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Bei Sekunde 56 bricht der Notstand aus

TZ-Praktikantin Viviane Vogel hat im Thurbad Weinfelden einen Apnoetauchkurs für Anfänger besucht. Ein Erfahrungsbericht.
Viviane Vogel
Viviane Vogel beim Selbstversuch im Apnoetauchkurs Kurs in der Badi Weinfelden. Kursleiter Raphael Schaub gibt ihr Tipps. (Bild: Donato Caspari)

Viviane Vogel beim Selbstversuch im Apnoetauchkurs Kurs in der Badi Weinfelden. Kursleiter Raphael Schaub gibt ihr Tipps. (Bild: Donato Caspari)

Im Rahmen der Lehrerweiterbildungskurse Swch, die derzeit in Weinfelden stattfinden, habe ich einen Apnoetauchkurs für Anfänger besucht. Apnoetauchen bedeutet, dass man ohne Sauerstoffflasche oder ähnliche Ausrüstung unter Wasser geht. Der Kurs beginnt mit ruhig daliegen und atmen. In einer Badi mit tausend surrenden Käfern und quiekenden Kindern nicht denken – das ist die wahre Herausforderung des Apnoetauchens. «Ich gehe immer in Gedanken auf meine Insel», erklärt Kursleiter Raphael Schaub. Eine Insel finde ich in meinem Kopf leider nicht. Dafür denke ich nach über das Nicht-Denken.

Sieben Liter Lunge ist von Vorteil

Die Atemübung geht so, dass man zuerst eine Minute lang normal atmet, mit einer Hand auf dem Brustkorb und der anderen auf dem Bauch. «Atmet einfach so, wie es euch angenehm ist, verlasst eure Komfortzone nicht», sagt Schaub. Es folgen drei tiefe Atemzüge. Schaub zeigt vor, wie man in dieser Phase die Luft einsaugen soll. Zuerst füllt er seinen Bauch, dann hebt sich auch sein Brustkorb. Das saugende Geräusch ist so laut, dass ich unweigerlich auch mehr Luft hole, als ich bräuchte. «Ich kann meine Lunge mit rund sieben Litern Luft füllen», sagt Schaub, worauf ungläubiges Gelächter folgt. «Sieben Liter», ruft ein Lehrer aus, nimmt seine Trinkflasche, und starrt sie ungläubig an. «Dann könnte ich die ja siebenmal füllen und in deine Lunge leeren.» Schaub antwortet, dass dieser Vergleich nicht so direkt gemacht werden kann. Trotzdem sind wir alle sehr beeindruckt.

Viviane Vogel beim Selbstversuch im Freediving Kurs in der Badi Weinfelden. (Bild: Donato Caspari)

Viviane Vogel beim Selbstversuch im Freediving Kurs in der Badi Weinfelden. (Bild: Donato Caspari)

Nachdem wir die Übung an Land noch zweimal gemacht haben, gehen wir zum Pool, ausgestattet mit Stoppuhr, Taucherbrille und einer Nasenklammer. Es wird gewitzelt, aber eine gewisse nervöse Neugier ist spürbar. Die Atemübungen und die Sonne haben dazu geführt, dass ich in etwas verschlafenem Modus und gut aufgewärmt einen Fuss ins Becken strecke und mich sogleich verkrampfe – ohalätz, kalt! «Wasser mit tiefer Temperatur hat einen wichtigen Vorteil: So senkt unser Körper den Puls und ein tiefer Puls braucht weniger Sauerstoff», erläutert Schaub.

Wir tun uns in Grüppchen zusammen. Einer macht die Übungen und hält dann die Luft unter Wasser an. Der andere steht dabei und hält dem Tauchenden die Hand auf den Rücken. Das ist wichtig für den Notfall. Der Dritte stoppt die Zeit. Hier gilt dieselbe Vorbereitung: Eine Minute entspannt atmen, drei tiefe Atemzüge, und dann abtauchen. Wobei abtauchen einfach bedeutet, auf der Wasseroberfläche zu schweben. Wer das also in einer Badi üben will, sollte vielleicht den Bademeister informieren um nicht aus Versehen gerettet zu werden.

Geschafft! Viviane Vogel konnte wieder auftauchen. Die Erleichterung ist gross. (Bild: Donato Caspari)

Geschafft! Viviane Vogel konnte wieder auftauchen. Die Erleichterung ist gross. (Bild: Donato Caspari)

Der Körper reagiert mit Notvorrichtungen

Als ich so vor mich her schwebe, die Hand meiner Partnerin auf dem Rücken, beginnt sich langsam mein Körper zu melden. Er fängt damit an, Atemreiz auszulösen. Mein Gehirn denkt nur ans aufatmen. Da der Sauerstoffmangel anhält, merke ich, wie es in meinem Zwerchfell zu pochen beginnt. Unwillkürlich muss ich zucken. Die Kälte des Wassers bringt mich zum Schlottern. Mein Gehirn scheint schneller zu denken, malt sich schlimme Szenarien aus und erinnert mich daran, wie schön es war, als ich noch atmete. Die bildliche Vorstellung, wie ich zitternd im Wasser hänge und zucke, ist zu viel. Ich tauche auf, weil ich lachen muss. Gierig saugt mein Körper Luft ein und mein Zwerchfell beruhigt sich wieder. Das mit dem Gedanken ordnen hat nicht geklappt. Diese, verglichen mit den Leistungen der anderen, unterdurchschnittlichen 56 Sekunden hat mein Gehirn ausserordentlich dramatisch gestaltet.

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