Bei der ISA Sallmann AG in Amriswil geht der Generationenwechsel weiter

Ein Jahr nach Bruder Christian steigt nun auch Thomas Sallmann in die Firma der Familie ein. Vater Andreas will in zwei Jahren aufhören.

Manuel Nagel
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Andreas Sallmann tritt kürzer bei der ISA Sallmann AG und überträgt seinen Söhnen Thomas und Christian mehr Verantwortung. Unterstützt werden die beiden weiterhin von Finanzchef Jürg Kehl.

Andreas Sallmann tritt kürzer bei der ISA Sallmann AG und überträgt seinen Söhnen Thomas und Christian mehr Verantwortung. Unterstützt werden die beiden weiterhin von Finanzchef Jürg Kehl.

(Bild: Andrea Stalder)

«Blut ist dicker als Wasser.» Sagt man zumindest, wenn sich jemand für die Familie entscheidet. Die Redensart gibt’s in fast jeder Sprache. «Blood is thicker than water» heisst es auch in den USA. Dort war Thomas Sallmann zuletzt für die Hilti Group tätig und hatte gute Karriereaussichten beim weltweit operierenden Werkzeughersteller aus Liechtenstein. Doch Thomas, der zweitälteste Sohn von Andreas Sallmann, Geschäftsführer der ISA Sallmann AG, entschied sich für eine Rückkehr nach Hause, für das familieneigene Unternehmen und somit auch für die Selbständigkeit.

Thomas Sallmann.

Thomas Sallmann. 

(Bild: Andrea Stalder)

Der 31-Jährige folgt damit seinem zwei Jahre älteren Bruder Christian, der sich vor genau einem Jahr zum selben Schritt entschloss und als COO, als operativer Geschäftsführer, bei der Amriswiler Textilfirma einstieg. Mit Christian übernahm bereits die siebte Generation der Familie Sallmann das Ruder der Traditionsfirma – und nun verstärkt Bruder Thomas die Kommandobrücke, beziehungsweise die Geschäftsleitung.

Externer Berater für den Nachfolgeprozess

Als Oberst der Schweizer Armee kommandierte Vater Andreas Sallmann das Thurgauer Territorialregiment 43 – und generalstabsmässig begann er vor vier Jahren auch seine Nachfolge am Familientisch aufzugleisen. «Spätestens mit 65 will ich das Unternehmen verlassen – lieber noch etwas früher», sagt der heute 63-Jährige. Hätten seine Söhne nicht schon früh Interesse signalisiert, so hätte er vor fünf Jahren den Verkauf der Firma vorbereitet.

Andreas Sallmann.

Andreas Sallmann.

(Bild: Andrea Stalder)

Doch so holte er einen Berater an Bord, der die ganze Familie in den Prozess einer familieninternen Nachfolge einführte. Denn gerade das Finanzielle sei bei diesen Prozessen immer ein grosses Thema. Jedes der sechs Kinder von Andreas Sallmann hatte die Gelegenheit, in die Firma einzusteigen. Drei der vier Schwestern, die alle nach Christian und Thomas kamen, haben sich für einen anderen Weg entschieden. Martina, mit 23 Jahren die Jüngste, steigt vielleicht später noch ein. «Es war ein sehr fairer Prozess, wenn auch sehr komplex», sagt Thomas Sallmann rückblickend.

Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer

Vertraglich wurde für alle Kinder eine Frist festgesetzt, bis wann sie sich entscheiden und die entsprechende Ausbildung zu absolvieren hatten. «Würde man es allen offen lassen, wäre das das Schönste – aber für die Firma funktioniert das einfach nicht», sagt Thomas Sallmann. Er musste sich bis Ende Januar 2020 entscheiden, ob er bei Hilti bleibt oder heimkehrt, und er hätte ein weiteres Jahr Zeit gehabt, bei der ISA Sallmann AG einzusteigen. 

Den Entscheid traf Thomas Sallmann früher und der Einstieg ins Familienunternehmen erfolgt schon jetzt. Schwer sei ihm die Entscheidung nicht gefallen.

«Wenn man die Chance hat, in siebter Generation etwas weiterzuführen und auch noch die Aussicht hat, die Firma zu kaufen, das kann einem kein Grosskonzern bieten, so attraktiv er auch ist.»

Aber nicht nur das hat den Ausschlag gegeben. Sowohl er wie auch seine aus Erlen stammende Frau seien sich einig gewesen, dass sie sich längerfristig irgendwo niederlassen wollten, was nicht möglich gewesen wäre, hätte sich Thomas Sallmann für Hilti entschieden. «Diese Variante schlägt deshalb alles», sagt er.

Gute Sparringpartner

Christian Sallmann.

Christian Sallmann. 

(Bild: Andrea Stalder)

Geschlagen geben muss sich Thomas auch oft, wenn er gegen Bruder Christian Tennis spielt. Es ist die grosse Leidenschaft, welche die beiden verbindet, auch wenn sie sonst unterschiedlich sein mögen. «Ihre Grossmutter brachte ihnen das Tennisspielen bei» erinnert sich Vater Andreas, der es als Stärke für die Firma erachtet, dass die Söhne sehr unterschiedlich sind.

Sie würden auch in der Firma gute Sparringpartner sein, ist der jetzige Patron überzeugt. Wer der beiden schliesslich der Kopf der Firma sein wird, da will er sich raushalten. Das sollen die Söhne selber ausmachen. Dass sie nicht nur gut gegen-, sondern auch miteinander können, haben sie ebenfalls im Tennis bewiesen. «Wir waren ein starkes Doppel. Er als Rechts- und ich als Linkshänder – da haben wir grosse Erfolge gefeiert», sagt Christian Sallmann.

CEO-Posten wird nicht auf Tennisplatz ausgespielt

Allerdings werde nicht in einem Tennismatch ausgespielt, wer CEO der Firma werde. «Da hätte ich keine Chance», sagt Thomas lachend und meint dann, dass dies sowieso keine grosse Rolle spielen dürfe, wer in Zukunft welchen Titel trage. «Entscheidend ist, dass wir die Firma weiterbringen», stellt er klar. Wichtig ist für Thomas Sallmann auch, dass man Geschäftliches von Privatem trenne, auch wenn das bei einem Familienunternehmen nicht immer einfach sei.

«Für mich ist klar, wenn wir beide zusammen gemütlich ein Glas Wein trinken, dann wird nicht übers Geschäft gesprochen.»

Vielleicht ist Tennis ein Thema. «In diesem Jahr spielen wir wieder zusammen Interclub, nachdem Thomas lange im Ausland war», kündigt Bruder Christian an. «Das schauen wir noch», entgegnet Thomas und sagt mit einem Pokergesicht: «Ich habe auch noch andere Angebote.»

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