Essen von einem Caterer liefern. «So hat jeder freie Wahl», sagt Schnückel. Das Pano liefert exklusiv die Getränke und übernimmt den Service. Er habe bereits erste Reservierungen für den Festsaal.

Die Bewilligung für die Ferienwohnungen ist da

Mittlerweile bewilligt sind die sechs Ferienwohnungen auf zwei Etagen in der südöstlichen Ecke des Kornhauses direkt am Yachthafen. Vermietet werden sie an Touristen, Wassersportler und Gäste des Festsaals.

Bis Ende August sollen die Wohnungen in den beiden Obergeschossen bezugsbereit an die Eigentümer übergeben werden. «Ob bis dahin im Parterre ebenfalls alles fertig ist, steht noch in den Sternen», sagt Schnückel.

Blick auf die Wandelhalle beim Zugang von hinten.

Blick auf die Wandelhalle beim Zugang von hinten.

Reto Martin

Er sieht aber schon alles vor seinem geistigen Auge: Die offene Wandelhalle vor dem westlichen und östlichen Eingang, die riesigen Glasfronten dahinter und die gläsernen Kubusse an der Decke, in dem er und seine Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben werden. Das Kornhaus wird das letztes grosses berufliche Abenteuer von Schnückel sein. «Ich will das Glück nicht herausfordern.»