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Beim Bahnhof Steinebrunn bauen Freiwillige Mauern und Gruben für Eidechsen und Mehlschwalben

Die Südostbahn hat beim Bahnhof Steinebrunn ein Abstellgleis zurückgebaut. Auf der neu ungenutzten Fläche entsteht eine ökologische Ausgleichsfläche. Gebaut von Freiwilligen aus der Region.
Sheila Eggmann
Freiwillige sorgen auf der Baustelle beim Bahnhof Steinebrunn für eine ökologische Aufwertung. (Bild: Reto Martin)

Freiwillige sorgen auf der Baustelle beim Bahnhof Steinebrunn für eine ökologische Aufwertung. (Bild: Reto Martin)

Bei diesen Temperaturen würde man am liebsten am See liegen oder die Füsse ins Wasser eintauchen – könnte man meinen. Nicht so Ladina Ruhstaller. Sie steht auf einer Baustelle und schichtet Steine aufeinander. Und das ehrenamtlich. Sie ist eine von knapp zwanzig Freiwilligen, die beim Bahnhof Steinebrunn eine ökologische Ausgleichsfläche bauen.

Begriffserklärung ökologische Ausgleichsfläche

Gemäss dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) ist ein ökologischer Ausgleich ein Sammelbegriff. Er steht für Massnahmen, welche die Lebensräume erhalten, wiederherstellen und miteinander vernetzten. Wichtig sei dies vor allem in intensiv genutzten und dicht besiedelten Landschaften. Ziel des ökologischen Ausgleichs ist die Förderung der einheimischen Artenvielfalt.

«Das körperliche Arbeiten macht mir keine Mühe. Ich finde es schön, in der Gemeinde mithelfen zu können», sagt sie. Die Baustelle befindet sich gegenüber der Öpfelfarm. Dort, wo früher mal ein Abstellgleis war.

Lehmgruben für die Mehlschwalben

Gartenbauer Roman Kengelbacher(Bild: Sheila Eggmann)

Gartenbauer Roman Kengelbacher
(Bild: Sheila Eggmann)

Gebaut werden eine Trockenmauer, Ast- und Steinhaufen für Reptilien, Lehmgruben für Schwalben, Flächen für Kräuter und Blumen sowie eine Blumenwiese mit Sitzgelegenheit. Auch ein Baum kommt noch dazu. Die Bauarbeiten dauern ungefähr drei Wochen und werden von Roman Kengelbacher und Samuel Güpfer begleitet, beides Gartenbauer. «Die Helfer sind motiviert, ‹tifig› und lernen schnell», spricht Kengelbacher ein Lob aus. Mit seinem Gartenbauunternehmen habe er sich auf das Projekt beworben, «weil Natur fördern sowieso das ist, was ich will». Er erhofft sich vom Projekt mehr Schmetterlinge, Heuschrecken und diverse Pflanzenarten. «Insgesamt eine ökologisch interessante Fläche.»

Roland Kauderer von «Egnach2030» (Bild: Sheila Eggmann)

Roland Kauderer von «Egnach2030» (Bild: Sheila Eggmann)

Erste Ideen zur Nutzung dieser Fläche sind entstanden, als die Südostbahn (SOB) die Anstösser über ihren Bahnhofsumbau informierte, erzählt Roland Kauderer. Er ist Geschäftsführer der Öpfelfarm und Teil der Projektgruppe «Natur Egnach 2030», die sich für den Naturschutz und ein «enkeltaugliches Egnach» einsetzt. Kauderer habe dann nach Freiwilligen gesucht, als sich das Projekt am Bahnhof konkretisierte. «Innerhalb 48 Stunden hatte ich genügend Leute zusammen», sagt er. Ihm selbst liegt der Bau am Herzen. «Ich habe auf meinem Grundstück eine Mehlschwalbenkolonie», sagt er. Ganze 21 Nester seien besetzt. Er freue sich, wenn für diese Tiere am Bahnhof wertvoller Lebensraum entsteht.

Das Projekt ist für die SOB wirtschaftlich interessant

Der Bahnhof Steinebrunn stand in letzter Zeit vermehrt in der Kritik. Kritisiert wurde, dass der Bus neu durch das Quartier vor dem Bahnhof fährt (unsere Zeitung berichtete). Nun kann die SOB mit einem Vorzeigeprojekt aufwarten. «Wir haben an der Information im März 2019 gemerkt, dass es den Anwohnern ein Anliegen ist, am Bahnhof nach wie vor eine Grünfläche zu haben», sagt Christopher Hug von der SOB-Medienstelle. Für sie sei die heutige Variante auch wirtschaftlich interessant. «Zwar haben wir höhere Investitionskosten zu Beginn, aber dafür später tiefere Unterhaltskosten», sagt Martin Pistek, Projektleiter Publikumsanlagen der SOB.

Der Bau wird zum grössten Teil vom Bundesamt für Verkehr bezahlt, einen namhaften Betrag hat zudem der Kanton Thurgau gesprochen. «Der Bau kann ein Beispiel werden, an dem sich andere orientieren können», sagt Kauderer. Er hofft zudem, auf die Projektgruppe und den Naturschutz aufmerksam machen zu können: «Wir reden nicht nur, sondern wir machen auch was».

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