Beim Berufswahlnachmittag in Amriswil bleiben keine Fragen offen

Sekundarstufenschüler der Grenzstrasse schnuppern beim Gewerbe. Der Nachmittag aus der Sicht einer Schülerin.

Eva Wenaweser
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Alma Asanoska erkundigt sich im Infoheft über den Beruf Fachfrau Betreuung. (Bild: Eva Wenaweser)

Alma Asanoska erkundigt sich im Infoheft über den Beruf Fachfrau Betreuung. (Bild: Eva Wenaweser)

Alma Asanoska sitzt bereits wartend vor der Schulzimmertür. Die rote Winterjacke liegt über ihren Beinen. Neben ihr steht ein Schulrucksack. Sie lächelt bei der Begrüssung und macht einen freundlichen und aufgeschlossenen Eindruck. Die 13-Jährige mit mazedonischen Wurzeln besucht die zweite Klasse der Sekundarschule Grenzstrasse und hat mit weiteren Klassenkameradinnen die Gelegenheit, an diesem Donnerstagnachmittag einen Blick in die Berufswelt zu werfen.

Bereits eine Woche zuvor führte die Sekundarschule Grenzstrasse in Zusammenarbeit mit dem Amriswiler Gewerbe und der Industrie einen sogenannten Berufswahlnachmittag durch. Aufgeregt erzählt Alma Asanoska vom Dienstag letzter Woche, als sie sich die Berufe der Pharma- und Dentalassistentin anschauen konnte. Dieses Mal besucht sie das Arbeitsheim für Behinderte Amriswil (ABA), um einen Eindruck des Tagesalltags einer Fachperson Betreuung (FaBe) zu gewinnen. «Ich hoffe, dass wir auch einen Rundgang durch das Wohnheim und die Arbeitsstätten machen, um zu sehen wie die Leute leben und arbeiten», sagt Asanoska.

Drei Vorträge und ein Rundgang

Michael Schönenberger, Leiter der Wohnheime, nimmt Alma und ihre 14 Mitschülerinnen im Versammlungsraum des ABA in Empfang und stellt den Sekundarschülerinnen das Arbeitsheim im Allgemeinen vor. Dazu gibt es Informationen über den Ablauf der Ausbildung und die Fächer. Nach der Theorie wird es praktischer. Iris Felber, Leiterin der Ausbildung, und Mirjam Ameur, ausgebildete Betreuerin, führen die Mädchen in zwei Gruppen durch den Betrieb. Selbst einen Blick in die Küche – für Aussenstehende sonst tabu – dürfen die Besucherinnen werfen. Im Wohntrakt sind die Schülerinnen überrascht, wie viel Platz die Bewohner haben, und dass sie sich diesen Platz auch selbstständig einteilen und einrichten können.

ABA

Die Genossenschaft Arbeitsheim für Behinderte Amriswil (ABA) gibt Leuten eine Arbeit, die auf dem ersten Arbeitsmarkt Mühe habe. Das aufgrund diverser Einschränkungen, sowohl körperlich als auch seelisch. Zum ABA gehören unter anderem eine Gärtnerei, eine Schreinerei, ein Atelier und ein Streichelzoo. Es gibt auch einen Laden, in dem die hergestellten Sachen verkauft werden. (evw)

Im Vorfeld der beiden Berufswahlnachmittage sollten sich die Schüler und Schülerinnen jeweils drei Fragen überlegen. Doch Alma Asanoska ist kaum zu bremsen. Sei es nach den Informationsvorträgen zu Beginn, während des Rundganges oder bei der abschliessenden Fragerunde, bei jeder Gelegenheit stellt die 13-Jährige Fragen. So auch nach bestimmten Regeln für die Bewohner. Die Antwort des Wohnheimleiters bringt sie zum Schmunzeln. Scheinbar hat sich nicht damit gerechnet, dass sich die Regeln so wenig von denen unterscheiden, die sie tagtäglich von ihren Autoritätspersonen zu hören bekommt.

Eine Frage, die nicht von Alma Asanoska selbst sondern von einer Mitschülerin kommt, zaubert Alma Asanoska ein Lächeln ins Gesicht. Oder besserr gesagt Ameurs Antwort auf die Frage. Die Mitschülerin will wissen, was einem in dem Beruf als FaBe erwartet. «Freude und Dankbarkeit», lautete Ameurs Antwort, denn das sei bei dem Beruf zur Genüge zu erwarten.

Rückblick auf den Nachmittag beim ABA

«Wir haben tolle Einblicke erhalten», sagt Alma Asanoska, als ihre Kolleginnen sich bereits auf den Heimweg gemacht haben.

«Ich finde es gut, dass die Schule solche Berufswahlnachmittage anbietet.»

Asanoska schaut noch einmal zurück auf das ABA und sagt «Ich würde gerne beim ABA schnuppern, damit ich alles noch besser kennen lernen kann.» Es sei auf jeden Fall ein Beruf, den sie sich vorstellen könnte, da sie gerne mit Menschen arbeite. Mit einem Lächeln erzählt sie, wie froh sie über die Möglichkeit war, Fragen stellen zu können.

«Als ich mich im Vorfeld über das ABA im Internet informiert habe, blieben einige Fragen offen. Diese sind nun beantwortet.»

AMRISWIL: Schnuppern im Akkord

Zwei Berufswahlnachmittage führen die beiden Sekundarschulen Egelmoos und Grenzstrasse jeweils mit der gesamten zweiten Oberstufe durch. Seit einigen Jahren gehen die Schüler raus in die Betriebe.
Manuel Nagel