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Beim Campingplatz Leutswil lässt die Sitter das Herz von Geologen höher schlagen

Seit kurzem haben auch interessierte Laien die Möglichkeit, sich mit geologischen Phänomenen zu befassen. Eine Infotafel am Flussufer und ein Faltprospekt leisten dabei wertvolle Dienste.
Georg Stelzner
Raimund Hipp (Geograf), Heidi Grau (Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf), Heinz Zehnder (Platzwart Campingclub) und Henry Naef (Geologe) finden am Ufer der Sitter interessante Steine. (Bild: Georg Stelzner)

Raimund Hipp (Geograf), Heidi Grau (Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf), Heinz Zehnder (Platzwart Campingclub) und Henry Naef (Geologe) finden am Ufer der Sitter interessante Steine. (Bild: Georg Stelzner)

Das mit unterschiedlichen Steinen übersäte Sitterufer bei Leutswil mag auf den ersten Blick nichts Besonderes sein. Aus geologischer Sicht ist es das aber sehr wohl, wie Raimund Hipp betont. «Es gibt in der Schweiz, ja in ganz Europa, nur wenige Orte, die mit einer solchen Vielfalt an Steinen aufwarten können», betont der Geograf.

Campinplatz war zu nahe am Fluss

Gemeinsam mit Henry Naef, Oskar Keller und Marius Büchi hat er einen Faltprospekt realisiert, der auf allgemein verständliche Art die geologischen Verhältnisse beim Leutswiler Campingplatz erklärt. «Unser Ziel ist es, Verständnis für die Geologie zu wecken, indem wir Grundwissen vermitteln», erklärt Hipp. Dazu dient neben dem Flyer auch eine Infotafel am Flussufer.

«Am Beispiel der Sitterschlaufe kann sehr gut aufgezeigt werden, wie Steine von einem Fluss transportiert werden», sagt der Geologe Naef. Heidi Grau, Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf, gibt zu bedenken, dass alles auch ganz anders hätte kommen können.

Um die Camper vor Hochwasser zu schützen, sei einst ein Damm thematisiert worden. Ein solcher Wall wäre nicht nur sehr teuer gewesen, sondern hätte auch die Sicht auf die Sitter und den geologisch interessanten Prallhang am linken Flussufer stark eingeschränkt.

Laut Hipp handelte es sich um einen Interessenkonflikt zwischen Wasserbau und Landschaftsschutz. Den Verantwortlichen beider Bereiche sei es gelungen, gemeinsam eine Lösung ohne bauliche Massnahmen zu entwickeln.

Dynamik des Flusses nicht beeinträchtigt

Heidi Grau ist froh, dass der Landschaftsschutz doch schwerer gewichtet wurde und es möglich war, aus der Not eine Tugend zu machen. Sie spricht von einem Projekt, das nach Einschätzung des Bundes sogar Vorzeigecharakter habe. Die Gemeindepräsidentin dankt besonders jenem Landbesitzer, der dem Campingclub Grund verkauft hat, damit der Campingplatz an einen sicheren Ort verlegt werden konnte.

Die gewählte Variante hat zur Folge, dass die Dynamik des Flusses aufrechterhalten wird, was mit einem gewissen Risiko verbunden ist. So kann die Erosion dazu führen, dass Steinplatten im Prallhang destabilisiert werden und irgendwann abbrechen. Eine Tafel warnt daher vor dieser Gefahr. Niemand müsse sich aber Sorgen machen, sagt Henry Naef. «Der Prallhang wird periodisch von Fachleuten überwacht.»

Der Faltprospekt "Die Sitter bei Lütschwil" ist bei der Gemeindeverwaltung an der Bernhauserstrasse 5 in Zihlschlacht erhältlich.

Drei Prozesse laufen gleichzeitig ab

Flüsse transportieren Gestein aus den Gebirgen in die Ozeane. Auch die Sitter ist Teil dieses Förderbandes, das Kies, Sand und feine Schwebefracht aus den Vor- alpen via Thur und Rhein in die Nordsee transportiert. Über Millionen von Jahren werden so ganze Gebirge abgetragen.

An der Sitter lassen sich im Kleinen die Prozesse der Flussdynamik (Erosion, Transport und Ablagerung) beobachten und verstehen. Seit dem Abschmelzen der eiszeitlichen Vorlandgletscher vor rund 18000 Jahren fliesst die Sitter im heutigen Kastental. Sie hat sich dabei rund 50 Meter in die umliegende, von den Gletschern geformte Landschaftsoberfläche eingeschnitten.

An der Felswand am linken Sitterufer hat die Erosion des Flusses die Festgesteine des Untergrunds aufgeschlossen, welche als Molasse bezeichnet werden. Diese Sedimentgesteine wurden vor rund 12 bis 15 Millionen Jahren als Schlamm, Sand und Kies im Vorland der entstehenden Alpen abgelagert.

Die Sitter formt ihren Lauf im Wesentlichen durch drei Prozesse: Abtragung von Gestein, Transport von Gestein und Ablagerung von Gestein. Beim Standort der Geotop-Tafel sind alle drei Prozesse gleichzeitig aktiv, wenn auch an verschiedenen Stellen im Flussbett. (red)

Zitiert aus dem Faltprospekt «Die Sitter bei Lütschwil».

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