Bei den Weinfelder Parlamentswahlen sind die Grünliberalen die grossen Gewinner

Am Sonntag haben die Weinfelder Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr erstes Stadtparlament gewählt. Zwei Bisherige wurden abgewählt. Links-Grün gewinnt auf Kosten der rechts-bürgerlichen Parteien.

Sabrina Bächi, Mario Testa
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Glückliche Gewinner: Marcel Preiss erhält Unterstützung im Parlament. Zwei Parteikollegen dürfen nun mit ihm im ersten Weinfelder Stadtparlament politisieren. Peter Fretz und Matthias Riggenbach schafften die Wahl. (Bild: Mario Testa)

Glückliche Gewinner: Marcel Preiss erhält Unterstützung im Parlament. Zwei Parteikollegen dürfen nun mit ihm im ersten Weinfelder Stadtparlament politisieren. Peter Fretz und Matthias Riggenbach schafften die Wahl. (Bild: Mario Testa)

Die Siegerin ist klar: Die Grünliberale Partei holt sich zwei Sitze und ist nun mit drei Sitzen im Parlament vertreten. Sie luchst mit der SP den drei grössten Parteien SVP, FDP und CVP je einen Sitz ab.

«Wir haben seriös gearbeitet und mit sehr vielen Leuten gesprochen», sagt Neu-Parlamentarier Peter Fretz von der GLP. «Wir wollen der Gemeinde, den Leuten und der Umwelt Sorge tragen – und das hat offenbar überzeugt.» Der wiedergewählte GLP-Parlamentarier Marcel Preiss sagt: «Der nationale Trend hat uns sicher in die Hände gespielt. Aber ich denke, auch unser Parteipräsident Ueli Fisch hat mit seiner grossen Präsenz und guten Vorstössen mitgeholfen.»

SVP verliert einen bisherigen Parlamentarier

Die SVP zeigt sich ernüchtert aber nicht überrascht über das Wahlresultat. «Der nationale Trend hat dies vermuten lassen. Wir wären dennoch froh gewesen, wenn wir unseren achten Sitz hätten halten können», sagt Stefan Wolfer. Bei den vergangenen Wahlen konnte die Weinfelder Volkspartei ihren Sitz jedoch nur knapp halten, erzählt Ortsparteipräsident Manuel Strupler. «Dass es deshalb diesmal knapp wird, wussten wir.»

Die SVP hat zwei neue Gesichter im Parlament. Marcel Knup und Max Brunner haben den Sprung geschafft. Nicht wiedergewählt wurde Beat Gremminger. «Es ist sehr schade, dass Beat abgewählt wurde. Er war ein engagierter Parlamentarier», sagt Strupler. Immerhin, fügt er an, seien die Jungen im Aufwind. «Das freut mich.»

Von einer thematischen Umorientierung will die Volkspartei aber nichts wissen. «Wir sind nicht gegen die grünen Themen», sagt Wolfer, «aber es sind nicht unsere Kernthemen».

FDP kann den sechsten Sitz nicht halten

Bei der FDP wiegt der Abgang von Marcel Tanner zu schwer. Es ist der Partei nicht gelungen, den Sitz des abtretenden, langjährigen Parlamentariers zu halten. «Unsere Enttäuschung hält sich jedoch in Grenzen. Wir haben vor vier Jahren einen Sitz hinzu gewonnen und diesen nun wieder verloren», sagt Ortsparteipräsidentin Michèle Strähl-Obrist, die mit den sechstmeisten Stimmen ihrer Partei den ersten Ersatzplatz belegt. «Immerhin haben bei uns alle Bisherigen die Wiederwahl geschafft, dieses Ziel haben wir erreicht.»

Die Sitzverteilung im Parlament

Die Sitzverteilung im Parlament

Mit den Sitzverlusten von SVP und FDP verlieren die Bürgerlichen, zu der auch die EDU zählt, ihre bisherige Mehrheit im Parlament. «Es wird sicher anspruchsvoller, bürgerliche Mehrheiten im Stadtparlament zu finden. Das ist eine grosse Herausforderung», sagt Strähl.

Gross ist die Enttäuschung bei der CVP. «Unser Ziel war es, die fünf Sitze zu halten. Das ist uns nicht gelungen», sagt Wahlkampfleiterin Nicole van Rooijen-Rollier. «Heute wurde die Mitte geschwächt. Dass die bürgerlich-rechte Seite ihre Mehrheit eingebüsst hat, ist hingegen nicht so schlecht.» Man gehe nun sicher parteiintern über die Bücher, analysiere die Wahlresultate und werde daraus die nötigen Schlüsse ziehen.

SP gewinnt einen Sitz dazu

Freude herrscht bei der SP. Fritz Streuli geht mit seinem Wahlresultat in die sechste Legislatur und erlebt nach langer Zeit wieder einmal einen Sitzzuwachs für seine Partei. «Es ist schön, dass ich dabei sein darf, wenn es endlich wieder nach oben geht», sagt er. Es sei ein ganz tolles Gefühl. Die Fraktion (SP, GP und GLP) sei nun von sechs auf neun Personen angewachsen, was überaus erfreulich sei. «Wir durften aufgrund der aktuellen Themen damit rechnen, zu den Gewinnern zu zählen», sagt Streuli.

Auch er müsse nun die Resultate noch genauer studieren, um herauszufinden, ob der Partei die Listenverbindung das vierte Mandat eingebracht hat.

Grüne profitieren nicht von der Listenverbindung

Etwas lange Gesichter machen die Grünen. Obwohl die Listenverbindung mit der SP und GLP anscheinend Früchte getragen hat, kann die GP nicht davon profitieren. Sie hat immer noch zwei Vertreter im Parlament. «Es ist sicher ein grosser Erfolg der Listenverbindung. Aber wir wollten einen zusätzlichen Sitz. Dass es nicht geklappt hat, ist schade», sagt Parlamentarier Martin Müller. Er müsse nun analysieren, wie knapp das Resultat ausgefallen sei.

«Unser Ziel war ein dritter Sitz, das haben wir nicht erreicht», sagt JA-Parlamentarier Steven Müller. «Aber schön, haben Samuel und ich die Wiederwahl geschafft. Neue haben es einfach schwer, während Bisherige einen Vorteil geniessen, das zeigt sich gut.» Er sei auf alle Fälle gespannt auf die Parlamentsarbeit, nun da die Machtverhältnisse etwas verschoben wurden.

Gutes Resultat für Lukas Madörin

Ähnlich sieht es auch Roger Stieger von der EVP. «Klar hätten wir gerne einen dritten Sitz gehabt, aber das Resultat ist doch sehr gut und unsere beiden Parlamentarierinnen sind nachwievor dabei.» Er finde die neue Kräfteverteilung hin zur Mitte gut und dass die rechts-bürgerlichen ihre Mehrheit verloren haben.

Grosse Freude über sein Wahlresultat hat Lukas Madörin von der EDU. «Ich habe fast doppelt so viele Stimmen gemacht, wie vor vier Jahren. Die Weinfelder sehen, was ich leiste und honorieren es offenbar.» Als Kleinpartei könne die EDU stolz auf dieses Resultat sein, sagt er. Dass es jedoch nicht für einen zweiten Sitz gereicht habe, sei schade.