Bei einer Wassertemperatur von sieben Grad: 78-jähriger Tägerwiler nimmt an Eisschwimm-WM teil

Ernst Späti aus Tägerwilen hat an der Eisschwimm-WM in der Slowenien teilgenommen. Wie der 78-jährige Winterschwimmer abgeschnitten hat, weiss er gar nicht.

Julia Hanauer
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Der Tägerwiler mit der Schweizerkreuz-Kappe beim Wettkampf im slowenischen Bled.

Der Tägerwiler mit der Schweizerkreuz-Kappe beim Wettkampf im slowenischen Bled.

(Bild: PD)

«Das Wasser bei der Weltmeisterschaft war warm», sagt der Tägerwiler und lacht. Sieben Grad. Die tiefste Temperatur, bei der er je geschwommen sei, seien zwei Grad gewesen. «Es war sehr schönes Wetter vor zwei Wochen am Wettkampf, so wie heute», erzählt er und deutet aus dem Fenster, wo sein Garten im Frühling ankündigenden Licht leuchtet.

Ernst Späti, Winterschwimmer aus Tägerwilen.

Ernst Späti, Winterschwimmer aus Tägerwilen.

(Bild: PD)

Für den Wettkampf im slowenischen Bled wurde auf einem See ein Becken abgesteckt, aufgeteilt in einzelne Bahnen. Rund 1300 Teilnehmer aus 36 Nationen seien an den Start gegangen, sagt Späti. Jeder starte für sich selbst. Bevor er selbst in den Wettkampf einsteigt, begibt sich Späti immer ins Wasser, um die Temperatur zu prüfen und sich auf die Kälte einzustellen. Zum Start stehen die Teilnehmer auf einer Leiter und sobald der Startschuss fällt, geht es los.

Nach 1000 Metern ist Schluss

Bled war nicht Spätis erste WM-Teilnahme. 2012 startete er in Lettland und 2014 in Finnland am Polarkreis. Eigentlich wollte er dieses Mal in Bled 400 Meter schwimmen, doch er bekam nur die Erlaubnis für vier mal 25 Meter. In Finnland habe er bei 1000 Metern einen weiteren Konkurrenten gehabt, der aus gesundheitlichen Gründen während des Wettkampfs ums Leben kam. Daher vermutet Späti, dass er aufgrund seines Alters nicht mehr so weit habe schwimmen dürfen.

Was bewegt einen dazu, freiwillig in eiskaltem Wasser zu baden? Er sei aus Blödsinn zum Winterschwimmer geworden, erzählt Späti. An einem schönen Spätherbsttag 1982 spazierte er mit seiner Frau an der Tägerwiler Badi vorbei und hatte Lust zu baden. Seine Frau sagte: «Mach es doch.»

Und so suchte sich Späti wenig später aufgrund nicht vorhandener Badehose einen Weg durchs Schilf und stürzte sich ins kühle Nass. 16 Züge schaffte er bei seinem ersten Mal – und sein Ehrgeiz war geweckt. Bis zu Weihnachten wollte er durchhalten, an Weihnachten dann bis Ostern. Inzwischen hält er fast 40 Jahre durch.

Schmerzen werden verdrängt

Wenn Späti erzählt, entsteht der Eindruck, dass das Baden bei niedrigen Temperaturen nichts Besonderes ist. Wer aber jemals schon im Herbst nur mit den Füssen im Wasser stand und am eigenen Leib erfahren hat, wie schnell die Gliedmassen wehtun und kalt werden, der bekommt einen minimalen Eindruck dessen, was er macht. Er sagt:

«Eine besondere Vorbereitung finde ich nicht nötig, da ich vorher ein bis zwei Mal pro Woche trainiere und jeweils vor der WM vor Ort zur Probe schwimme und dabei das Gefühl für das Wasser bekomme.»

In Bled hatte er zwei Konkurrenten in seinem Alter. Welche Zeit er für die 200 Meter hinlegte und welchen Platz er ergatterte, weiss Späti gar nicht. Dabei sein ist eben alles – und eine Medaille gab es für jeden Teilnehmer.

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