Beim Arboner Saurer Museum ist man überzeugt von der Idee einer neuen «Wunderbar»

Das Ende des Hotel Wunderbar hat für Oltimerclub-Präsident Ruedi Baer auch eine gute Seite: Die ZIK Immo AG plant nämlich einen Ersatz dafür direkt im Foyer des Saurer Museums.

Annina Flaig
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Ruedi Baer, Präsident des Oldtimerclubs Saurer, im Foyer des Saurer-Museums in Arbon. Hier soll es als Ersatz für die «Wunderbar» bald ein neues Restaurant geben.

Ruedi Baer, Präsident des Oldtimerclubs Saurer, im Foyer des Saurer-Museums in Arbon. Hier soll es als Ersatz für die «Wunderbar» bald ein neues Restaurant geben.

Reto Martin

Darum geht es:

  • Das ehemalige Saurer-Werk am See in Arbon befindet sich laufend im Umbruch. Die treibende Kraft dahinter ist die ZIK Immo AG, der die Gebäude gehören. 
  • Auch das Gebäude, in dem sich das Hotel Wunderbar befindet, gehört der ZIK Immo AG. Der Mietvertrag läuft Ende 2020 ab, das Unternehmen will das Haus abreissen.
  • In einem Teil des Saurer Museums soll es ein neues Gastroangebot geben. Die Eigentümer der ZIK Immo AG hoffen, die «Wunderbar»-Betreiberin und ihr Team für das neue Projekt zu gewinnen. Doch diese ist nicht einverstanden.


Die Kontroverse um den Abbruch des Hotel Wunderbar ist für Ruedi Baer schwierig. Der Präsident des Saurer-Oldtimerclubs fühlt sich «zwischen den Fronten eingeklemmt», wie er erklärt. An den Fronten streiten derzeit Simone Siegmann, Inhaberin des Hotel Wunderbar, und die Besitzerin des Gebäudes, die ZIK Immo AG. Diese hat bei der Stadt ein Abbruchgesuch für die «Wunderbar» eingereicht. Darin steht, dass die Abbruchmaschinen im Winter 2020 auffahren sollen.

Diese Information liess bei Siegmann die Emotionen hochgehen. Sie ist mit dem Vorgehen der ZIK Immo AG nicht einverstanden und kritisiert die Eigentümerschaft. 

Bedauern auf Facebook

Der TZ-Artikel zum geplanten Abbruch des beliebten Hotel Wunderbar direkt am See hat auf Facebook in der Gruppe «Du bisch vo Arbon wenn ...» eine Diskussion mit über 20 Kommentaren ausgelöst. Die meisten äusserten ihr Bedauern: «Ohni d’Wunderbar isch’s keis richtigs Arbon meh», schrieb ein User. Jemand anders fand: «Es chunt nix ad Wunderbar mit so coole Agebot und so viel Herzbluet ane.» Jemand machte seinem Ärger Luft, dass anstelle der ‹Wunderbar› wohl bald wieder überteuerte Wohnungen für «reiche Ärsche» entstünden. Und jemand schrieb: «Das wusste man aber schon lange.»

Baer versteht vehemente Gegenwehr nicht

Das Team des Hotel Wunderbar verkauft für das Saurer Museum, welches dafür kein Personal hat, jährlich rund 3000 Eintrittskarten. Es kümmert sich um die Apéros nach Führungen, welche jeweils im Foyer des Museums stattfinden. Und es reinigt die Toiletten. Umgekehrt schicken die Museumsverantwortlichen kleinere Gruppen zum Umtrunk in die «Wunderbar». Baer hält fest:

«Wir existieren nebeneinander in perfekter Symbiose und haben ein gutes Verhältnis.»

Als Mieterin ist das Museum aber auch auf das ZIK angewiesen. Konradin Fischer, Mitinhaber der ZIK Immo AG, ist ausserdem Mitglied im Stiftungsrat des Oldtimerclubs. Gegenüber dieser Zeitung äussert Baer eine klare Haltung: «Ich bedaure das Ende der ‹Wunderbar›. Trotzdem verstehe ich die vehemente Gegenwehr von Simone Siegmann nicht.» Er verweist darauf, dass der Vertrag zwischen ZIK und «Wunderbar» auf zehn Jahre befristet ist – was beim Vertrag zwischen ZIK und Saurer Museum laut Baer ebenfalls der Fall ist.

Ausserdem habe das ZIK-Team Siegmann und ihm die Pläne für das neue Restaurant mehrmals vorgestellt und man habe gemeinsam diskutiert. Zusammen mit dem Abbruchgesuch für die «Wunderbar» hat die ZIK Immo AG nämlich auch ein Baugesuch für eine neue «Saurer Kantine» im Foyer des Saurer Museums als Ersatz für die «Wunderbar» eingereicht.

Ruedi Bär hat immer betont, dass ein Restaurationsbetrieb in unmittelbarer Nähe für das Museum existenziell sei. Deshalb soll das neue Restaurant seine Pforten just dann öffnen, wenn die «Wunderbar» ihre Türen schliesst. Das versprechen die Besitzer. Baer glaubt ihnen: «Ich vertraue darauf.»

Unterirdisch stehen Räume schon bereit

Ruedi Baer weiss, dass die ZIK Immo AG unter dem «Durchgang zum See» – ein Weg, welcher neben dem Museum vorbei führt und das ZIK-Areal mit dem See verbindet – bereits Räume erstellt und an die Infrastruktur angeschlossen hat, welche man beim Einbau eines Restaurants nur noch erschliessen muss.

Anders als Simone Siegmann, die allenfalls ihre Existenz verliert, geht es bei den Betreibern des Saurer Museums lediglich darum, ob man bereit ist, das Foyer zu räumen, und ob man mit dem Ersatz leben kann. Das kann man, wie Baer betont:

«Ich bin überzeugt, dass das ein lässiges Restaurant wird.»
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