Beim Arboner «Bündnerhof» läuft die Baubewilligung aus: Der Eigentümer erzählt, was er jetzt vorhat

Rien ne va plus beim «Bündnerhof» in Arbon: Der Eigentümer sucht einen Käufer. Und hadert: Die Platane sei ein Verkaufshindernis.

Max Eichenberger
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Eigentümer Carmelo Pepi will das Bünderhofareal mitsamt bewilligtem Projekt verkaufen.

Eigentümer Carmelo Pepi will das Bünderhofareal mitsamt bewilligtem Projekt verkaufen.

Bild: Max Eichenberger (Arbon, 2. Juli 2020)

Schmeisst Carmelo Pepi entnervt den Bettel hin? Eine prominent an der Abschrankung der Bündnerhof-Brache angebrachte Tafel lässt dies so auffassen: «Bauland zu verkaufen.» Schon einmal stand der 75-Jährige vor dem Rückzug, weil er behördliche Knebel zwischen die Beine geworfen wähnte und es ihm nicht glatt genug vorwärtsging.

Seit dem Kauf der alten Arbeiterwirtschaft «Bündnerhof» vor sieben Jahren hegt Carmelo Pepi Überbauungspläne. Erst stand ihm die kantonale Denkmalpflege im Weg, bis er 2016 die baufällige Liegenschaft endlich abreissen konnte. Pepi meinte nun, freie Bahn zu haben, stiess aber neuerlich an. Ein Neubauprojekt liess er ohne Einbezug der mächtigen Ahornplatane planen. Blauäugig ging Pepi davon aus, dass er als Eigentümer den Baum fällen könne.

Diese Ahornplatane wollte Carmelo Pepi fällen.

Diese Ahornplatane wollte Carmelo Pepi fällen.

Bild: Sheila Eggmann (23.07.2019)

Doch die grosse Platane ist im Schutzplan aufgeführt. Pepi glaubte, sich über diesen hinwegsetzen zu können mit dem Argument, der Baum sei krank und stelle ein Sicherheitsrisiko dar. Ein entscheidendes Gutachten verneinte dies und bescheinigte der «ortsbildstiftenden Platane» eine «gesunde Vitalität» und noch eine lange Lebensdauer. Worauf der Stadtrat das Bauprojekt als nicht bewilligungsfähig taxierte.

Niemand will das Sicherheitsrisiko tragen

Mit einem neuen Architekten projektierte der Bauwillige neu, zwei Mehrfamilienhäuser mit Gewerbeanteil – diesmal um den sakrosankten Baum herum. Seit Herbst 2018 liegt dafür die Baubewilligung zwar vor. Entgegen der Ankündigung Pepis fuhren jedoch keine Baumaschinen auf. Investoren sind Pepi zufolge zurückgeschreckt. Grund: Die Platane raube zu viel Platz und schränke die Parkingmöglichkeiten ein. Eine Tiefgarage zu erstellen, wie ursprünglich geplant, ist bei den gegebenen Rahmenbedingungen für das neue Projekt nicht mehr möglich. Und ein Sicherheitsrisiko wegen des Baumes wolle niemand tragen.

Ein potenzieller Käufer schuldet Pepi noch eine Antwort. Die Zeit drängt. Im September läuft die Baubewilligung aus. Mit dem Anbringen der missverständlichen Verkaufstafel wollte der Eigentümer nochmals einen Interesse-Schub auslösen: «Logisch ist, dass ich für das Land mitsamt baubewilligtem Projekt einen Käufer suche», stellt Pepi klar. Das werde er noch präzisieren und einen Kleber anbringen.

Pepi kündigt an, der Stadt ein Gesuch um Verlängerung der Baubewilligung einzureichen.

«Wenn ich nicht verkaufen kann, werde ich gezwungen sein, selber zu bauen. Ich habe schon sehr viel Geld investiert.»

Mit der Stadt will er auch die möglichen Haftungsfragen klären, wenn etwa herunterbrechende Äste Schaden anrichten sollten: «Wenn etwas passiert, soll das die Stadt zahlen.» Denn sie brocke ihm ein, die Platane stehen zu lassen.

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