Beim Amriswiler «Hirschen» hielten einst die Postkutschen: Einer dieser Briefe von 1851 kehrt nun zurück

Die Philatelistin Lisa Pessina schenkt der Stadt Amriswil einen seltenen Faltbrief, abgeschickt 1851 in Köpplishaus.

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Lisa Pessina ist leidenschaftliche Philatelistin.

Lisa Pessina ist leidenschaftliche Philatelistin.

Bild: PD

Der Onlinehändler SwissPhila kontaktierte kürzlich Andreas Müller, den Kulturbeauftragten der Stadt Amriswil, um ihn auf einen Brief aufmerksam zu machen, der 1851 in Köpplishaus aufgegeben, frankiert und nach Tobel geschickt wurde. Diesen würde man gerne der Stadt verkaufen. Katalogpreis des Briefes: 8500 Franken. Frankiert ist er mit zwei 2,5-Rappen-Marken aus dem Jahr 1850. Andreas Müller sagt:

«Das Spezielle am Brief sind aber nicht die Marken an sich, sondern der Stempel der Poststelle Köpplishaus. Denn diese hat nur von 1842 bis 1855 existiert und wurde vom ‹Hirschen›-Wirt Johannes Schadegg geführt.»

Der stattliche Fachwerkbau an der Weinfelderstrasse war die erste Poststelle in Amriswil. Hier war auch der Kreuzungspunkt und die Pferdewechselstation für Kutschen aller Art von St. Gallen nach Konstanz oder von Frauenfeld nach Arbon. Gelbe Postkutschen, meistens gezogen von vier Pferden, beförderten Postsendungen und zahlende Fahrgäste. Von Köpplishaus brachte dann ein Bote täglich die Post in die Gegend von Hefenhofen und Sommeri, ein zweiter in Richtung Bischofszell und der dritte in Richtung Uttwil. An drei Tagen in der Woche war ein vierter Postbote nach Almensberg, Hagenwil und Räuchlisberg unterwegs. Durch die Errichtung einer Poststelle im damals neuen Amriswiler Bahnhof wurde jene im «Hirschen» aufgehoben.

Der Stadt etwas zurückgeben

Deshalb wird der in Köpplishaus gestempelte Faltbrief als seltener Thurgau-Beleg gehandelt. Lisa Pessina, Philatelistin aus Amriswil, sagt:

«Damit hat die SwissPhila der Stadt ein Zeitdokument angeboten, das wirklich nach Amriswil gehört.»

Nach einer Verhandlungsphase konnte der Brief an die Stadt übergehen. Pessina überreichte ihn der Stadt als Schenkung. «Ich bin vor fünf Jahren von Lugano hierher gezogen und fühle mich sehr wohl hier. Ich bin überaus dankbar für mein erfülltes Leben und möchte hiermit etwas zurückgeben», sagt Lisa Pessina. Für die Stadt eine Überraschung, zumal Pessina von Andreas Müller nur als Beratungsperson zugezogen wurde, um abzuklären, ob der Brief für Amriswil tatsächlich wertvoll wäre. Denn die Expertin führte einst ein Philateliegeschäft in Chiasso und besuchte Auktionen in ganz Europa, auch im Auftrag von Kunden.

Nun soll der Brief ins Ortsmuseum. Allerdings gehört das Original laut Pessina ins Archiv. Der Brief sollte nicht exponiert werden, er sei zu delikat. Auch gebe dieser als Ausstellungsobjekt nicht sehr viel her, zumal der Poststempel von blossem Auge kaum zu erkennen ist. Lisa Pessina empfiehlt deshalb, eine optische Vergrösserung des Stempels und der Marken auszustellen und so der Amriswiler Bevölkerung zugänglich zu machen. (red)